Prof. Dr. August Weilenmann

 

Prof. Dr. August Weilenmann hat sich ebenfalls ausführlichst mit den Aneroidbarometer nach dem System Jakob Goldschmid befasst und darüber zahlreiche Veröffentlichungen verfasst.

 

Sein Engagement ging sogar so weit, dass er Vorschläge für einen verbesserten Aneroidbarometer nach dem System Jakob Goldschmid machte, der dann tatsächlich auch gefertigt wurde, und auch nach ihm benannt wurde. Details hierzu finden Sie in der Rubrik "Konstruktionen".

 

Diese Weilenmann - Aneroide wurden alelrdings nur in ganz kleinen Stückzahlen gefertigt, da sie vergleichen zu den normalen Aneroidbarometer nach dem System Goldschmid - konstruction 1 - doch eher unhandlich groß und schwer waren.

 

Von Prof. Dr. August Weilenmann sind drei Portraits bekannt, die Sie nachstehend sehen. Das rechte enstammt seinem nachstehenden Nachruf.

 

 

Den Nachruf auf Prof. Dr. August Weilenmann lesen wir in der Zeitschrift "Verhandlungen der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft = Actes de la Societe Helvetique des Sciences Naturelles = Atti della Societä Elvetica di Scienze Naturali", Band 89 von 1906.

 

Prof. Dr. August Weilenmann

1843 — 1906

 

Am 10. November 1906 starb in Zürich Dr. August Weilenmann, Professor der Physik an der Kantonsschule und Honorarprofessor am eidg.Polytechnikum. Wer hat ihn nicht gekannt, den Unermüdlichen, der stets gemessenen Schrittes seinen vielen Verpflichtungen nach­ging, die kraftvolle Gestalt mit dem energischen und doch freundlichen Gesichtsausdruck! Prof. Weilenmann war eine der bekanntesten und geachtetsten Persönlich­keiten zu Stadt und Land.

 

August Weilenmann wurde am 9. Januar 1843 als Sohn einfacher Bauersleute in Knonau geboren. Nach Absolvierung der Schulen seiner Heimatgemeinde trat er ins Lehrerseminar ein, um sich für höhere Studien vorzubereiten. Allein der schon frühzeitig im Denken und Handeln äusserst selbständige Jüngling verliess die Berufsschule schon nach 1 1/2 Jahren, um sich priva­tim fürs Medizinstudium vorzubereiten. Der Plan wurde wieder geändert; mit 18 Jahren trat Weilenmann in die 6. Abteilung des eidg. Polytechnikums ein und bestand nach 3 Jahren mit glänzendem Erfolge die Diplom­prüfung in Mathematik und Physik. Prof. Rudolf Wolf erkannte in dem 21-jährigen Lehramtskandidaten den wissenschaftlich produktiven, gewissenhaften Arbeiter und ausgezeichneten Beobachter und ernannte ihn zum Assistenten an der eben gegründeten Sternwarte, eine Stellung, in welcher er während eines vollen Dezenniums verblieb. Er übernahm die Leitung der meteorologischen Beobachtungen des von der Schweiz, naturforschenden Gesellschaft Ende des Jahres 1863 gegründeten Stations­netzes und verarbeitete das breitschichtige Beobachtungsmaterial in vorbildlicher Weise. 1867 trat Weilenmann als Hilfslehrer der Mathematik dem Lehrkörper der Kantonsschule bei und widmete sich seit 1873 ganz der Lehrtätigkeit, zuerst als Mathematikprofessor am Gym­nasium und später, als Nachfolg-er Prof. Lommels, als Physiklehrer an der gesamten Kantonsschule. Er kam so auf das seinen Neigungen am besten entsprechende Arbeitsgebiet, in dem er ganz Hervorragendes geleistet hat. 1885 bezog er das neue Physikgebäude an der obern Rämistrasse; wie hatte ersieh darauf gefreut, das jetzt im Bau begriffene physikalische Institut, für dessen Einrichtung er noch so viel gearbeitet hat, zu beziehen!

 

Neben seiner Lehrtätigkeit an der Kantonsschule war Weilenmann Privatdozent der Meteorologie an der Universität und nachher am eidg. Polytechnikum, das ihn im Jahre 1901 zum Honorarprofessor ernannte, und fand ausser seiner Betätigung als Vortragender in den Vereinigungen des Gewerbe- und Arbeiterstandes und als Direktor der Zentralen Zürichbergbahn immer noch Zeit zu intensiver Forscherarbeit. Weilenmanns Publikationen, zum Teil auch pädagogischen Inhaltes, zeichnen sich durch einfache äusserst klare Darstellung und scharfe Logik aus. Neben den Mitteilungen über seine Sonnenfleckenbeobachtungen, den Untersuchungen über Reibung, Zentralbewegung und die astronomische Refraktion, werden in Fachkreisen namentlich seine Arbeiten über die Anwendung der Thermodynamik auf die theoretische Meteorologie sehr geschätzt. Einen aus seiner reichen pädagogischen Erfahrung hervorgegangenen Leitfaden der Physik konnte er in seinen letzten Lebenswochen bis auf ein paar Seiten beendigen.

Durch den Hinschied Prof. Weilenmanns verlor die Schweiz, naturforschende Gesellschaft und namentlich ihre Tochtersektion in Zürich ein treues Mitglied, das ihr während einiger Dezennien angehörte und dem sie vieles zu verdanken hat. Als Aktuar der zürcherischen naturforschenden Gesellschaft fehlte Weilenmann während vielen Jahren in keiner Sitzung und war häufig Vor­tragender über eigene Untersuchungen und über wichtige neue Erscheinungen auf physikalischem Gebiet. Er besass die Gabe, auch einen schweren Stoff in allgemein verständliche Form zu kleiden; sein Vortrag war streng geordnet und stets auf das tatsächliche gerichtet mit sorgfältiger Vermeidung alles Scheines Prof. Weilenmann hat eine ungeheure Arbeitslast bewältigt. Sein eigentliches Lebenswerk aber ist seine Tätigkeit als Physiklehrer an der Kantonsschule Zürich. Es hat wohl kaum einen Lehrer gegeben, zu dem alle seine Schüler mit solcher Verehrung aufschauten und an den sie sich zeitlebens so freudig erinnerten, wie Papa Weilenmann. Das bekundeten bei seinem Hinschiede die zahlreichen Kranzspenden von Maturitätsklassen, welche zum Teil schon vor vielen Jahren die Kantonsschule verlassen hatten. Alle Schüler liebten ihn wegen seines Wohlwollens und seines Taktgefühles; sie schätzten ihn, weil sie fühlten, dass er seine ganze grossartige Persönlichkeit für den Unterricht einsetzte,, dass ihm keine Arbeit zu viel war, den Unterricht nach den neuesten Erfahrungen und Entdeckungen interessant und anschaulich zu gestalten. Klarheit in Sprache und mathematischer Formulierung, weitgehende Verwendung der mathematischen Hilfsmittel nach möglichst leicht-fasslichen Methoden und Gewandtheit und Sicherheit im Experimentieren, das die theoretischen Entwickelungen immer begleitete, zeichnete seinen Unterricht aus. Er steckte sich das Ziel weit, und nur seiner ausgezeichneten Lehrgabe ist es zu verdanken, dass jeder strebsame Schüler seinem Unterricht folgen konnte. Weilenmann war ein Feind der enzyklopädischen Vielwisserei; aber er hat es verstanden, seine Schüler zu naturwissenschaftlichem Denken anzuleiten, und mancher Student hat auf der Hochschule wieder zu Weilenmanns Heften gegriffen, um sich dort Rat zu holen. - Auch den Teilnehmern des ersten Lehrerkurses der Universität Zürich sind Prof. Weilenmanns Experimentalvorträge zur Ein­führung in die Prinzipien der modernen Physik in bester Erinnerung.

 

Weilenmann fasste den Unterricht, die wissenschaftliche Forschung, das ganze Leben als ein Streben nach Wahrheit auf; das war der Inhalt seiner Religion. Milde im Urteil gegen die Mitmenschen - er konnte alle Schwächen übersehen, nur die Unwahrheit nicht - war er stets hilfsbereit und hatte für die Armen immer eine offene Hand und einen guten Rat. Seine eiserne Natur und sein stets rüstiger Geist schien jeder Bürde gewachsen. Da machte ein Schlaganfall dem reichen Leben ein plötzliches Ende. Ehre seinem Andenken!

 

U. Seiler.

 

Verzeichnis der Publikationen von Prof, Dr. A. Weilenmann:

 

1868   Die Meteore v. 11. Juni und 5. September 1868. Vierteljahrsschr. der Zürch. Naturf. Ges., Jahrg. 13.

1869   Astronomische Strahlenbrechung-, eine neue Gleichung. Vierteljahrsschr. Der Zürch. Naturf. Ges., Jahrg. 14.

1869   Beziehungen zwischen Barometerstand, Temperatur und Höhe. Vierteljahrsschr. der Zürch. Naturf. Ges., Jahrg. 16.

1870   Wärmeverteilung in der Schweiz. Schweiz, meteor. Beob. 8.

1873   Täglicher Gang der Temperatur in Bern. Schweiz, meteor. Beob. 9.

1873   Versuche mit dem Aneroidbarometer von Goldschmidt. Vierteljahrsschr. der Zürch. Naturf. Ges., Jahrg. 18.

1875   Abgeändertes Aneroidbarometer und Beziehungen zwischen Druck, Temperatur und Höhe der Atmosphäre. Vierteljahrsschr. der Zürch. Naturf. Ges.,                 Jahrg. 20.

1875   Die Luftströmungen, insbesondere die Stürme Europas. Zürich, Neujahrsbl. der Naturf. Ges.

1875   Weg der Wirbelstürme. Vierteljahrsschr. der Zürch. Naturf. Ges.,Jahrg. 21.

1875   Verdunstung des Wassers. Schweiz, meteor. Beob. 12.

1882   Der geometrische Unterricht an Mittelschulen. Zürich, Progr. Der Kantonsschule. 1882. Aus welchen Metallen sollen elektrische Leiter bestehen.                     Zeitschr. angew. Elektric.

1887   Die absol. Masse im physikalischen Unterricht an Mittelschulen. Vortrag in der Jahresversammlung der Gymnasiallehrer in Baden, Oktober 1886.                     Aarau, H. R. Sauerländer & Co. 1887.

1887   Volumen und Temperatur der Körper, insbesondere der Flüssigkeiten. Vierteljahrsschr. der Zürch. Naturf. Ges., Jahrg. 33, und Exner, Rep. Phys. 24.

1888   Reduzierte Länge d. phys. Pendels. Exner, Rep. Phys. 25.

1890   Physikalische Mitteilungen über Reibung, Fliehkraft, Gastheorie, Potential. Vierteljahrsschr. der Zürch. Naturf. Ges., Jahrg. 35.

1893   Progress and present state ofresearch on the evaporation of moisture in the atmosph. Bearbeitet für die Weltausstellung in Chicago.

1894   Prof. Dr. Joh. Rudolf Wolff. Vierteljahrsschr. der Zürch. Naturf. Ges , Jahrg. 39.

1902   Prof. Dr. Joh. Pernet f. Schweizer. Naturf. Ges. Verhandl. 1902. Die elektr. Wellen und ihre Anwendung zur drahtlosen Telegraphie nach Marconi.                     Zürich, Neujahrsbl. der Naturf. Ges.

 

 

Das Weilenmann - Aeroidbarometer

 

Eine Sonderkonstruktion der Aneroidbarometer nach dem System Jakob Goldschmid beruht auf dem Vorschlag des Herrn Professor Dr. August Weilenmann, der zuerst in der „Vierteljahresschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich“ von 1873 einen Vorschlag zur Verbesserung der bisherigen Aneroidbarometer macht.

 

In seinem 23-seitigen Bericht führt August Weilenmann auf den ersten 19 Seiten mit Hilfe vieler Formeln und auch vergleichender Tabellen ausführlich vor, dass auch von Herrn „Freiherr von Wüllersdorf-Urbair ist schon längst, und mit Recht, darauf aufmerksam gemacht worden, dass, wenn ein Aneroidbarometer mit  hinlänglicher Genauigkeit construirt sei, Unterschiede zwischen den Angaben des letztern und dem Quecksilberbarometer nicht nothwendig als Fehler des Aneroid aufgefasst werden müssen.“

 

Diese ausführliche Dokumentation von vergleichenden Messungen zwischen den Quecksilberbarometer nach Fortin und einem Aneroidbarometer nach dem System Jakob Goldschmid sind aber nur der Auftakt, und wenn man so will, die Begründung für einen Vorschlag eines verbesserten Aneroidbarometers, den August Weilenmann eigentlich vorbringen will.

 

Hier wollen wir uns nur auf den Text des eigentlichen Vorschlags konzentrieren:

 

Auszug aus:

 

Ueber Versuche mit delle Aneroidbarometer von

Goldschmidt.

Von

A. Weilenmann.

 

Veröffentlicht in der „Vierteljahresschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich“, 1873, Seite 213 bis 235

 

 

     Aus dem bisherigen geht hervor, dass bei gehöriger Behandlung das Anereidbarometer von Goldschmidt ganz gute Resultate liefert, dass aber bei der Reduction der Scalentheile auf die Art des Gebrauches zu achten ist, und dass es von Zeit zu Zeit mit dem Quecksilberbarometer verglichen werden muss, um eine allfällige Nullpunktänderung zu ermitteln.

     Einige der Eigenthümlichkeiten mögen auch mit der Art des Mikrometers zusammenhangen. Auf der luftleeren Büchse ist nämlich ein Stab mit Index angebracht, und daran eine dünne Feder gelöthet, die ebenfalls einen Index trägt und auf welche die Mikrometerschraube wirkt, um den letzteren Index mit dem ersteren in Coincidenz zu bringen. Nun mag die Feder noch so dünn sein, wird durch die Schraube doch immer ein gewisser Druck auf sie und damit auch auf die Büchse geübt werden, was allenfalls bei ruhiger Lage, wo die Schraube immer wirkt, einen andern Gang hervorbringen kann, als beim Auf- und Abwärtssteigen. wo die Schraube möglichst hoch geschraubt wird, um keine nachtheiligen Wirkungen auf die Büchse zu üben. Zwischen die Schraubenspitze und die Feder können leicht Staubtheilchen gelangen, welche Anlass zu Differenzen geben. Ferner wird im Laufe der Zeit nothwendig das Schraubenende oder die Feder abgenutzt, was eine Nullpunktverschiebung veranlasst, in dem Sinne, dass nach und nach die Angaben des Aneroid zu hoch erscheinen.

     Ich glaube diesen Uebelständen liesse sich leicht durch ein dem bei Fernrohren angewandten ähnliches Mikrometer abhelfen, welches die Genauigkeit nicht vermindern würde.

     Ich denke mir die Sache in folgender Weise ausgeführt:

 

     Vorstehende Figur zeigt die Vorderansicht des Mikrometers. v ist eine in den - Bahnen u durch die Schraube p verschiebbare Platte, welche eine rechteckige Oeffnung mit einem Querfaden m besitzt. h ist eine haarscharfe, auf der Vorderfläche des auf der luftleeren Büchse befestigten Stabes sich befindliche Linie. Durch das Mikrometer wird m mit h zur Coincidenz gebracht, die ganzen Umdrehungen an einer auf dem Schieber angebrachten Theilung, die Hundertel und Tausendel an der Trommel T durch den Index i abgelesen. Ueber m wird leicht zur genauen Einstellung ein kleines Mikroscop angebracht, wodurch die durch die Goldschmidt'sche Vorrichtung beabsichtigte Schärfe der Einstellung ebenfalls erreicht wird. Um von einer allfälligen, durch Abnutzung und Demontirung des Mikrometers entstandenen Nullpunktsänderung unabhängig zu sein, ist auf dem Gehäuse eine feine Marke t angebracht, auf welche immer zuerst eingestellt wird, um so die Nullpunktsänderung unmittelbar zu bestimmen. Zur Erhöhung der Emplindlichkeit können auch mehrere Büchsen übereinander angebracht werden, was ich jeder Vergrösserung durch Hebel vorziehen würde.

     Die Büchse hat alsdann vollkommen freien Spielraum, der durch das Mikrometer nicht im Geringsten beeinträchtigt wird, und ich glaube durch diese Construction sei die grösstmögliche Genauigkeit erreicht. Ich habe zwar noch keine Erfahrungen, wie weit letztere gehen werde, doch habe ich mit Herrn Goldschmidt gesprochen, der bereit ist, die vorgeschlagene Aenderung zu versuchen, und nach Vollendung eines entsprechenden Instrumentes werde ich auf's Neue Vergleichungen vornehmen. *)

     Die Mittel der einzelnen Tagesstunden zeigen in beiden Monaten einen so gleichartigen täglichen Gang, dass derselbe offenbar nicht blosser Zufall sein kann, sondern in Wirklichkeit existiren muss. Das Mittel aus beiden Monaten gibt folgende Differenzen:

 

 

7h

8h

9h

10h

11h

Mittag

1h

+0,13mm

+0,10

+0,07

+0,05

+0,03

+0,01

0,00

2h

3h

4h

5h

6h

7h

8h

-0,01

+0,03

+0,07

+0,07

+0,08

+0,10

+0,08

9h

10h

11h

Mitternacht

 

+0,10

+0,09

+0,08

+0,08

 

 

Ich bin gegenwärtig noch nicht im Stande, eine genügende Erklärung dieses Ganges zu geben. Ich hätte eher den umgekehrten Gang erwartet. Im Mittelpunkte der Erde heben sich die Fliehkraft der jährlichen Bewegung und die Anziehungskraft der Sonne genau auf. Ein Punkt der Erdoberfläche hat Mittags seine geringste Fliehkraft und die Sonne die grösste Anziehungskraft, somit wird die Schwerkraft vermindert und das Aneroid sollte tiefer als das Fortin stehen. Um Mitternacht ist umgekehrt die Fliehkraft grösser und wird nach Aussen, die Anziehungskraft geringer und es wird die Schwerkraft wieder verringert. Man sollte also Mittags und um Mitternacht die grössten positiven Differenzen erwarten, während gerade das Gegentheil der Fall ist. Uebrigens würde die Schwereverminderung im Maximum, wenn die Erdaxe senkrecht zur Ekliptik stünde, am Aequator 0,000000759m betragen, also nach dem am Anfang gesagten jedenfalls unmessbar sein.

     Ich habe die Beobachtungen auch nach Mondstunden geordnet und im Mittel aus beiden Monaten, wenn 0h die Zeit der oberen Culmination des Mondes bezeichnet, folgende Differenzen erhalten:

 

0h

1h

2h

3h

4h

5h

±0,06mm

+0,07

+0,09

+0,04

+0,05

+0,07

6h

7h

8h

9h

10

11h

+0,06

+0,05

+0,04

+0,08

+0,08

+0,08

12h

13h

14h

15h

16h

17h

+0,08

+0,11

+0,01

+0,06

+0,06

+0,07

18h

19h

20h

21h

22h

23h

+0,07

+0,06

+0,03

+0,05

+0,08

+0,05

 

     Hier zeigt sich gar kein bestimmter Gang der Differenzen. Da die Constanten der Gleichung aus dem Monat Februar bestimmt sind, so wäre die halbe Nullpunktsverschiebung 0,07mm wegzunehmen, wodurch sich fast sämmtliche Differenzen sozusagen auf Null reduciren. Ich glaube dass abgesehen von der Nullpunkts-Verschiebung im Mittel kaum zwei Quecksilberbarometer besser stimmen würden. Hoffen wir, dass die in Angriff genommene Aenderung auch diese beseitige.

 

*) Das Instrument wurde vor wenigen Tagen durch Herrn Goldschmidt zu meiner vollsten Zufriedenheit beendigt, und scheint sich vortrefflich zu bewähren.

 

 

Vierteljahresschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich, 1875

 

Ueber ein abgeändertes Aneroidbarometer und

Beziehung zwischen Luftdruck, Temperatur und

Höhe in der Atmosphäre

von

Prof. A. Weilenmann.

 

     Ich habe im Jahrgange 1872 dieser Vierteljahrsschrift einen Abänderungsvorschlag des Goldschmid'schen Aneroidbarometers gemacht, von dem ich eine wesentlichere Genauigkeit und eine grössere Censtanz der Correctionen erwartete, als bei den frühem Constructionen. Seither ist diese Idee ausgeführt worden, und ich habe im Laufe des verflossenen Jahres ein Instrument dieser Art auf's eingehendste geprüft und werde in Folgendem die vielleicht nicht uninteressanten Untersuchungen und Ergebnisse mittheilen.

     Herr Goldschmid führte zuerst das Instrument wirklich in der im vorigen Jahrgange angegebenen Weise aus. Es zeigte sich aber eine Unbequcmlichkeit bei diesem, die es für Reisen nahezu untauglich gemacht hätte ; es musste nämlich mittels 'einer Libelle sorgfältig horizontal gestellt werden, um richtige Ablesungen zu erhalten. Diesem Uebelstande wurde dadurch gründlich abgeholfen, dass das Ablesemikroscop und Mikrometer nicht an der Seitenwand, sondern mitten auf der obern Fläche des Büchsengehäuses angebracht wurde. Es erhielt dadurch allerdings eine grössere Höhe, ist aber immerhin noch ein sehr bequem transpertables Instrument. Dasselbe besitzt demnach jetzt folgende Construction:

 

Es stehen fünf bis sechs Goldschmid'sche kreisrunde Büchsen senkrecht über einander in einem Gehäuse A. Auf der obersten ist ein senkrechter Metallstab a, festgelöthet, sowie auch die Büchsen fest zusammen gelöthet sind. Am obern Ende trägt a einen feinen horizontalen Strich, welcher sich durch die Ausdehnung der Büchsen oder durch Zusammenziehen hebt oder senkt. Diese Hebung oder Senkung wird durch ein Ablesemikroscop L bestimmt, das mit einem Fadenkreuz versehen ist, und sich mittelst der Mikrometerschraube Mm in auf der Mitte des obern Bodens stehenden' Coulissen verschieben lässt, bis das Fadenkreuz genau mit der Marke übereinstimmt.

An einer auf der Coulisse angebrachten Scale c können die ganzen Schraubengänge, auf der Trommel der Schraube die Hundertstelumgänge direkt abgelesen und die Tausendstel noch leicht geschätzt werden. Da durch Erschütterungen, beim Dementiren der Schraube behufs der Reinigung, das Mikroscop seine Lage verändern kann, so ist auf dem Boden f in der gleichen Verticalen mit der Marke a ein mit einem fixen Strich b versehener Stab angebracht, und durch Einstellung auf diesen kann man sich jederzeit leicht von einer allfälligen Lagenänderung des Mikroscopes überzeugen. Endlich .ist am Gehäuse zur Bestimmung der Temperatur ein Thermometer T angebracht.

     Die Beobachtung ist, wenn ich den Vergleich aussprechen darf, ganz ähnlich wie beim Meridiankreise, wo mittelst des Quecksilberhorizontes der Nadirpunkt bestimmt und dann durch das Ablesemikroscop die Zenitdistanzen der Sterne ermittelt werden.

     Das so construirte Barometer hat folgende Vortheile gegenüber den frühere, bei gleich scharfer Ablesung:

     Gar keine Hebelübersetzung, demnach keine Abnutzung von Charnieren. Die Büchsen sind total frei, und in Folge dessen ihre Einstellung bei Aenderung des Luftdruckes sozusagen momentan, so dass kein Klopfen am Instrumente nöthig ist, wie bei andern Barometern.

     Die Nullpunktveränderung kann jederzeit bestimmt werden, was bei den andern, wo Abnutzungen der Mikrometerschraubenspitzen oder anderer Theile vorkommen, nicht möglich ist. Natürlich,

wenn das ganze Instrument auseinander genommen worden ist, so ist eine neue Vergleichung mit einem Normalbarometer nöthig, wie selbst bei einem Fortin. Dagegen kann das ganze Mikrometer mit Ausnahme der Marke, ohne eine neue Vergleichung nöthig zu machen, jederzeit, selbst auf Reisen, behufs allfälliger Reinigung von Staub, ohne weiteres demontirt werden. Es können also höchstens Veränderungen vorkommen in Folge wirklicher Veränderung der Büchsen.

     Der noch sicherere Unveränderlichkeit wegen, würde ich allerdings wünschen, dass die Büchsen auf dem untern Boden des Gehäuses, die feste Marke auf dem obern Boden und dieser selbst am Gehäuse festgelöthet wären, statt bloss festgeschraubt, wenn diess nicht bei allfälligen Reparaturen der Büchsen zu grosse Schwierigkeiten bieten würde. Bis jetzt habe ich freilich noch keinen Nachtheil der Haftschrauben verspürt.

 

Constructionsbedingungen.

 

Aus der theoretischen Untersuchung ergeben sich folgende Bedingungen für möglichst zweckmässige Construction der Instrumente:

     1. Die Büchsen sollen so beschaffen sein, dass nach dem Auspumpen der nöthigen Luft die Oberflächen in unsern Höhen ein wenig eingebogen sind. Dann ist der Einfluss von µh3 nahezu Null, der Werth des Mikrometertheiles nahezu constant, und die Temperaturcorrectionen bei allen Barometerständen dieselben.

     2) Durch Veränderung der Menge der in den Büchsen restirenden Luft kann der Scheitel der Parabel auf verschiedene Temperaturen verlegt werden. Ist derselbe zu weit von den gewöhnlich vorkommenden Temperaturen entfernt, so geht die Temperaturcurve zu steil, und die Correctienen werden zu gross. Ist derselbe gerade mitten in den gewöhnlichen Temperaturen, se haben wir den Nachtheil, dass die wirkenden Kräfte sich beständig um den Vorrang streiten und• so etwas grössere Unregelmässigkeiten erzeugen können als weiter entfernt, wo die eine der Kräfte entschieden das Uebergewicht hat. Deshalb halte ich es, trotzdem in letzt genanntem Falle die Correctionen kleiner sind, für besser, wenn der Scheitel gerade an das eine Ende der gewöhnlich vorkommenden Temperaturen verlegt wird.

Ich will hiebei gleich noch folgende Regeln für anderweitige Constructionen beifügen:

     3) Die Mikrometerschraube muss am untern Ende flach gewölbt sein, und auf einer ganz ebenen glasharten Stahlfläche ruhen.

     4) Die Büchsen müssen möglichst parallel auf einander gelöthet, und sehr fest am Boden des Gehäuses befestigt sein und dürfen sich nicht allzu dicht über einander befinden, damit sie beim höchsten vorkommenden Barometerstande sich nicht berühren. Ferner soll das Gehäuse so hoch sein, dass beim tiefsten Barometerstande, den man erreichen will, die Büchsen noch nicht oben anstossen.

     5) Die bewegliche Marke soll sich möglichst senkrecht bewegen, so dass sie unter der Luftpumpe und senkrechtem Stande des Instrumentes bei jedem Luftdrucke durch das Mikroscop auch gut einstellbar ist.

Dass natürlich beim Schneiden der Mikrometerschraube die grösste Sorgfalt angewendet werden muss, dass alle unbeweglichen Theile sehr fest unter einander verbunden sind und eine sichere Festigkeit haben müssen, versteht sich von selbst.

     Durch die Pressungen der Oberflächenwellen werden im Innern des Metalles Spannungen entstehen. Diese äussern sich auf zweierlei Art. «renn das neue Instrument erwärmt und wieder abgekühlt wird, so kehrt es nicht mehr auf den frühem Stand zurück, sondern die Büchsen gehen zusammen.

     Dasselbe geschieht, wenn der Luftdruck vermehrt und wieder vermindert wird. Die Spannungen vermindern sich und die Büchsen werden nachgiebiger.

     Es müssen also, bevor eine detinitive Temperaturcorrectionsbestimmung oder eine definitive Scalenbestimmung vorgenommen wird, dieselben provisorisch so lange vorgenommen werden, bis man bei der Rückkehr zum Anfangszustande die ursprünglichen Werthe wieder erhält. Natürlich sollen bei beiden gewisse Grenzen nicht überschritten werden. Diese mögen bei der Temperatur 40° und — 10°, bei dem Luftdrucke 790mm und 550mm, höchstens 500mm sein.

     Innerhalb dieser Grenzen bekommt man nach einer grössern oder geringem Anzahl provisorischer Versuchsreihen auf- und abwärts gehend dieselben Resultate. Geht man zu noch tiefere Barometerständen, so wird sich meist eine, wenn auch nicht für immer bleibende, Veränderung von ein bis zwei Millimeter zeigen. Vielleicht könnte auch diese bei genügend grosser Anzahl Versuchsreihen schliesslich nach langer Geduldprobe beseitigt werden. Da jedoch über die angeführten Grenzen hinaus Beobachtungen überhaupt, und namentlich solche, bei denen es sich um den Zehntelmillimeter handelt, selten vorkommen, so dürfte die Ausdehnung, welche die eines gewöhnlichen Fortin übersteigt, vollkommen genügend sein, und sollte für Fälle, wo man in ausnahmsweise grosse Höhen gelangt, ein einfacheres Instrument benutzen.

     Wird das Instrument, sei es zur Scalenbestimmung oder sonst unter der Luftpumpe behandelt, so ist es sehr zweckmässig, die Druckänderung nur sehr langsam vor sich gehen zu lassen, um ein Reissen der Büchsen zu vermeiden, und die Aenderung eher dem Bergsteigen conform zu machen.

     Es sind schon einige dieser Instrumente von Herrn Goldschmid ausgeführt worden, wovon. das erste in meinen Händen ist, und mit dem die meisten Beobachtungen ausgeführt worden sind. Da eine Mikroscopablesung immer eine gewisse Helligkeit erfordert, so hatten wir den Gedanken, durch Anwendung von Elfenbeinstäben als Träger der festen und beweglichen Marke die Einstellung zu erleichtern. Es scheint aber, dass die Veränderungen dieses organischen Stoffes zu unregelmässig sind, denn eine Unregelmässigkeit von 0,02mm in absoluter Länge bedingt schon 1mm Unregelmässigkeit in der Angabe des Luftdruckes. Wenigstens hat sich bis jetzt ein auf der hiesigen Sternwarte befindliches Instrument mit Markenträgern aus Elfenbein durchaus nicht bewährt. Ich möchte desshalb metallene Markenträger angewandt wissen, von denen der bewegliche fest mit der obersten Büchse verlöthet ist und höchstens ganz kleine eingeschobene Elfenbeinstückchen zulassen, obgleich ich sie eigentlich nicht für dringend nothwendig halte. Mein Instrument zeigt, dass die Metallmarken genügend Licht bei Tage sowohl als bei Nacht erhalten und sich sehr gut bewähren.