Rudolf Hottinger

 

Rudolf Hottinger wurde am 04.05.1834 als eines von sechs Kindern von Hans Jakob Hottinger (1794-1848) und Regula Hottinger, geb. Brändli, (1804-1852) in Meilen geboren. Vier seiner Geschwister verstarben bereits während der ersten Lebensjahre, so dass ihm nur eine Schwester, Regula Odermatt, geb. Hottinger, (1832-1883) blieb.

 

In dem „Verzeichnis der Bürger und Niedergelassenen der Stadt Zürich im Jahr 1868“ " werden folgende Berufsbezeichnungen und Titel für Rudolf Hottinger aufgelistet:

- Ingenieur bei der Gotthardbahn

- Sappeur-Hauptmann

 

In dem "Verzeichnis der Bürger der Stadt Zürich im Jahr 1875" werden folgende Berufsbezeichnungen und Titel für Rudolf Hottinger aufgelistet:

- Ingenieur-Adjukt

- Sappeur-Lieutnant

- Adjutant des Oberspritzencommandanten

 

Bekannt ist auch, dass Rudolf Hottinger im Zeitraum von 1861 bis 1869 Chef des Eidg. topographischen Bureaus in Zürich war.

 

Familiengeschichte

 

Die nachstehende Ahnentafel der Familie Hottinger von Meilen stellt einen Auszug dar und ist sicherlich noch nicht vollständig. Erwähnenswert ist aber, dass es verschiedene Familien mit dem gleichen Namen gab und gibt, so dass der Zusatz von Meilen, der auf die Herkunft deutet, sehr wichtig ist.

 

Im Jahre 1864 heiratete Rudolf Hottinger (1834-1883) die Tochter von Jakob Goldschmid (1815-1876), Henriette Johanna Goldschmid (1842-1906).

Zusammen mit Henriette Johanna Goldschmid (1842-1906) hat Rudolf Hottinger vier Kinder. Henriette Jenny (1866-?), Rudolf Alfred (1867-1949), Albert Adolf (1870-?) und Max Emil Hottinger (1879-1948).

 

Im Amtsblatt des Kantons Zürich vom 28.03.1871 lesen wir, dass Rudolf Hottinger (1834-1883) auf Grund des Beschlusses des Regierungsrathes zum Hauptmann des Geniekorps (Sappeurs) befördert wird.

 

Der Wohnsitz von Rudolf Hottinger (1834-1883) und seiner Familie wird in dem „Verzeichnis der Bürger und Niedergelassenen der Stadt Zürich im Jahr 1868“ und in dem "Verzeichnis der Bürger der Stadt Zürich im Jahr 1875" wird als Wohnsitz der Familie Rudolf Hottinger die Stadelhoferstr. 24 in Zürich angegeben.

 

Wie wir bereits gelesen haben ist Rudolf Hottinger (1834-1883) im Jahr 1871 in die Werkstätte des Jakob Goldschmid (1815-1876) eingetreten und hat diese dann 1876 nach dessen Tod dann zusammen mit Herr Dr. Carl Koppe weitergeleitet. Als Dr. Carl Koppe, der sich intensiv mit den Aneroidbarometern von Goldschmid beschäftigt hat und hierzu einiges veröffentlichte, dann 1881 als Professor an die Universität nach Brauschweig berufen wurde, leitete Rudolf Hottinger die Werkstätte noch bis zu seinem Tod am 30.09.1883 alleine weiter.

 

Sein Nachfolger in der Firmengeschichte wird Theophil Usteri-Reinacher (1841-1918).

Nekrologe

 

Eine kurze Ankündigung eines umfangreicheren Nachrufes zu Rudolf Hottinger (1834-1883) findet sich in der „Schweizerische Bauzeitung“, Band 1/2, 1883 im Heft 14:

 

† Rudolf Hottinger-Goldschmid. Am 30. September starb nach kurzer Krankheit unser College Ingenieur Hottinger in Zürich im Alter von 49 Jahren. Ein längerer Necrolog folgt in unserer nächsten Nummer.

 

Sein umfangreicher Nachruf wurde dann in der „Schweizerische Bauzeitung“, Band 1/2, 1883 im Heft 15 veröffentlicht:

 

† Rudolph Hottinger-Goldschmid.

 

    Schon wieder hat der unerbittliche Tod einen unserer Collegen, Ingenieur Rudolf Hottinger in Zürich im kräftigsten Mannesalter dahingerafft; derselbe starb am 30. Sept. nach nur viertägiger Darmentzündung. Der Dahingeschiedene wurde am 4. Mai 1834 in Meilen geboren. Im Jahre 1838 übersiedelte sein Vater nach Zürich, woselbst er als Baumeister thätig war. Nach Absolvirung der städtischen Schulen besuchte Hottinger die welsche Schweiz, um sich die französische Sprache anzueignen. Nachdem er sich für den Beruf eines Ingenieurs entschieden hatte, erfolgten die Fachstudien an der polytechnischen Schule in Karlsruhe 1854-55 uno- nachher an dem neueröffneten eidgen. Polytechnikum in Zürich, wo er sich eines der ersten von diesem Institute ausgestellten Ingenieur-diplome erwarb. Seine practische Bethätigung begann mit einer Anstellung bei dem Betriebe der Nord-Ost-Bahn-Gesellschaft 1857-58; hierauf functionirte er als Bauführer-Assistent bei dem Baue des ersten Looses Bern-Ostermundingen der Linie Bern-Thun. Im Jahre 1859 unternahm unser Freund behufs weiterer Ausbildung eine Studienreise nach Paris und kehrte nach halbjährigem Aufenthalte daselbst wieder zurück, um die Katastervermessung des Gemeindebanns Wettschweil zu übernehmen.

    Von 1861-1871 war Hottinger in dem Dienste der Stadt Zürich und es wurde ihm vorerst die Leitung der von Herrn Wimmersberger begonnenen Neuvermessung der Stadt übertragen. Mit grosser Gewissenhaftigkeit und Genauigkeit vollendete er die Triangulationsarbeiten und berechnete hierauf gestützt ein für die Detailaufnahmen erforderliches einlässliches Polygonnetz. Nachdem zum Zwecke der genauen Feststellung der Eigenthums- und Servitutverhältnisse eine gänzliche Bereinigung des Grundprotocolles, als nothwendige Ergänzung der Vermessungsarbeiten, beschlossen wurde, ward er auch theilweise mit diesen umfangreichen Arbeiten betraut. Als die umfassenden Neubauten der Stadt, namentlich die Wasserversorgung, die Canalisationsarbeiten und neue Quartir-anlagen eine Vermehrung des technischen Personales und die Creirung der Stelle eines Adjuncten des städtischen Ingenieurs erforderlich machten, erfolgte im Jahre 1866 seine Ernennung zu obgenannter Beamtung, welche ihm namentlich auch Gelegenheit bot, sich in administrativer Richtung auszubilden. Die ihm obliegenden Geschäfte, welche vorwiegend in Unterhandlungen mit den Unternehmern, Abrechnungsarbeiten und Ueberwaehung der Materialverwaltung bestanden, vollführteer stets mit ausserordentlicher Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue, so dass anlässlich seines Rücktrittes von dieser Stelle seine ausge-zeichneten Dienstleistungen noch besonders von den städtischen Behörden hervorgehoben wurden.

    Im Jahre 1871 trat Hottinger in das Geschäft seines Schwiegervaters, des Herrn Mechaniker Goldschmid-Oeri ein, welche Tätigkeit er jedoch aus Gesund-heitsrücksichten bald wieder aufgeben musste. Nach einer erfolgreichen Cur in Fideris glaubte er sich wieder so hergestellt, um sich von Neuem seinem Berufe als Ingenieur widmen zu können. Nun bewarb er sich um die Stelle eines Sectionsingenieurs der Rheincorrection, welche ihm auch zugesagt wurde, welche er aber leider in Folge eines neuen Krankheitsanfalles, einer schweren und langwierigen Magenaffection, abzulehnen genöthigt war. Zur Stärkung seiner Gesundheit brachte er das Jahr 1872 meistentheils in den Curorten Montreux und Rippoldsau zu und konnte mit neuen Kräften gegen Ende des Jahres eine Anstellung auf dem Centralbureau der Gotthardbahn in Zürich übernehmen, in welcher er bis 1876 verblieb. Es wurde ihm von Herrn Oberingenieur Gerwig das gesammte Rechnungswesen übertragen, welches er mit grosser Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit führte. Bei dem Domicil-Wechsel des Oberingenieurs im April 1875 verblieb er in seiner bisherigen Stellung, da er mit Rücksicht auf seine Familie den Aufenthalt in Zürich vorgezogen hatte.

    Nach dem Tode des Herrn Goldschmid übernahm Hottinger, vorerst in Association mit Herrn Dr. Koppe, nach des Letzteren Ernennung zum Professor in Braunschweig als alleiniger Inhaber der Firma, die Leitung dieser alt renommirten Werkstätte für Präcisionsinstrumente und war unablässig bemüht, mit unverdrossener Ausdauer und Energie, den Erfindungen Goldschmids auf dem Gebiete der feineren Messinstrumente, namentlich der Aneroidbarometer, Ingenieurbarographen, Nivellirbarometer, Procenthygrometer etc. Bahn zu brechen und dieselben immer mehr zu vervollkommnen. Wenn er auch im Anfange in dieser ihm etwas ferner liegenden Speeialitat mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, so gereichte es ihm bei seiner grossen Strebsamkeit und rastlosen Thätigkeit zur grossen Genugthuung, dass sich diese Instrumente namentlich im Auslande, wo für generelle, hypsometrische Vorarbeiten keine so vorzüglichen Kartenwerke, wie in der Schweiz, vorhanden sind, ein immer grösseres Absatzgebiet eroberten. Die Ueberlegenheit und Vorzüglichkeit der nach dem System Goldschmid verbesserten Aneroidbarometer zeigte sich namentlich auch bei den in den Jahren 1880—1883 von der Königl. Eisenbahndirection in Köln ausgeführten, eine Bahnlänge von ca. 400 km umfassenden Aneroidaufnahmen, nach welchen die bauwürdigsten Tracen so sicher bestimmt werden konnten, dass, hierauf gestützt, die Festsetzung der definitiven Baukosten erfolgen konnte. Durch die nachfolgenden speciellen Terrainerhebungen wurde constatirt, dass die Aneroidbeobachtungen den grössten Anforderungen durchaus entsprochen hatten. Auch bei den verschiedenen Ausstellungen, namentlich auch wieder bei der schweizerischen Landesausstellung in Zürich wurde diesen Instrumenten die ihnen gebührende Auszeichnung zu Theil.

    Wenn in Vorstehendem versucht worden ist, ein Lebensbild über die vielseitige Thätigkeit des leider so frühe verstorbenen Freundes und Collegen zu entrollen, so darf noch beigefügt werden, dass der gediegene, gerade und liebenswürdige Character des Verstorbenen, seine seltene Pflichttreue und Herzensgüte ihm die Verehrung und Freundschaft aller seiner Fachgenossen und Derer, die ihm sonst im Leben nahe gestanden, erworben haben und sein Tod im Kreise seiner Collegen und Freunde eine schmerzliche Lücke hinterlassen hat. Seine Familie verlor an ihm einen sorgenden, liebevollen Vater.

 

Den fast gleichen Wortlaut druckte auch die „Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Meteorologie“, XVIII. Band, 1883, S. 465 ff. und auch in gekürzter Form die „Neue Zürcher Zeitung“, Ausgabe vom 15.10.1883, ab.

 

Brief von Rudolf Hottinger an J. W. Deschwanden

 

Von Rudolf Hottinger (1834-1883) besitzt die ETH Bibliothek Zürich noch einige handgeschriebene Briefe von 1855, die zu entziffern noch eine größere Aufgabe sein dürfte. So schön, wie seine Unterschrift, sind die restlichen Briefe leider nicht zu lesen.

 

Die Briefe wurden von Rudolf Hottinger (1834-1883) in Karlsruhe geschrieben, als er dort noch studierte. Sie sind an den Direktor des Eidgen. Polytechnikums, Herrn Josef Wolfgang Deschwanden (1819-1866) gerichtet.

 

Quellen: ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, HS 1231:290-292. Korrespondenz mit Josef Wolfgang Deschwanden (1819-1866) Erster Direktor des Eid. Polytechnikums, 1855

 

In dem Buch "Schachgesellschaft Zürich 1809 bis 2009. Eine helvetische Schachgeschichte in zwei Jahrhunderten mit einem Turnier- und Personenlexikon" von Dr. Richard Forster, dass zum 200jährigen Gründungsjubiläums der Schachgesellschaft Zürich, der ältesten Schachvereinigung der Welt, herausgegeben wurde, wird Rudolf Hottinger (1834-1883) auch im "Personenlexikon der Schachgesellschaft Zürich 1842 bis 1887" genannt, und dessen Lebenslauf kurz aufgeführt. Seine Mitgliedschaft in der Schachgesellschaft wird mit dem Zeitraum von 1864 bis 1871 angegeben.

 

 

Sonstige Instrumente

 

 

Neben den Aneroidbarometern hat auch Rudolf Hottinger (1834-1883) auch noch viele andere Instrumente erdacht und verbessert und natürlich auch gefertigt.

 

An dieser Stelle soll im nächsten Schritt eine Aufzeichnung der von der Hottinger & Cie. sonst noch gefertigten Instrumente folgen.

 

1. Barograph von Hottinger & Cie.

 

In der Zeitschrift „Die Eisenbahn = Le chemin de fer“, Band 16/17, Heft 22 von 1882, lesen wir einen interessanten Bericht von Prof. Dr. C. Koppe „Die Barographen“. In diesem Bericht, in dem es um die Verbesserungen an den Barographen von Jakob Goldschmid durch Hottinger & Cie. geht, finden wir auch eine sehr schöne Skizze zu den Barographen von Hottinger & Cie.

 

Barograph von R. Hottinger (J.Goldschmid) in Zürich

 

Eine weitere Abbildung der Hottinger Barographen findet sich in der „Schweizerische Bauzeitung“, Band 11712, Heft 8 von 1888 in dem Bericht von Dr. M. Maurer „Usteri-Reinacher´s Aneroidbarograph mit Farbschreiber“.

 

Barograph von Hottinger & Cie. in Zürich

 

Ein Original des Barographen von Hottinger & Cie. ist in sehr gutem Zustand erhalten geblieben und befindet sich im Museum des Instituto Geográfico Nacional in Madrid.

 

Barograph von Hottinger & Cie. in Zürich, Seriennummer 27

 

 

Eine hervorragende Beschreibung des Barographen von Hottinger & Cie. können wir in der „Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Meteorologie“, XIII. Band, Heft Nr. 11 und 12 vom 01.06.1878, im Kapitel: "Kleinere Mitteilungen" lesen.

 

(Selbstregistrierendes Aneroidbarometer von Goldschmid [Hottinger und Comp.] in Zürich.)

 

Das Instrument hat, wie sein Name andeutet, die Aufgabe, den Barometerstand während eines längeren Zeitraumes selbstthätig zu markiren. Es ist zu diesem Zwecke eine größere Anzahl luftleerer Büchsen zusammen gekuppelt und in das Gehäuse a eingeschlossen. Die oberste trägt einen festen Arm mit einer Schneide, welche (in ganz gleicher Weise wie beim Aneroide Goldschmid Nr. 1) auf einen auf ihr ruhenden Hebel wirkt, dessen vorderer Arm bc aus dem Gehäuse hervorragt. Bei c trägt der selbe einen Stift, der von Zeit zu Zeit gegen den Papierstreifen hh1 gepresst wird und dort durch Eindrücken eines Punktes den jeweiligen Barometerstand markirt. Wie aus der Figur ersichtlich, ist der Papierstreifen auf die Trommel y aufgewickelt und von da an um die Welle f zwischen der Frictionsrolle i durchgeführt. Im inneren des Gehäuses d ist ein Uhrwerk angebracht, welches die gezahnte Stundescheibe und die Welle f, der gegenüber der Punktirstift angebracht ist, um ihre Achse dreht, wobei vermittelst der Fictionsrolle der Papierstreifen mitgeführt und der Zeit proportional abgewickelt wird. Im Gehäuse m steht eine verticale Achse, die den Daumen und den federnden Arm l trägt; der Daumen n greift in die Zähne des Stundenrades und wird durch eine Spiralfeder gegen dieselbe gedrückt. Ist der Daumen am höchsten Punkte des Zahnes angelangt, so ist er zugleich am wei-

Hottinger & Cie Barograph

testen zurückgedrückt und in dem Augenblicke, in welchem er diesen Punkt überschreitet, fällt er mit einer gewissen Kraft in die nächste Lücke, der am Arme l angebrachte Hammer k schlägt gegen den Stift c und dieser markirt auf dem Papierstreifen einen Punkt. Jede Stunde wiederholt sich die selbe Operation und nach Verlauf von 48 Stunden erhält man einen Papierstreifen von 75mm Länge, auf welchem 48 äquidistante Punkte verzeichnet stehen, die also in horizontaler Richtung einen Abstand von ca. 1,5mm haben. Solange der Barometerstand der selbe bleibt, wird auch der Punktirstift seine Höhe nicht ändern und die während dieser Zeit erfolgten Punkte müssen daher eine horizontale Linie bilden. Steigt das Barometer, so werden die Büchsen zusammengepresst, der Stift bewegt sich abwärts und die Punkte rücken tiefer; nimmt hingegen der Luftdruck ab, so wird der Stift nach oben gedrückt und markiert seine Stellung entsprechend höher. Man sieht hieraus sofort, dass es nur nothwendig ist, auf dem Papierstreifen eine Basislinie zu ziehen und den Abstand der Punkte von dieser zu messen, um eine den Aneroidangaben im Allgemeinen ganz analoge Bestimmung zu erhalten; die Einheit des Maasses ist auch hier ganz willkürlich und muss durch besondere Vergleichung mit dem Quecksilber-Barometer näher bestimmt werden. Die Basislinie wird durcheinem am Hammer k selbst, und zwar am oberen Theile desselben angebrachten zweiten Punktirstift hervorgebracht, welcher äquidistante Punkte auf das Papier drückt, die alle die gleiche Höhe haben, da der Hammer die seinige nicht ändert. Die Dimensionen sind so gewählt, dass die Maximalbewegung des Punktirstiftes 50mm beträgt, entsprechende Veränderungen des Barometerstandes von 30-40mm.  Man kann noch mit hinreichender Sicherheit 0,1 – 0,2mm abgreifen und also auch auf dieselbe Grösse genau den Barometerstand bestimmen. Beim Beginn der Beobachtungen wird die Theilscheibe auf die betreffende Stunde gedreht, d.h. man fasst dieselbe mit der einen Hand, den Kopf der Welle f mit der andern und dreht von links nach rechts, wodurch die Bewegung frei wird; nach erfolgter Einstellung muss durch entgegengesetzte Drehung von f die Scheibe wieder befestigt werden. Dann wartet man den ersten Punkt ab und notirt Monat, Tag und Stunde. Die Uhr wird mit einem Schlüssel aufgezogen, der von oben durch die Öffnung in der Welle f an die Achse gesteckt werden kann. Das Werk geht 14 Tage lang, die Scheibe dreht sich, wie erwähnt, in 48 Stunden einmal herum, wobei stündlich eine Markierung erfolgt. Diese Zahl der Markierungen wird im Allgemeinen ausreichen und bequem sei; auf speziellen Wunsch kann die Einrichtung auch so getroffen werden, dass der Barometerstand halb- oder viertelstündlich markirt wird.

    Zwei Umstände verdienen noch besondere Erwähnung, es sind dies:

    Transport des Instrumentes nach einen höher oder tiefer gelegenen Station und Einfluss der Temperatur. Aus dem Gesagten geht hervor, dass bei einer bestimmten Stellung der Büchsen das Instrument nur im Stande ist, Aenderungen des Luftdrucks von 30-40mm anzugeben, entsprechend dem Maximum der Barometerschwankungen für ein und dieselbe Station. Um diesen Registrator an jedem beliebigen Ort benutzen zu können, ist die Einrichtung getroffen, dass sich das ganze Büchsensystemhöher oder tiefer stellen lässt, so dass es immer möglich ist, den Punktierstift in die Mitte des Papierstreifens zu bringen. Man dreht hierzu nach Aufsetzen eines Schlüssels bei s die Mikrometerschraube so lange, bis der Zeiger auf der Theilung u´ den mittleren Barometerstand der betreffenden Station angibt, auf welcher das Instrument benützt werden soll. Beim Transport wird der heben nach oben gedrückt und der Schieber v vorgeschoben. Führt der Weg über größere Höhe, so wird der Zeiger auf 600 resp. 500 gestellt, entsprechend dem niedrigsten Barometerstande, welcher während der Reise vorkommen kann, um kein Verbiegen der Achsen befürchten zu müssen.

Der zweite Punkt betrifft die Temperatur. Das Thermometer t lässt zwar immer Temperatur des Apparates leicht erkennen, da jedoch das Instrument selbstthätig wirken soll, so müsste entweder auch das Thermometer selbstregistrierend sein, oder eine mässige Schwankung der Temperatur keinen Einfluss auf das Instrument ausüben. Letztere Bedingung ist für Temperaturschwankungen von 10 – 20° erfüllt und da sich immer ein passender Platz finden lässt, wo dieselben während der jedesmaligen Beobachtungsperiode weit geringer sind, so ist eine Complication des Apparates durch ein selbstregistrirendes Thermometer unnöthig. Gerade diese Compensation gegen Temperatureinflüsse in Verbindung mit dem äusserst einfachen Mechanismus des ganzen Apparates bedingen die wesentlichen Vorzüge dieses Registrirbarometers, welches auf mehreren meteorologischen Stationen mit bestem Erfolge in Thätigkeit ist.

    Um das Instrument vor Staub zu schützen, wird es unter ein Glaskästchen gestellt; beim Gebrauche auf Reisen kann es in seinem Etui gelassen und so vor Temperaturschwankungen geschützt werden.  Der ganze Apparat hat eine Länge von 27 Centimeter, eine Höhe von 12 und ein Breite von 18 Centimetern.

Auf Wunsch wird die Einrichtung getroffen, dass mit Leichtigkeit eine Reserve-Uhr eingesetzt werden kann.

Ein an der Sternwarte Zürich vom 19. September bis 9. November der Vergleichung unterzogenes derartiges Registrirbarometer zeigte folgende mittlere und größere Differenzen gegen die directen Ablesungen an einem Quecksilberbarometer:

 

Monat

Zahl der Vergleichungen

Mittlere Abweichung, Mm

Maximum-Differenz

 

 

 

 

September

21

+/- 0,11

0,2

October

90

+/- 0,14

0,3

November

46

+/- 0,14

0,3

 

Eine ebeso erwähnenswerte Beschreibung des Hottinger & Cie. Barographen finden wir in der "Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Meteorologie", Band 16, 1881.

 

Neben der allgemeinen Beschreibung "Der Aneroidbarograph von Hottinger & Cie. in Zürich" enthält diese Veröffentlichung auch eine "Untersuchung der Barographen von Hottinger & Cie. durch A. Wolfer, Assistent der Sternwarte Zürich".

 

Geschmückt wird diese Veröffentlichung durch eine ebenfalls sehr schöne doppelseitige Darstellung des Barographen von Hottinger & Cie., die leider durch die Buchbindung in der Mitte eine Fehlstelle zeigt.

 

Hottinger´s Barograph in "Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Meteorologie", Band 16, 1881

 

Thermograph von Hottinger & Cie.

 

In der Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Meteorologie, XVII. Band von 1882 wird der Thermograph von Hottinger & Cie. in Zürich in einem kurzen Bericht vorgestellt.

 

    (Thermograph von Hottinger & Cie. in Zürich.) In der mechanischen Werkstätte von Hottinger & Cie. wurde in diesem Frühjahr im Auftrage der der k. meteorologischen Centralanstalt in Wien ein  Thermograph angefertigt, der im Wesentlichen auf dem gleichen Principe beruht, wie der im Bd. XVI, Juli-Heft 1881 beschriebene Aneroidbarograph und Thermohygrograph.

    Der Receptor bei diesem Instrumente ist auch ein Metallthermometer, desseneines Ende an einer mit dem Gehäuse des Registrirwerkes fest verbundenen Röhre befestigt ist, während das andere Ende vermittelst eines durch diese geführten Stahldrahtes die durch die Temperaturänderungen bewirkten Bewegungen der Spirale a auf den Hebel b überträgt.

    Der Angriffspunkt des Verbindungsdrahtes lässt sich behufs Regelung des Ausschlages am Hebel b durch eine Führung der Drehaxe p nähern, oder von derselben entfernen. Die Stellung des Hebels zur Basis wird durch Drehen der Verbindungsschraube des Drahtes mit dem Metallthermometer regulirt.

    Das Registrirwerk ist ganz so angeordnet wie beim Barographen. Der Metallthermometer wird durch Anbringen eines blechernen Jalousiegehäuses, das in der Zeichnung weggelassen wurde, gegen die Unbilden der Witterung geschützt. Das Registrirwerk wird mit einem Glaskästchen abgeschlossen.

    

 

Thermograph von Hottinger & Cie.

 

Thermo- und Hygrograph von Hottinger & Cie.

 

In der gleichen Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Meteorologie, 16. Band von 1881 wird gleich anschließend der Thermo- und Hygrograph von Hottinger und Cie. vorgestellt:

 

Thermo- und Hygrograph

von H o t t i n g e r & Cie. in Zürich.

(Mit einer Tafel.)

 

    Während der vorstehend beschriebene Barograph ziemlich verbreitet ist und auf einer Anzahl meteorologischer Stationen zur Zufriedenheit functionirt, ist dieser Apparat noch weniger bekannt.

    Er dürfte indesssen mit der Zeit wegen seiner Einfachheit in der Construetion und Handhabung bei verhältnissmässig grosser Genauigkeit der Aufzeichnungen wohl auch vielfach Verwendung finden, besonders an Stationen, wo die Aufstellung complicirter, kostspieliger oder grosser Apparate aus irgend welchem Grunde nicht statthaft ist.

    Die graphische Aufzeichnung der Temperatur und der Feuchtigkeit geschieht neben einander auf dem nämlichen Papierstreifen, nur getrennt durch eine gleich zeitig markirte Basislinie.

    Der Apparat sitzt auf einer gusseisernen Unterlagsplatte, die mit Regulirschrauben ins Niveau gebracht werden kann. Er besteht aus zwei Theilen, aus den Receptoren und dem Registrirwerke. Dieses letztere ist möglichst gegen Aussen abgeschlossen, während die ersteren vollkommen der freien Luft zugänglich sind, nur zum Schutze gegen die Unbilden der Witterung mit einem Blechdache, das in der Zeichnung jedoch weggelassen ist, bedeckt. Die beiden Seitenwände des Registrirwerkes sind mit Nuthen versehen in die Glasplatten zum Abschlusse eingeschoben werden. Vorne gegen die Receptoren schliesst eine Blechwand ab, in welcher zwei Querschlitze angebracht sind, die den beiden Zeigern gerade genügenden Spielraum für ihre Bewegungen gewähren. Zum Aufbringen und Abnehmen des Papier kann der Theil des Registrirwerkes a in dem die Lager der Rollen angebracht sind, herausgezogen werden. Das Uebertragungsrad b kann mittels einer Feder bequem ausgelöst oder eingeschalten werden.

    Das Thermometer ist ein Metallthermometer, das seine Bewegung auf den Zeiger c überträgt.

    Das Hygrometer, ein Haarhygrometer, bewegt den Zeiger d.

    Die Wirkungsweise des Appatates ist nun folgende:

    Der Papierstreifen e wird durch den Antrieb der Uhr f von einer Rolle ab - auf eine andere aufgewickelt.

    Das gezahnte Stundenrad rückt jede Stunde um einen Zahn vorwärts und drückt hiebei den Daumen g so lange zurück, als der Zahn noch berührt. Ist der Daumen am höchsten Punkte des Zahnes angelangt, so ist er zugleich am weitesten zurückgedrückt und in dem Augenblick, in welchem er diesen Punkt überschreitet, fällt er mit einer gewissen Kraft in die nächste Lücke, der Hammer h schlägt gegen die Stifte, welche die Zeiger an ihren Enden tragen und diese markiren auf dem Papierstreifen Punkte, welche, da das Papier der Zeit proportional verrückt, in gleichen Abständen von einander abstehen.

Um das Zifferblatt f auf die Stunde zu stellen wird die Klemmschraube i, welche dasselbe auf die Axe der Uhr andrückt, etwas herausgeschraubt, das Zifferblatt sitzt dann lose und kann gestellt werden. Hernach ist die Klemmschraube wieder anzuziehen. Die Zeit wird beim Daumen g abgelesen.

    Die Uhr wird auf der äusseren Seite aufgezogen und geht acht Tage.

    Zur Regulirung der Stärke der Punkte dient die Schraube k.

    Die Einheit des Maasses ist willkürlich und muss durch besondere Vergleichung mit Normalinstrumenten bestimmt werden.

    Zur Beurtheilung der Genauigkeit, mit welcher diese Instrumente arbeiten, mögen hier die Beobachtungen an drei Thermo-Hygrographen folgen, welche auf der Zürcher Sternwarte gemacht werden sind. Dabei muss bemerkt werden, dass für die Aufstellung der Instrumente keinerlei Vorbereitungen getroffen werden mussten. Unmittelbar nachdem man sie gebracht hatte, wurden sie in Thätigkeit gesetzt und functionirten sofort ohne Unterbrechung.

    Es lässt sich leicht zeigen, dass die durch Uebertragung der Ausdehnung der Spirale auf die Stiftbewegung angegebene Temperatur durch die Reihe gegeben ist:

 

t = t0+ + A y + B y³ + C y³ + ….

 

wo t0, die der Basislinie entsprechende Temperatur ist, y der Abstand der Marke von der Basislinie, A, B und C aber Constante. Beim Thermographen Hottinger kommt das Glied mit B nicht mehr in Betracht, da B = 0,00000345 ist, und, so lange y < +/-31mm bleibt, B y³ < +/- 0,1° ist.

    Das Resultat der Untersuchungen an drei solchen Instrumenten ergab für das erste, wenn man die Temperatur t durch die Ordinate w nach der Formel ausdrückt

 

t = A + B x

 

    A. Thermograph. B = —0,4196, also für einen Grad Temperatur eine Stiftbewegung von 2,38mm. Die mittlere Abweichung der Angaben des Thermographen vom Thermometer war +/- 0,12. Freilich war die Vergleichung bei kleinen Temperaturschwankungen vorgenommen werden und dürfte sich daher die Genauigkeit in Wirklichkeit geringer herausstellen.

     B. Hygrograph. Die Vergleichung wurde vorgenommen mit einem controlirten Haarhygrometcr das Resultat der Vergleichung ergab einen mittleren Fehler der Angaben des Hygrographen von +/- 1,2% Feuchtigkeit. Leider war auch die Schwankung der Feuchtigkeit während der Vergleichsdauer sehr gering.

    Für das zweite:

    A. Thermograph. B = 0,3125 +/- 0,0075, so dass einem Grade Temperatur ein Ausschlag von 3,2mm entspricht. Der mittlere Fehler war +/- 0,14°.

    B. Hygrograph. Der mittlere Fehler gegenüber den Angaben des Haarhygrometers war +/- 1,7% Feuchtigkeit.

    Für das dritte:

    A. Th ermograph. B = - 0,645, so dass einem Temperaturgrad ein Ausschlag von 1,6mm entspricht. Der mittlere Fehler war +/- 0,18.

    B. Hygrograph. Der mittlere Fehler betrug +/-1,6% Feuchtigkeit.

    Leider waren nicht nur beim ersten Instrumente, sondern auch bei den beiden anderen sowohl die Temperatur- als auch die Feuchtigkeitsschwankungen gering, so dass das Resultat in Wirklichkeit sich vielleicht etwas ungünstiger gestalten dürfte.

 

Thermo- und Hygrograph von Hottinger & Cie. in Zürich

 

Pluviometer / Ombrograph / Selbstregistrierender Regenmesser von Hottinger & Cie.

 

Ein und das gleiche Instrument wurde unter verschiedenen Bezeichnungen gefertigt, und findet sich auch heute noch unter diesen Bezeichnungen. Sobald die Instrumente von dem Nachfolger von Hottinger & Cie, Th. Usteri-Reinacher (1841-1918) gefertigt sind, setzt sich aber der Name "Pluviometer" in der Literatur durch.

 

In der Zeitschrift „Schweizerische Bauzeitung“, Band (Jahr): 3/4 (1884), Heft 3 wird der selbstregistrierende Regenmesser von Hottinger & Cie vorgestellt.

Vollkommen unerklärlich ist allerdings die Fußnote 2 dieses Artikels. Ein Herr Ehrensperger als Geschäftsführer der Werkstätte war nie verzeichent. Da dürfte es sich um eine Verwechslung handeln.

 

Selbstregistrirender Pluviometer

aus der mech. Werkstätte von Hottinger & Cie. in Zürich.

Von Dr. Maurer in Zürich.

 

    Als eines der positivsten Elemente der Meteorologie, zugleich aber auch als einer der wichtigsten, geradezu unentbehrlichen Factoren bei einer Menge von practischen Fragen, wie sie die Ingenieurtechnik der Neuzeit so oft zu beantworten hat, darf unbedingt die Niederschlagsmenge, angesehen werden. Gar manche Heimsuchung durch Ueberschwemmung und Wasserverheerungen wäre erspart geblieben oder hätte in ihren oft traurigen Folgen doch wenigstens erheblich gemildert werden können, wäre man sich über die für eine bestimmte Gegend während kürzester Fristen, beispielsweise pro Minute, zu erwartenden maximalen Wassermengen, wie sie sich bei anhaltenden enormen Regengüssen, auch bei kurz vorübergehenden abundanten Gewitterregen (sog. Wolkenbrüchen) etc. ergeben, nur einigermassen im Klaren gewesen. 1)

    Obwohl schon oft von hervorragenden Meteorologen und Hydrographen die Ausnahmestellung, welche man dem Regen unter den übrigen meteorologischen Elementen angewiesen hat - es wird bekanntlich auf den meisten Stationen die Regenmenge nur einmal des Tages gemessen, während man zum mindesten dreimalige Terminsbeobachtungen über Temperatur, Luftdruck, Feuchtigkeit etc. macht - verdammt worden ist, und von ebenderselben fachmännischen Seite die verschiedensten Vorschläge gemacht wurden, die eine etwas intensivere Beobachtung der Niederschlagsmengen, namentlich durch Einführung rationell construirter bezüglicher Registririnstrumente erzielen sollten, so ist dennoch eine allseitige Ausführung derselben, abgesehen von den grösseren, besonders reich dotirten Observatorien, bis zur Stunde immer noch ein frommer Wunsch geblieben. Es scheiterte die Anschaffung der in Vorschlag gebrachten Apparate, welche eine möglichst continuirliche Aufzeichnung des Regenfalls hinsichtlich seiner Intensität und Dauer zur Anschauung bringen sollten, gewöhnlich an der subtilen Construction derselben, welche eine bequeme einfache Bedienung des Instrumentes - namentlich wenn noch electrische Registrirung im Spiele war - von Seite des Beobachters ganz illusorisch machte ; hiezu kam dann meistens noch der hohe Preis solcher registrirender Ombrometer, welcher der allgemeinen Einführung derselben neben den übrigen meteorologischen Stationsinstrumenten von vornherein schon eine beinahe unüberwindliche Schranke 

Selbstregistrierender Regenmesser von Hottinger & Cie.

entgegensetzte. Um so verdankenswerther ist es daher, wenn von einer Seite versucht worden ist, diesen Uebelständen nach Kräften zu begegnen, d. h. einen Apparat zu erstellen, der auf einem einfachen sicher functionirenden Principe beruht, der überdies von dem betreffenden Beobachter sehr leicht zu bedienen ist und welcher namentlich auch rücksichtlich seines Preises gegenüber ähnlichen Apparaten in vortheilhaftester Weise excellirt, alles Eigenschaften, welche der neue, sofort zu beschreibende selbstregistrirende Pluviometer aus der Werkstätte von Hottinger & Cie 2) dahier, in vollem Masse besitzt.

    Das Princip, auf welchem dieser registrirend e Ombrometer basirt, ist, wrie die nebenstehende Figur (Verticalschnitt) veranschaulicht, das der einfachen Federwaage: der Regenmesser besteht aus dem direct zu exponirenden trichterförmigen Auffanggefäss A von 250 cm² Oberfläche, von welchem das Wasser (zum Schmelzen des Schnees dient eine kleine Lampe, deren Verbrennungsgase die Bodenfläche des Auffangstrichters erwärmen) in den eigentlichen Receptor, in die Umkippschaale b, gelangt; mit letzterer ist ein cylindrisches Stahlstäbchen fest verbunden, welches an seinem untern Ende den Registrirstift l (Farbschreiber) trägt und das sich mit letzterem auf die Spiralfeder H stützt. Diese Feder H ist mit ihrem.obern Ende an die Regulirschraube f angelöthet, innerhalb deren das Stahlstäbchen sich frei und ohne Reibung verschieben kann. Letztere hat den Zweck, je nach Bedürfniss, die Feder mit dem Registrirstift etwas heben oder senken zu können. Ist die Umkippschaale, deren Capacität gerade 500 g beträgt, wasserleer, also unbelastet, so drückt die Feder den Farbschreiber nach aufwärts, so dass er gerade über der obersten Horizontalen der Registrirtrommel steht, welch' letztere sich durch die Uhr (m) in 24 Stunden je einmal um ihre Axe dreht, und deren Papierfläche in 24 Abschnitte zerfällt, von denen jeder hinwiederum 6 Unterabtheilungen (zu 10 Min.) enthält, so dass ganz wohl ein Zeitintervall von 2 Minuten noch unterschieden beziehungsweise geschätzt werden kann: Wird die Schaale b durch die einlaufende Niederschlagsmenge successive mehr und mehr belastet, so muss die Feder nach abwärts nachgeben; es tritt für eine bestimmte Regenmenge eine bestimmte ' Gleichgewichtslage des Registrirstiftes ein, für welche die (axiale) Verschiebung Δ x aus der Nullpunctslage, bekannten Gesetzen 3) zufolge, genau proportional ist der in b vorhandenen Wassermenge, d. h. also auch genau proportional der dieser correspondirenden Regenhöhe. Ist die Umkippschaale b (die, belastet, ein kleines Drehmoment nach rechts besitzt)' mit Wasser gefüllt, und hat der Farbschreiber seine tiefste Lage erreicht, so entleert sich die erstere automatisch in's Ablaufgefäss d (vermittelst des Ausschalthebels c, der an die Schraube t stösst) und der Schreiber steigt in Folge der freiwerdenden Federkraft wieder zu seinem höchsten Puncte empor, was auf dem Registrircylinder durch eine von unten nach oben gehende Linie markirt wird. Da einer Verschiebung der Zeigerspitze um 100 mm (ganze Papierbreite) eine Regenmenge von 500 cm³ also bei 250 cm² Auffangsfläche eine Niederschlagshöhe von 20 mm entspricht, so berechnet sich hieraus, dass einer Niederschlagshöhe von 710 mm immer noch eine Verschiebung des Schreibstiftes um 1,5 mm correspondiert, was vollkommen ausreichend sein dürfte.

Pluviometer - Aufzeichnung

    Einer der intensivsten in unserer Gegend beobachteten Regenfälle ist der vom 9. September 1876, bei welchem Anlass auf der 'hiesigen Sternwarte in 10 Minuten nicht weniger als 21 mm notirt wurden. Nehmen wir, um eine sichere obere Grenze zu haben, den doppelten Betrag für jene Zeitdauer, d. h. durchschnittlich 20 mm pro j Minuten, so haben wir während 5 Minuten je eine Entleerung- des Receptors ; also selbst in diesem jedenfalls ganz exceptionellen Falle wird die für die Registrirtrommel supponirte Eintheilung immer noch genügen, da 5 Minuten noch ganz gut abgelesen werden können. Zum Schlüsse noch die Bemerkung dass wenn die benutzte Papierfläche durch, eine neue, ersetzt werden soll, was am besten je Abends 6h geschieht, dann einfach durch Lösen der Stellschraube i die Registrir-trommel herausgenommen, und entweder eine ändere zuvor fertig gestellte eingesetzt oder einfach ein neues Papierblatt um letztere gelegt wird.

    Bereits sind eine grössere Zahl der nach diesem Principe erstellten Pluviometer für ausländische Observatorien in Aussicht genommen, so für die österreichische meteorologische Centralanstalt in Wien, durch Herrn Prof. Hann, für das rumänische Stationsnetz durch Herrn Ingenieur Hepites, etc. etc. Hoffen wir, dass auch in unserm mit atmosphärischen Wassern so reich gesegneten Lande von fachmännischer Seite diesem rationellen, sinnreich construirten Apparate die wohlverdiente Aufmerksamkeit zugewendet werde, um durch geeignete Aufstellung solcher Ombrometer eine Menge wichtiger hydrographischer Probleme zu lösen oder ihrer Lösung doch wenigstens näher zu führen, wozu durch die Constituirung des grossen schweizerischen Regenmesstationsnetzes von Seite der eidgenössischen meteorologischen Centralanstalt schon ein erfreulicher Anfang gemacht worden ist.

 

1) Vrgl. die eingehenden Untersuchungen hierüber von Herrn Quaiingenieur Dr. Bürkli im 8. Bd. dieser Zeitschrift.

2) Constructeur desselben ist der jetzige Geschäftsleiter der Firma, Herr Ehrensperger.

3) Für K als wirkenden Zug oder Druck, l als Länge und q als Windungsdurchmesser der Feder, wird, wenn noch die Windungszahl und die Constante der elastischen Starrheit bezeichnet, der Theorie zufolge: 

 

 

Der gleiche Artikel ist in der „Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Meteorologie“, XIX. Band, von 1884 auf Seite 179 ff. veröffentlicht worden.

 

Ebenfalls wird das Instrument vorgestellt in dem Buch „Der Wasserbau – nach den Vorträgen, gehalten am Finnländischen Polytechnischen Institute in Helsingfors, von M.Strukel“, I. Teil, zweite Auflage, 1904. Hier als „Regenmesser von Dr. Maurer und Hottinger & Co. (gegenwärtig Usteri-Reinacher)“

 

Dr. Julius Maurer (1857-1938) dürfte somit als Erfinder des Instruments gelten, dass er zuerst bei Hottinger & Cie. und dann später auch noch bei Th. Uster-Reinacher fertigen lies.

 

Den mehrseitigen Nachruf auf Dr. Julius Maurer (1857-1938) finden wir in der Zeitschrift "Verhandlungen der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft = Actes de la Société Helvétique des Sciences Naturelles = Atti della Società Elvetica di Scienze Naturali", Band 119, Jahrgang 1938.

 

Der selbstregistrierende Regenmesser von Hottinger & Cie, nun aber schon von Th. Usteri-Reinacher gefertigt, wird auch in späteren Veröffentlichungen, in denen es zu meist um große Regenfälle geht, noch als besonders lobend erwähnt.

 

Selbstregistrierender Regenmesser von Hottinger & Cie.
Dr. Julius Maurer (1857-1938)

 

 

Sandapparat von Hottinger & Cie.

 

In der „Vierteljahrsschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich“, 31. Jahrgang von 1886 findet sich ein Eintrag zu diesem Sandapparat

 

Im Kapitel „Astronomische Mitteilungen von Dr. Rudolf Wolf“ lesen wir auf Seite 335:

Zum Schluss gebe ich noch eine kleine Fortsetzung des in Nr. XXIX begonnenen, dann wiederholt und zuletzt noch in der Nr. LXVI fortgesetzten Verzeichnisses der Instrumente, Apparate und übrigen Sammlungen der Zürcher Sternwarte.

Und dann auf Seite 337:

322) Sandapparat. - Geschenkt von Prof Wolf. Ein Apparat, welchen ich nach Abschluss der in Nr. 58 meiner Mittheilungen behandelten Versuche über Sand-Auslauf bei Mechanicus Rudolf Hottinger-Goldschmid sel. in Zürich ausführen liess, um jene Versuche mit grösserer Accuratesse, als es bei dem früher benutzten ganz rohen Apparate möglich gewesen war, noch einmal aufzunehmen. Es sind denn auch in der That unter meiner Anleitung durch meinen frühern Privatassistenten, Herrn Emil Blattner, mehrere ausgedehnte Serien ausgeführt worden, welche ich, sobald ich Zeit finde die noch ausstehenden Rechnungen auszuführen, publiciren und dabei die nöthigen genauem Angaben über den Apparat beifügen werde, so dass ich hier nicht nöthig finde mich näher darüber auszusprechen.

 

Sandapparat von Hottinger & Cie

Anzeigen

 

Eine seltene Anzeige von Hottinger & Cie in Zürich finden wir in der „Feldkircher Zeitung. Stimme der Verfassungsfreunde in Vorarlberg“, XXII. Jahrgang vom 02.; 06. und 09. September 1882:

 

 

 

 

 

 

 

Ein wunderschöner von Hottinger & Cie. gefertigter Kippregel wurde im August 2008 beim Auktionshaus Dorotheum in Wien versteigert.

 

Nähere Angebagen sind leider nicht vorhanden.