Jakob Goldschmid

Jakob Goldschmid (1815-1876)

 

Jakob Goldschmid wurde am 15.01.1815 als Sohn des Kaufmanns Jonas Goldschmid (* 29.01.1788 † 13.05.1841) und der Elisabeth Henrika Goldschmid, geb. Sulzer (* 17.11.1790 † 12.08.1862) in Winterthur geboren.

 

Wir wissen, dass Jakob Goldschmid am 14.04.1839, nach seiner Rückkehr von der Wanderschaft und dem Wiederintritt in die Werkstätte von Johann Georg Oeri (1780-1852), die Tochter von Johann Georg Oeri, Johanna Oeri (* 19.02.1811, † 28.02.1895) geheiratet hat.

 

Jakob Goldschmid (1815-1876) und seine Frau Johanna (1811-1895), geb. Oeri, hatten insgesamt vier Kinder:

 

- Henriette Johanna Goldschmid (* 06.12.1841, † 02.12.1906), die am 13.06.1864 den Nachfolger von Jakob Goldschmid, Rudolf Hottinger (1834-1883), heiratete.

- Jakob Kaspar Albert Goldschmid (* 22.02.1843, † 02.01.1918), der am 01.05.1876 die Anna Margaretha Ulrich (* 20.03.1851, † 01.07.1923) heiratete.

- Elise Goldschmid (05.03.1844, † unbekannt)

- Jonas Eugen Goldschmid (* 25.08.1848, † 29.08.1849)

 

Quellenangabe für die nebenstehende Abbildung: J. Goldschmid, Mechaniker. [Zürich], [zwischen 1850 und 1876]. Zentralbibliothek Zürich, Goldschmid, Jakob I, 1, http://dx.doi.org/10.7891/e-manuscripta-45080 / Public Domain Mark

 

Dem Unstand, dass der Bruder von Johann Georg Oeri (1780-1852), Hans Jakob Oeri (1783-1864), ein bekannter Bildnis- und Historienmaler in Zürich war, verdanken wir zwei Potraitgemälde von Jakob Goldschmid (1815-1876) und seiner Frau Johanna Oeri (1811-1895) . Beide Portraits sind etwas um 1830 entstanden.

 

Jakob Goldschmid, portraitiert von Hans Georg Oeri, um 1840
Johanna Oeri, portraitiert von Hans Georg Oeri, um 1840

Familiengeschichte

Familienwappen der Familie Goldschmid aus Winterthur

 

Im dem Buch „Wappen der löblichen Bürgerschaft von Winterthur" von 1855 finden wir das Familienwappen der Familie Goldschmid aus Winterthur.

 

Die Wappenbeschreibung / Blasonierung lautet: "In blau über zwei sechsstrahligen, goldenen Sternen goldenes Hauszeichen."

 

 

Für die männlichen Nachfahren der Familie Goldschmid aus Winterthur existiert einsehr umfangreiches Verzeichnis, das um ca. 1850 erstellt wurde und bis auf das Jahr 1420 zurückgeht. Dabei handelt es sich um eine Arbeit des Stadtpräsidenten Anton(ius) Künzli´s (1771-1852) in Form eines  Bürgerregisters, dem „Verzeichnis der Winterthurer Bürger“, das in zwei Exemplaren heute noch im Original vorhanden ist. Jakob Goldschmid wird in diesem Verzeichnis unter der Nummer 138 erwähnt.

 

Eine Kopie einer Abschrift des Bürgerverzeichnises für die Familie Goldschmid aus Winterthur liegt hier vor, ist aber leider noch nicht weiter erforscht worden.

 

 

 

Eine ausführliche Stammtafel für Jakob Goldschmid, väterlicher- und mütterlicherseits, konnte mit Hilfe des anerkannten Ahnenforschers Mario von Moos aus Fehraltdorf erstellt werden. Dank vieler Quellen zur Ahnenforschung ist sogar gelungen, die Angaben, die Herr von Moos für die Familie Goldschmid aus Winterthur zur Verfügung gestellt hat, noch weiter zu vervollständigen. Die beiden Stammtafeln sehen Sie nachstehend.

 

Nekrologe

 

In dem ersten Nachruf auf Johann Goldschmid, der 1876 in der Zeitschrift „Die Eisenbahn = Le chemin de fer“, Band IV, Seite 323 ff. erschien, lesen wir:

 

J. Goldschmid

    Am 17. Mai dieses Jahres starb nach kurzer Krankheit plötzlich an einem Herzschlag der durch seine Aneroid-Barometer über die Grenzen der Schweiz hinaus bekannte Mechaniker J. Goldschmid in Zürich.

    Er wurde den 15. Januar 1815 zu Winterthur (Canton Zürich), wo sein Vater Kaufmann war, geboren. Nachdem er die dortigen Stadtschulen durchgemacht hatte, kam er 1832 als Lehrling nach Zürich in die Werkstätte des vortrefflichen Mechanikers Oeri. Während seiner dreijährigen Lehrzeit genoss er theoretischen Unterricht in der sogenannten Kunst-(Industrie-) Schule. 1835 trat Goldschmid nach damaliger Uebung seine Wanderschaft an, kam zuerst nach Darmstadt, wo er zwei Jahre in einer Werkstätte arbeitete. Später besuchte er deren noch mehrere in einigen andern Städten, so in Wien und Hamburg. Reich mit Kenntnissen ausgestattet kam er 1838 nach Zürich zurück, trat wieder bei seinem früheren Lehrmeister Oeri ein und verehelichte sich 1839 mit einer seiner Töchter, die er jetzt als trauernde Wittwe hinterlassen hat. Somit wurde er Mitinhaber des Geschäftes, welches 1852 nach dem Tode seines Schwiegervaters auf Goldschmid überging. Es war um diese Zeit, als er seine Versuche begann, den Vidischen Aneroid - Barometern eine Construction zu geben, welche deren Hauptmängel vermied. Er ersetzte den complicirten Mechanismus derselben, der bei starker Ausdehnung der Büchsen und raschen Bewegungen den Dienst so leicht versagte, durch eine einfache Micrometerschraube in Verbindung mit zwei Hebeln.

Wir erwähnen in Folgendem einiger Instrumente, welche aus seiner Werkstätte hervorgingen, ohne damit die vollständige Liste der selbstständigen Arbeiten und Erfindungen des arbeitsamen Mannes, der ganz nur seinem Geschäfte, seiner Familie und einem engen Freundeskreise lebte, zu erschöpfen.

    1840 verfertigte er eine Guillochirmaschine zum Copiren von Reliefs.

Von 1847 an studirte er Distanzmesser und vervollkommnete 1854 bis 1860 seinen Diastimeter, der mit den besten Instrumenten dieser Art concurrirt.

    Das Princip desselben besteht in Folgendem:

    In einem Fernrohr sind in deutlicher Sehweite zwei Fäden angebracht, von denen der eine fest, der andere vermittelst der am Ocularauszug befestigten drehbaren Trommel parallel verschiebbar ist. Es wird nun vorausgesetzt, dass diese Fäden immer auf eine constante Grösse, z. B. auf einen Mann von 2™/ (6') Höhe eingestellt werden und dieselbe genau zwischen sich fassen. Die Entfernung des anvisirten Mannes vom Stand¬

punkte ist nun gleich einer Constanten dividirt durch die Entfernung der Fäden. Diese Distanzmesser wurden in der Schweiz für die Artillerie eingeführt und jeder Batterie ein damit versehenes Fernrohr beigegeben.

    In seiner Werkstätte wurden die ersten von Wetli* (jetzt Cantonsingenieur in Zürich) erfundenen Planimeter verfertigt, welche später von Amsler zu den compendiösen Polar-Planimetern umgewandelt und vereinfacht wurden. An diesen brachte Goldschmid anstatt stählerner gläserne Rollen an, sowie eine Schiebvorrichtung nach Angaben von Wild.

    Den Pantograph verbesserte er bedeutend, indem er denselben mit freischwebenden Armen construirte und ihn so zu einem praktischen Reductionsapparate umwandelte.

    Der Taschenuniversalmessinstrumente mit Horizontal- und Verticalkreisen von 5 Ctm. Durchmesser, der Zeigerwaagen mit Gegengewicht, der Analysenwaagen (1854), der Federwaagen, weiche in den verschiedensten Variationen angeordnet wurden, sei nur in Kürze Erwähnung gethan. So rühren z. B. die ersten Gepäckwaagen der N. 0. B. in Tischform (Federwaagen) von ihm her, sowie auch die ersten Billetstempelmaschinen.

    Das Toposcop, ein Fernrohr auf einem Ständer sich drehend, mit einem Gelenkzeiger versehen, welcher bei jeder Richtungsänderung des Fernrohres auf einer horizontalen mit einer Carte versehenen Ebene den ent-sprechenden Punkt zeigt, auf den das Fernrohr gerichtet ist; diese Vorrichtung ist bei der Nacht ein vorzügliches Mittel für Ortsangabe im Fall von Feuersbrünsten.

    1857 hatte Goldschmid auf der dritten schweizerischen Industrieausstellung in Bern einen Aneroid-Reisebarometer, zu Höhenmessungen bestimmt, ausgestellt und ward dafür mit einer silbernen Medaille prämirt.

    1873 figurirten auf der Wiener Weltausstellung folgende, für verschiedene spezielle Zwecke dienende Micrometer-Aneroid-Barometer wofür er die broncene Fortschrittsmedaille erhielt :

    1. Aneroid-Barometer für Topographie.

    2. Aneroid-Barometer für Eisenbahntracirungsarbeiten.

    3. Marine-Barometer; Observations - Stand - Aneroid - Barometer.

    4. Observations-, Stand- und Reise-Aneroid-Barometer.

    5. Taschen-Aneroid-Barometer.

    6. Selbstregistrirender Reise-Aneroid-Barometer.

Instruction und Preise obiger Instrumente sind vom Aussteller als Broschüre in den Buchhandel gegeben worden, auf welche wir hiermit verweisen.

Die Aneroid-Barometer von Goldschmid, die sich seit Jahrzehnten auf weiten Reisen übers Meer, durch Wüsten und Urwälder und in den Gletscherregionen als das beste Instrument dieser Art erwiesen haben, gehören zu seinen

bedeutendsten Leistungen und wir hoffen, mit Gelegenheit auf diese Instrumente näher einzutreten.

    Noch in den letzten Jahren stellte er selbstregistrirende meteorologische Instrumente zusammen und zwar nicht mit electrischer, sondern mechanischer Registrirvorrichtung versehen. Diese

sind :

    1. Ein selbsregistrirender Aneroid-Barometer.

    2. Ein Registrator für Feuchtigkeit und Temperatur (spiralförmiger Metallthermometer).

    3. Ein Registrator für Regen- und Schneemengen, sowie für deren Verdunstung; dieser Apparat giebt in Intervallen von 15 zu 15 Minuten, oder nach Wunsch innerhalb beliebiger engerer Grenzen die gefallenen Niederschläge an, wodurch die bei diesen Messungen bis jetzt ganz ungenügenden Angaben über die Zeitdauer, während welcher gewisse Regenmengen fielen, durch genaue Messungen vervollständigt werden können.

    4. Ein Registrator, welcher Folgendes verzeichnet :

    a) Windrichtung,

    b) Geschwindigkeit des Windes (Anemometer),

    c) Windstärke.

Jedermann, der den bescheidenen und fleissigen Mann gekannt hat, wird denselben in freundlichem Andenken bewahren.

 

Dieser Nachruf gibt uns schon einen sehr umfangreichen Überblick, über das Leben und Wirken des Jakob Goldschmid.

 

In der „Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Meteorologie“, XI. Band, Nr. 12 vom 15.06.1876 finden wir einen weiteren Nachruf auf Jakob Goldschmid. Dieser wurde nach einer Veröffentlichung von Dr. Rudolf Wolf in der „Vierteljahreszeitschrift der Meteorologischen Gesellschaft zu Zürich“ von ebenfalls 1876, von dem Direktor der meteorolog. Centralanstalt in Zürich, Robert Billwiller (1849-1905) verfasst.   

Auf Seite 183 der „Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Meteorologie“ von 1876 lesen wir:

 

    (Jakob Goldschmid †) Am 17. Mai d.J. starb nach kurzer Unpässlichkeit plötzlich an einem Herzschlag der durch seine Aneroide weithin bekannte Mechaniker J. Goldschmid in Zürich. Auch die Meteorologie verliert an ihm einen um die Vervollkommnung ihrer technischen Hilfsmittel hochverdienten Mann.

     J. Goldschmid wurde am 15. Jänner 1815 zu Winterthur (Kanton Zürich), wo sein Vater Kaufmann war, geboren. Er besuchte die dortigen Stadtschulen und kam 1832 als Lehrling in die Werkstätte des vortrefflichen Mechanikers Oeri nach Zürich. Während seiner dreijährigen Lehrzeit genoss er indessen auch noch theoretischen Unterricht an der sogenannten Kunst- (Industrie-) Schule. Dann trat er nach damaliger Sitte seine Wanderschaft an, arbeitete 2 Jahre in einer der besten Werkstätten Darmstadts und besuchte nachher noch einige andere Städte, wie Wien und Hamburg. 1838 kehrte er reich an Kenntnissen in seinem Fach nach Zürich zurück, trat wieder bei seinem Lehrmeister Oeri ein und verehelichte sich1839 mit einer von dessen Töchtern. Dadurch wurde er Mitinhaber des Geschäftes, das er seit 1852 nach dem Tode des Schwiegervaters allein fortführte. Schon damals hatte er sich durch die Erfindung mehrerer der Industrie dienenden Instrumente einen weitverbreiteten Namen erworben.

     Es war auch Anfangs der fünfziger Jahre, als er auf die Idee kam, den complicirten Mechanismus des kurz zuvor erfundenen Vidi´schen Aneroidbarometers durch einen möglichst einfachen und soliden zu ersetzen und damit die grossen Mängel desselben zu beseitigen. Nicht mit einem Schlage, sondern nach langjährigen Bemühungen und vielfachen Verbesserungen hat er sein Ziel erreicht und ein Instrument geliefert, welches leistet, was von seiner Natur überhaupt gefordert werden kann.

    Die Ersetzung der Feder und Kette des Vidi´schen Aneroidbarometersdurch eine Mikrometerschraube ist und bleibt einen wesentliche Verbesserung desselben. Von den vielen Anerkennungen, die Goldschmid für dieselbe zu Theil geworden, wollen wir nur Wiener Fortschrittsmedaille erwähnen. Goldschmid selbst hat in dieser Zeitschrift 1) sein Instrument beschrieben und wir wollen nur noch erwähnen, dass Herr Professor Weilenmann ein nach der von ihm angegebenen 2) Modification von Goldschmid angefertigtes Instrument eingehend und in allen Höhenlagen untersucht und gefunden hat, es möchte an Zuverlässigkeit einem Quecksilberbarometer nicht nachstehen.

    In den letzten Jahren hat Goldschmid auch begonnen, Registrir-Apparate anzufertigen, und soviel uns bekannt, ist die Centralstation in Stuttgart mit sehr brauchbaren Instrumenten aus seiner Werkstatt versehen. Auf diesem Felde hätte er wohl noch Hervorragendes geleistet; der Tod überraschte ihn inmitten der geschäftigsten Thätigkeit. – Als Mensch war Goldschmid ein äusserst schlichter, rechtschaffender und liebenswürdiger Character, ein großer Freund der Natur. Die neuen Fortschritte in der Meteorologie hat er mit dem Eifer und der Wärme eines Jüngers der Wissenschaft verfolgt.

 

1) Vergleiche Band V, Seite 177

2) Siehe dies Zeitschrift Band IX, Seite 171

 

Dokumente

Brief von J. Goldschmid an Ing. Johannes Wild vom 06.04.1846

 

Von Jakob Goldschmid sind in der ETH Zürich ebenfalls auch noch zwei Briefe an den Ingenieur Johannes Wild erhalten. Den ersten von 06.04.1846 hat Johann Goldschmid noch mit „J. Goldschmid Oeri“ unterzeichnet, sicherlich um seine Zugehörigkeit zur Werkstätte Johann Gerorg Oeri´s zum Ausdruck zu bringen.

 

Johannes Wild (* 13.03.1814 in Richterswil; † 22.08.1894 ebenda) war ein Schweizer Professor für Topographie und Geodäsie an der ETH Zürich, Ingenieur und Kartograf. Wild erstellte als erster eine mehrfarbige Kurvenkarte des Kantons Zürich im Maßstab 1 : 25.000.

 

Quelle: ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, HS 371:445. Korrespondenz mit Ingenieur Johannes Wild, 06.04 1846 Goldschmid an Wild

 

Den zweiten Brief vom 31.07.1852 unterzeichnet er dann aber schon mit „grüßt Sie aufs freundlichste Ihr alter Geschäftsfreund - J. Goldschmid“.

 

Quelle: ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, HS 371:446. Korrespondenz mit Ingenieur Johannes Wild, 31.07.1852 Goldschmid an Wild

 

Brief von J. Goldschmid an Ing. Johannes Wild vom 31.07.1852

 

Das Staatsarchiv des Kantons Zürich verwahrt mehrere originale Regierungsratsbeschlüsse in denen Jakob Goldschmid erwähnt wird. Im Einzelnen sind dies die folgenden Ratsbeschlüsse:

 

10.06.1843  Wiedererwählung des Hrn. Carl von Schwerzenbach, als Sekretär des Straßendepartements und des Hrn. J. Goldschmied v. Winterthur zum Kreisingenieur

Signatur: StAZH MM 2.77 RRB 1843/1003

 

30.04.1846  Erneuerungswahl des Hrn. Ingenieur Goldschmid aus Winterthur (zum Ingenieur-Adjunkten des zweiten Kreises)

Signatur: StAZH MM 2.92 RRB 1846/0719

 

28.04.1849  Erneuerungswahlen des Hrn. v. Schwerzenbach zum Sekretär des Straßendepartements u. des Hrn. Goldschmid zum Kreisingenieur.

Signatur: StAZH MM 2.104 RRB 1849/0813

 

02.03.1850  Beförderungen bei dem Offizierkorps der Auszüger-Landwehrinfanterie.

Neben vielen anderen: Herr Jakob Goldschmid von Winterthur zum Waffenoffizier

Signatur: StAZH MM 2.107 RRB 1850/0402

 

24.12.1859  Wahl der Hrn. Hüni & Goldschmid zu Kreisingenieuren.

Signatur: StAZH MM 2.146 RRB 1859/1643

 

Jakob Goldschmid war also neben seiner Tätigkeit als Mechaniker auch Kreisingenieur und Waffenoffizier.

 

Daguerrotypie

 

Ebenso wie sein Vorgänger Johann Georg Oeri (1780-1852) hat auch Jakob Goldschmid (1815-1876) sich nicht nur mit den Aneroidbarometern beschäftigt, sondern war vielfältig interessiert und von ihm wissen wir auch, dass er sich in jungen Jahren mit der damals aufkommenden Daguerreotypie, einer frühen Form der Fotografie, beschäftigt hat.

 

In der Veröffentlichung „Verhandlungen der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft bei ihrer Versammlung zu Lausanne, den 24., 25. und 26. Juli 1843 – 28. Versammlung“ lesen wir auf Seite 331:

 

Unter den 39 verschiedenen Gegenständen, welche die technische Gesellschaft vom October 1841 bis März 1842 verhandelt, gehören folgende ausschliess-lich den Naturwissenschaften an: (es folgt eine Aufzählung)

Und auf Seite 332 wird über einen Vortrag von Jakob Goldschmid berichtet:

Geschichte der verschiedenen Methoden zum Fixiren der Lichtbilder und der neusten Verbesserungen der dazu dienenden Apparate mit Vorweisung doppel-farbiger Bilder, braune Zeichnung auf blauem Grunde, von Herrn Mechanikus Goldschmid.

 

Gemäß einer Anzeige vom 28.01.1846 hatte sich Jakob Goldschmid (1815-1876) "vollkommen eingerichtet zum Daguerreotypieren von Personen, Oel-gemälden, Kupferstichen etc." Er hatte sich in einem Zimmer eingerichtet und war in der Lage "Kinder von jedem Alter daguerreotypieren zu können, ... da die Zeit zum Sitzen nur 3 bis 6 Sekunden dauert". In einer Passage dieser Anzeige weist er auch noch auf das oft bemängelte Unikat der Daguerrotypie hin. Zum Vervielfältigen der Daguerrotypiebilder, welche so vielfache Anwendung findet und bis dahin noch so wenig bekannt war, empfielht er sich noch besonders, da die Kopien zu billigen Preisen gefertigt werden können.

 

Ein wunderschönes Exemplar einer Daguerrotypie, gefertigt von Jakob Goldschmid (1815-1876), ist in der Schweizer Sammlung von W+T Bosshard erhalten geblieben, und ist hier nachstehend zu sehen. Leider ist nicht bekannt, wann genau diese Aufnahme entstanden ist, oder wer sich hier hat ablichten lassen. 

 

Daguerrotypie gerfertigt von Jakob Goldschmid (1815-1876)
Daguerrotypie gerfertigt von Jakob Goldschmid (1815-1876), Ausschnitt der Rückseite

Sonstiges

 

Jakob Goldschmid (1815-1876) war auch seit 1849 ordentliches Mitglied der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft in Zürich, der auch Professor August Weilenmann angehörte. Anlässlich der 79. Jahresversammlung und in der „Festschrift der Naturforschenden Gesellschaft 1746 – 1896“ zum 150jährigen Jubiläum der Gesellschaft wird neben anderen Disziplinen ganz speziell der beiden Mechanikern Goldschmid und Oeri und deren Verdienste für die Gesellschaft gedacht.

 

Aus den Nekrologen, die nach dem Tode von Jakob Goldschmid (1815-1876) veröffentlicht wurden, wissen wir, dass er von 1835 bis 1838, wie es damals üblich war, auf Wanderschaft ging, um sich fortzubilden.

 

In den Nachrufen heißt es, dass er zuerst nach Darmstadt ging und dort für zwei Jahre, also vermutlich 1835 bis 1837, bei einer der besten Werkstätten Darmstadts arbeitete bevor er noch weitere Städte, wie Wien und Hamburg, besuchte. 1838 kehrte er dann – reich an Kenntnissen in seinem Fach – wieder nach Zürich zurück, um wieder in die Werkstätte seines Lehrmeisters Johann Georg Oeri (1780-1852) einzutreten.

Leider ist nicht überliefert, bei welcher Werkstätte Jakob Goldschmid in Darmstadt gearbeitet hat, aber es kommen hierfür eigentlich nur zwei Werkstätten in Frage.

 

Zum einen gab es in Darmstadt die Werkstätte des Mechanikus A. Loos, der für seine hervorragenden Heber- und Gefäßbarometer immer wieder in der Literatur gelobt wird. Loos, über den sehr wenig bekannt ist, hatte seine Werkstätte zuerst im oberhessischen Büdingen und dann später, als er zum Brunnenmeister bestellt wurde, in Darmstadt.

 

Wahrscheinlicher ist aber, dass Jakob Goldschmid (1815-1876) seine Zeit in Darmstadt bei dem Hofmechanikus Hektor Rößler, sen. (1779-1863) verbrachte. Dieser ist bekannt für die Herstellung zahlreicher physikalischer, geodätischer und astronomischer Instrumente und war ebenfalls ab 1817 Großherzoglicher Münzmeister und ab 1832 Großherzoglicher Münzrath. Selbst der berühmte Carl Zeiss soll sich 1840 zur Vervollkommnung seiner Ausbildung bei Rößler aufgehalten haben.

Für die anderen Städte Hamburg und Wien auf der Wanderung von Jakob Goldschmid (1815-1876), die er von 1837 bis 1838 unternam, fehlen leider alle Informationen zu den Werkstätten, die er dabei besucht haben könnte.

 

In Frage käme hier für Wien aber die ebenfalls recht berühmte Werkstätte für optische und feinmechanische Instrumente von Johann Friedrich Voigtländer (1779-1859), die Firma J.F. Voigtländer, die  als fotographisches Unternehmen später Weltruhm erlangte. Aber auch die Werkstätte von des Ingenieurs und Mechanikers Franz Xaver Wurm (1786-1860), dem Erfinder einer Flachspinnmaschine und Inhaber zahlreicher Patente für die unterschiedlichsten Maschinen und Apparate könnte es gewesen sein.

 

Für den Aufenthalt in einer Hamburger Werkstätte kommt zeitlich die Firma A. & G. Repsold, die von den Söhnen Adolf (1806-1871) und Georg (1804-1885) des berühmten Feinmechanikers Johann Georg Repsold (1770 -1830) wohl am ehesten in Betracht. Mit letzterem hatte Jakob Goldschmid´s Lehrmeister Johann Georg Oeri (1780-182) auf jeden Fall Kontakt, wie wir aus dessen Briefwechsel mit Johann Caspar Horner (1774-1834) wissen und von dem Johann Georg Oeri ebenfalls u.a. die Original-Toisen für seinen Basismessapparat bezogen hatte.

 

Genau nachvollziehen lässt sich dies alles leider nicht mehr, da es keinerlei Aufzeichnungen mehr zu diesen Ereignissen zu geben scheint.

Und auch wenn bereits bekannt ist, dass Johann Georg Oeri (1780-1852) einige Vermessungsinstrumente, wie Bussolen und Kippregel hergestellt hat, wissen wir gerade von Jakob Goldschmid (1815-1876) und auch dessen Nachfolgern Rudolf Hottinger (1834-1883) und Th. Usteri-Reinacher (1841-1918), dass in der Werkstätte in der Trittligasse 34 auch Vermessungsinstrumente hergestellt wurden. Gestützt auf dieses Wissen, liegt es nahe, dass Jakob Goldschmid (1815-1876) gerade diese vorgenannten Werkstätten besucht hat, um sich fortzubilden.

 

Ein schöner Beweis dafür dass auch Jakob Goldschmid (1815-1876) Vermessungsinstrumente konstruiert, gebaut und angeboten hat, findet sich auf den bei Umbau- und Renovierungsarbeiten in der Trittligasse 34 gefundene Lithographie-Druckplatte, die für einen entsprechenden Prospekt für Theodolite und Nivellierinstrumente benutzt worden sein dürfte. 

Einen mit diesen Druckplatten gedruckten Katalog oder Prospekt des Jakob Goldschmid (1815-1876) zu finden, ist bislang leider noch nicht gelungen.

 

Lithographie-Druckplatte „Comp. v. J. Goldschmid“
Lithographie-Druckplatte „Comp. v. J. Goldschmid“
Lithographie-Druckplatte „Comp. v. J. Goldschmid“
Lithographie-Druckplatte „Comp. v. J. Goldschmid“

Sonstige Instrumente

Neben den Aneroidbarometern hat Jakob Goldschmid (1815-1876) auch noch viele andere Instrumente erdacht, gefertigt und vertrieben. Diese sollen nachstehend aufgelistet werden. 

 

Barograph nach Jakob Goldschmid (1815-1876)

 

Sicherlich ein Instrument, dass durch seinen Aneroiddosensatz am nächsten verwandt ist mit den Aneroidbarometern, um die es sonst hier hauptsächlich geht.

 

Die nachstehende Abbildung finden wir in "The Meteorological Magazine" (Ausgabe 1297 vom August 1980, Vol. 109), herausgegeben vom Meteorological Office / Her Mayjesty´s Staionery Office.

 

Barograph von Jakob Goldschmid (1815-1876)

 

 

Eine weitere wunderschöne Aufnahme eines Barographen von Jakob Goldschmid (1815-1876) sehen wir hier.

 

Barograph von Jakob Goldschmid (1815-1876)

 

Doppel-Winkelspiegel nach Jakob Goldschmid (1815-1876)

 

In der Schweizerische Polytechnische Zeitschrift, Heft 1, Band 11 von 1866 wird der Doppelwinkelspiegel von Jakob Goldschmid (1815-1876) vorgestellt.

 

Goldschmid's Doppel-Winkelspiegel.

Von Prof. Wild, Strasseninspektor.

Taf. 1.   Fig. 1—3.

   Der von Hrn. Mechanikus Goldschmid in Zürich construirte neue Winkelspiegel ist in Fig. 1 im Aufriss, in Fig. 2 im Grundriss in natürlicher Grösse dargestellt. 

     Es ist dieses Instrument dem bekannten Prismenkreuz des Herrn Prof. Bauernfeind nachgebildet. Gleichsam an der verticalen Axe des Instrumentes sind 2 Spiegel a und b so befestigt, dass der eine über dem andern rechtwinklig steht. Sieht das Auge auf die beiden Spiegelflächen, so empfängt dasselbe vom untern Spiegel b reflektirtes Licht von der linken Seite und vom obern Spiegel a reflektirtes Licht von der rechten Seite, ähnlich wie bei den Ocularebenen des Prismenkreuzes, bei welchem die Hypothenusenflächen wie Spiegel wirken.

   Die theoretische Erklärung ist jedoch beim Winkelspiegel des Hrn. Mechan. Goldschmid etwas einfacher. Ist nämlich die Axe des als berichtigt vorausgesetzten Instrumentes in die Verbindungslinie zweier Punkte A B Fig. 3 gebracht, wobei der untere Spiegel dem Punkt A, der obere dem Punkt B und beide dem Auge O zugekehrt sein sollen, so wird letzteres B über A in der Axe des Instrumentes erblicken, so dass die zwei Bilder eine parallele Richtung haben oder, wie man zu sagen pflegt, sich decken.

     Denn nach physikal. Gesetz ist der Einfallswinkel seinem Reflexionswinkel gleich, demnach α = β und γ = δ. Da aber β + γ = 90°, so ist α + β + γ + δ = 180° und das Auge 0 sieht die reflektirten Punkte A und B in derselben Richtung O M.

     Sollte durch Drehung des Instrumentes α = β grösser oder kleiner werden, so wird γ = δ um ebenso viel kleiner oder grösser. Die beiden Reflektionswinkel β + γ bleiben daher = 90° oder die in's Auge gelangenden Bilder von A und B fallen in ihrer Richtung zusammen und scheinen sich gleichwohl zu decken.

     Denkt man sich dagegen α = β constant, γ aber kleiner als 90° - β, d.h. von einem Punkt B' gebildet, so sieht das Auge die Bilder von A und B' nicht übereinander in der Spiegelaxe, sondern in divergirender Richtung. Ebenso, wenn γ = δ grösser wäre , als 90° - β d. h. von einem Punkt B" gebildet würde. Im ersten Fall hätte das In­strument die Verbindungslinie A B' überschritten und man würde B' links von A sehen, im letzlern Fall umgekehrt ganz wie beim Prismenkreuz.

     Das Instrument kann als berichtigt angesehen werden, wenn die Spiegelflächen der Axe parallel und senkrecht zu einander stehen. Die Spiegel sind der Axe parallel, sofern die Bilder paralleler Linien sich nicht schneiden und sie stehen senkrecht zu einander, wenn das Instrument in die Verbindungslinie zweier Punkte A B gebracht, Deckung der Bilder zeigt. Herr Mechan. Goldschmid hat dafür gesorgt, dass die Parallelstellung der Spiegel zur Axe keiner Correktion bedarf; für die Senkrechtsteilung unter sich aber ist ein Korrektionsschräubchen c vorhanden. Wird dasselbe etwas gelüftet, so lässt sich der untere Spiegel soviel als nöthig längs des Halses des Schräubchens drehen.

    Um nun auch noch rechte Winkel messen zu können, hat Herr Mechan. Goldschmid einen ganz gewöhnlichen Winkelspiegel, aus zwei unter 45° zu einander gestellten Spiegeln d und e bestehend, über dem vorerwähnten Spiegelpaar angebracht, der keiner weitern Beschreibung bedarf, bekanntlich aber viel leichter zu handhaben ist, als die rechtwinklig gleichschenkligen Glasprismen des Prismen­kreuzes, bei denen das dunkle durch zweimalige Reflexion entstandene Bild benutzt werden muss , wenn bei einer Drehung des Instrumentchens die Richtung des reflektirten Bildes sich nicht mitbewegen soll. Der Vortheil, dass richtig geschliffene Glasprismen für die Bestimmung rechter Winkel gar keine Correktion erfordern, fällt gegen den berührten Uebelstand um so weniger in's Gewicht, weil die Berichtigung des gewöhnlichen Winkelspiegels keineswegs schwierig ist.

     Zur genauern Bezeichung des Standpunktes auf dem Boden findet sich im Etui des Instrumentchens, das nicht viel grösser als das Prismenkreuz ist, ein kleiner Senkel beigegeben, der sich an den Haken / des Handgriffes anhängen lässt.

 

Taf. 1. Fig. 1—3., Polytechnische Zeitschrift, Heft 1, Band 11 von 1866

 

In der Zeitschrift „Polytechnisches Centralblatt“, Leipzig, 32. Jahrgang, 10. Lieferung vom 15.05.1866 wurde die vorstehende Veröffentlichung ebenfalls mit gleichem Text und den gleichen Tafeln veröffentlicht.

 

Ein Doppel-Winkelspiegel ist ein sehr handliches kleines Vermessungsgerät. Um im Gelände schnell und einfach einen rechten Winkel bestimmen zu können, eignet sich der Winkelspiegel sehr gut. Das Prinzip des Winkelspiegels beruht darauf, dass zwei Spiegel welche im Winkel 45° zueinander stehen, einen Lichtstrahl im rechten Winkel reflektieren. Dabei spielt der Einfallswinkel des Lichtstrahls keine Rolle, durch die Spiegelstellung von 45° wird der Strahl immer in einem 90° Winkel zurück zum Auge des Betrachters geworfen. Somit kann man 2 Dinge gleichzeitig beobachten, die im 90 ° Winkel zueinander stehen. Für eine Vermessung ein großer Vorteil.

 

Messtisch nach J. Wild (1814-1894) gefertigt von Jakob Goldschmid (1815-1876)

 

Wild Johannes (1814-1894)

Professor Johannes Wild (1814-1894), ein bekannter Kartograf der Schweiz, Professor für Topographie und Geodäsie an der ETH Zürich, veröffentlichte in verschiedenen Zeitschriften seinen neuen von Jakob Goldschmid (1815-1876) gefertigten Messtisch.

 

Wir finden seine Veröffentlichung im „Polytechnisches Centralblatt“, Band 29, Leipzig 1863, „Schweizerische Polytechnische Zeitschrift“, Band 8, Heft 2 von 183 (nachstehend zitiert) aber auch in der „Zeitschrift für Praktische Baukunst“, 24. Jahrgang, Berlin 1864:

 

 

Eine neue Messtischkonstruktion.

Von Prof. Wild, Strassen- und Wasserbauinspector in Zürich.

Tafel 3.

 

    Wenn der durch seine geodätischen Arbeiten rühmlichst bekannte Herr General Bayer in seiner Denkschrift zur Begründung einer mittel-europäischen Gradmessung den Messtisch und die Kippregel einer unwissenschaftlichen Vergangenheit angehörend bezeichnet und allen denjenigen, die neue Vermessungen einzuleiten haben, oder Verbesserungen einzuführen beabsichtigen, die in dem kleinen Staate Schwarzburg-Sondershausen ausgeführten Arbeiten als das non plus ultra zur Richtschnur empfiehlt, indem dort bei der Katastervermessung soweit in's Detail hinuntertriangulirt werde, dass auf je 12—14 Morgen ein trigonometrischer Punkt komme, so dass die Flächeninhalte aller Feldabtheilungen (mit Ausnahme der Parzellen in denselben) trigonometrisch bestimmt werden, welche Vermessungsweise um mehr als 1/3 wohlfeiler sei als die Kettenmessung nach alter Art, so hat diess wohl nur die Meinung, dass jeder grössern Vermessung eine entsprechende Anzahl genau trigonometrisch bestimmter Punkte zu Grunde gelegt werden sollte.

    Auch in unserm kleinen Kanten Zürich ist man von dieser Ansicht ausgegangen, sowohl für die Aufnahme des Katasters, als auch für die Aufnahme der topographischen Terrainkarte. Denn für die Kataslervermessung gilt die Vorschrift, dass jedes Zeichnungsblatt von 16 Zoll Quadratseite mindestens zwei trigonometrisch bestimmte Punkte enthalten soll. Bei dem für stark parzellirten Grundbesitz vorgeschriebenen Maassstabe von 1:500 kommt demnach auf circa 288 Ares mindestens ein trigonometrischer Punkt Zu den topographischen Aufnahmen im Maassstabe von 1:25000 wurden auf die geographische Quadratmeile wenigstens 20 Punkte durch Triangulation bestimmt

    Für die Aufnahme des Details innerhalb der trigonometrischen Punkte dagegen ist bei uns die Anwendung der Kette und des Messtisches mit Kippregel gestattet, weil vielfache Erfahrungen gezeigt haben, dass besonders in unserm hügeligen Terrain die Bestimmung des Details mittelst graphischer Intersectionen ebenso genau sich ergiebt, wie mit den anderwärts beliebten Kreuzscheiben und Messlatten. Ueberdiess hat man gefunden, dass der auf dem Felde - Angesichts der darzustellenden Objekte - zeichnende Geometer bei einiger Uebung im Stande ist, den verlangten Plan schneller und fehlerfreier, gewissermassen naturgetreuer auszuführen, da er das Bild von jedem Standpunkte aus mittelst Alignements einer einfachen Controlle unterwerfen kann.

    Die Coordinaten-Methode gewährt zwar den Vortheil, einen Plan jederzeit aus den aufgenommenen Maassen in einem beliebigen Maassstabe zeichnen und die Flächeninhalte aus den bei der Messung gefundenen Zahlenwerthen berechnen zu könnend Bei einer Aufnahme mit dem Messtische dagagen erhält man die Zeichnung bloss in dem zu Grunde gelegten Maassstabe und die Flächenberechnung in der Regel bloss aus den Dimensionen der Zeichnung.

    Es kommt nun aber selten vor, dass bei Katastervermessungen Copieen in verschiedenen Maassstäben verlangt werden; dagegen will bei uns so zu sagen jeder Bauer die Flächenberechnung seihst verifiziren können und dieser Forderung leisten wir dadurch ein Gefüge, dass im Plane bei jeder Parzelle diejenigen Maasse beigeschrieben werden, welche die Faktoren zu einer möglichst einfachen Flächenberechnung bilden. Zur Erzielung einer grössern Genauigkeit werden aber die kleinern Faktoren, mit denen grössere Produkte gebildet werden, nicht vom Plane 'abgegriffen, sondern, ehe und bevor das Flächenverzeichniss angefertigt wird, auf dem Terrain gemessen und in den Plan geschrieben. Die in solcher Weise bestimmten Flächen sind leichter zu controlliren als die auf Coordinatennetze basirten und gelten bei uns als hinreichend genau. Natürlich ist Tür die Linienmaasse. aus denen die Flächen berechnet werden, eine Fehlergrenze festgesetzt.

    Bei der Aufnahme topographischer Terrainkarten leistet der Messtisch ganz besonders gute Dienste, weil hier des kleinen Maassstabes wegen' mit vollkommen genügender Genauigkeit das Fernrohr der Kippregel als Distanzmesser für die Horizontalprojection und der mit dem Fernrohr verbundene Verticalkreis zur Bestimmung der gegenseitigen Höhen der Detailpunkte angewendet werden darf, aus denen durch Interpolation auf dem Terrain selbst leicht die Linien ermittelt werden können, welche abgerundeten gleichen Höhen über dem Meer entsprechen und die Unebenheiten des Terrains bekanntlich am besten darstellen. Auch hier kann die homologe Lage der das Bild bestimmenden Detailpunkte von jedem Standpunkte aus mit dem wirklichen Bilde verglichen und etwaigen Mängeln sofort begegnet werden.

    Der Fachmann, welcher mit den verschiedenen Instrumenten und Aufnahmsmethoden zur Darstellung des Details in Katasterplänen und in topographischen Karten vollkommen vertraut ist und ihre Vortheile und Nachtheile praktisch kennen gelernt hat. wird daher die Nützlichkeit des Messtisches für diesen Zweck gewiss nicht in Abrede stellen und sicher nicht mit Geringschätzung das Bemühen lohnen, welches darauf gerichtet ist, zu der bereits grossen Zahl von Messtisch-Constructionen noch eine neue bekannt zu machen, die sich in mancher Beziehung als zweckmässig bewährt hat

    Es ist diess die Construction, welche schon vor einigen Jahren für die Instrumenten-Sammlung des schweizerischen Polytechnikums bestellt, von dem Mechaniker Goldschmid-Oeri in Zürich ausgeführt und unsers Wissens noch nirgends beschrieben wurde.

    Die Anforderungen, die bei der Construction eines Messtisches gewöhnlich als massgebend betrachet werden,

sind bekanntlich folgende:

    1) es soll das Tischbrett mit Leichtigkeit horizontal gestellt werden können;

    2) in dieser Lage soll das Tischbrett von freier Handsanft gedreht und dann festgestellt werden können;

    3) durch eine Mikrometerschraube soll noch eine feine Drehung möglich sein;

    4) der Tisch soll einen genügend festen Stand haben, um durch die auf dem Brett auszuführenden Mess- und Zeichnungsoperationen seine anfängliche Lage nicht zu verlieren;

    5) er soll möglichst leicht gebaut sein.

    Diesen Bedingungen wird häufig noch die weitere hinzugefügt, dass ein auf dem Tisch gezeichneter Punkt, mittelst einer Verschiebung des Brettes oder des Aufsatzes auf dem Stativ, genau lothrecht über den entsprechenden Terrainpunkt zu bringen sei.

    Die meisten Praktiker werden jedoch damit einverstanden sein, dass diese Verschiebung am ehesten entbehrt werden kann, da es bei einiger Uebung gar nicht schwierig ist durch successives  Auseinanderstellen der Stativfüsse die lothrechte Lage eines Punktes über dem entsprechen den Terrainpunkt zu erreichen. Wer indessen auf eine solche Verschiebung grossen Werth legt, kann sich, ohne das Stativ mit seinem Aufsatz zu compliciren, einfach dadurch helfen, dass er einen Metallring an'das Brett schrauben lässt, unter welchem eine der dreiangelförmigen Kopiplatte ähnliche Platte verschiebbar ist, jedoch nach geschehener Einlolhung des Tischpunktes mittelst Pressschrauben an die Kopfplatte festgeschraubt wird, so dass der Ring zwischen beiden Dreiangeln geklemmt und damit auch das Brett in der ihm gegebenen Stellung festgehalten ist.

    Die auf Taf. 3 abgebildete Construction - wovon Fig. 1 den Aufriss, Fig. 2 den Grundriss des Statives, Fig. 3 den Grundriss des Aufsatzes und Fig. 4 einen Schnitt nach Linie A-B der Fig. 3 darstellt, - erfüllt die erwähnten Bedingungen vollständig.

    Die Stativfüsse a lassen sich durch Flügelschrauben b mit dem leicht gebauten und dennoch grosse Festigkeit darbietenden messingenen Dreiangelstück c fest verbinden und erhalten in den davon ausgehenden Rippen d eine charnierähnliche Bewegung nach einer durch die lothrechte Axe des Instrumentes gedachten Ebene. Auf der Oberfläche dieser Rippen sind halbkugelförmige, in der durch das Centrum des Dreiangelstücks gehenden Richtung etwas erweiterte, Vertiefungen ausgedreht, in welche die kugelförmig abgedrehten Enden der Stellschrauben e des Aufsatzes gebracht und darum durch die am Dreiangelstück drehbaren Deckplatten f vollkommen festgehalten werden, wenn die Druckschrauben g angezogen sind.

    Gleichwohl ist alsdann noch eine sanfte Drehung der Stellschrauben des Dreifusses möglich, indem durch stärkeres oder schwächeres Anziehen der Druckschrauben die Friktion der Kugelbewegungen regulirt werden kann, ohne dass die feste Verbindung mit dem Stativ aufgehoben wird.

    Diese neue Vorrichtung gestattet nun ein einfaches Abnehmen des Aufsatzes vom Stativ und eine besondere Verpackung desselben beim Transport, die geeignet ist, den Aufsatz vor Beschädigungen zu schützen. Ueberdies wird die Horizontalstellung des Tisches durch drei Schrauben bewerkstelligt, die immer mit dem Stativ in einer hinreichend festen Verbindung bleiben und es fällt daher der Uebelstand weg, dass mit dem Anziehen der bei vielen Instrumenten vorkommenden Centralschraube nicht selten die Horizontalität wieder verloren geht. Auch riskirt man nicht eine Lockerung der Verbindung oder eine nachtheilige Pressung, wie diess bei den Instrumenten mit Nuss und vier Stellschrauben häufig geschieht, wo eine Stellschraube nur hinauf geschraubt werden kann, wenn die diametrale Stellschraube zugleich um ebenso viel hinunter geschraubt wird.

    Zur Regulirung der Bewegung der Stellschrauben sind übrigens die Arme des Dreifusses h federnd aufgeschlitzt und durch Presschräubchen i können die' Muttern mehr oder weniger fest mit den Schraubengängen in Contact gebracht werden.

    An den Dreifuss ist das Hülsenstück j befestigt, in welchem der konisch abgedrehte Zapfen k durch die Schraubenmutter l so festgehalten ist, dass er nicht herausgehoben werden kann und doch eine sanfte Drehung desselben möglich ist. Oben am Zapfen ist der Dreiangel in befestigt, auf welchen ein vollkommen ähnlicher n passt, der am Brett x festgeschraubt wird. Durch drei Pressschrauben o erhält der Dreiangel des Brettes seine Verbindung mit demjenigen des Stativkopfes.

    Den obern Theil des Hülsenstücks umgibt ein Stellring p, der mittelst einer durch eine Verstärkung desselben hindurchgehenden Presschraube q an das Hülsenstück oder die Säule des Dreifusses festgepresst werden kann. Der Stellring hat der Pressschraube gegenüber einen vorspringenden Arm r und eine seitwärts befestigte ebenso lange starke Metallfeder s, welche, beide unter das am Dreiangel m angeschraubte Gabelstück I reichen. Auf der einen Backe dieses Gabelstückes ist eine federnde Hülse angebracht, in welcher eine Mikrometerschraube u drehbar ist, die gegen den Arm und die an die andere Backe der Gabel sich anlehnende Metallfeder des Stellrings wirkt und somit, wenn dieser an der Säule des Dreifusses festgepresst ist, eine sanfte Drehung des Gabelstückes und mit diesem des am Dreiangel befestigten Tischbrettes um den Verticalzapfen gestattet.

    Nach diesen Andeutungen wird man leicht beurtheilen, in wiefern die neue Messtischkonstruktion den allgemeinen Bedingungen entspricht, und wodurch sich dieselbe vor vielen andern unterscheidet und es bedarf kaum der Erwähnung, dass auf den Dreiangel m statt des Tischbrettes x auch ein Nivellirfernrohr aufgeschraubt werden kann, mithin dieses Stativ sich zugleich für ein Nivellirinstrument verwenden lässt.

 

Messtisch nach Prof. J. Wild (1814-1894) gefertigt von Jakob Goldschmid (1815-1876)

Instrumente für die Garn- und Wollindustrie

 

Von Jakob Goldschmid (1815-1876) in Zürich ist ebenfalls noch ein sehr schönes Instrument, ein s.g. Feder-Dynamometer, aus seiner Werkstätte erhalten geblieben, der im Juni 2017 in die Sammlung aufgenommen werden konnte.

 

J. Goldschmid's Instrument zum Messen der Stärke und Elasticität von Baumwollgarn
J. Goldschmid's Instrument zum Messen der Stärke und Elasticität von Baumwollgarn
J. Goldschmid's Instrument zum Messen der Stärke und Elasticität von Baumwollgarn
J. Goldschmid's Instrument zum Messen der Stärke und Elasticität von Baumwollgarn
J. Goldschmid's Instrument zum Messen der Stärke und Elasticität von Baumwollgarn
J. Goldschmid's Instrument zum Messen der Stärke und Elasticität von Baumwollgarn
J. Goldschmid's Instrument zum Messen der Stärke und Elasticität von Baumwollgarn
J. Goldschmid's Instrument zum Messen der Stärke und Elasticität von Baumwollgarn

 

In geschlossenem Zustand hat der Holzkasten die Abmessungen 43 x 6,5 x 6,5cm (L x B x H), im geöffnetem Zustand misst das Instrument 70 x 11 x 6,5cm.

 

Erstmals vorgestellt wurde das Instrument nahezu gleichzeitig in der „Schweizerische Polytechnische Zeitschrift, Band 12, Jahrgang 1867, Heft 2“ und mit gleichem Text und Abbildungen in dem „Polytechnisches Journal, Vierte Reihe, 35. Jahrgang, 1867“.

 

J. Goldschmid's Instrument zum Messen der Stärke und Elasticität von Baumwollgarn, Rohseide, Nähseide und Nähfaden.

 

Beschrieben von Prof. J, H. Kronauer.

Taf. 8. Fig. 1 und 2. *)

 

     Immer fühlbarer macht sich das Bedürfniss, die Stärke und Elasticität der Garne etc. genau bestimmen zu können. Es mangelt nicht an Apparaten von einfacher und complicirter Construction, mittelst denen man diesem Zwecke zu genügen sucht. Kaum aber dürfte eine der bisher bekannten den Anforderungen besser entsprechen und sich zugleich durch seine Einfachheit und leichte Handhabung in höherem Grade empfehlen, als der vorliegende, für dessen Zweckmässigkeit uns sehr günstige Zeugnisse von Solchen vorliegen, weiche sich dieses Instrumentes seit

einiger Zeit mit Vortheil bedienen.

     Als Hauptbedingung für die praktische Anwendbarkeit eines solchen Instrumentes kann - abgesehen von dessen Genauigkeit und Solidität - angeführt werden, dass mittelst desselben eine Reihe von Versuchen rasch nach einander auch von ungeübter Hand angestellt werden können, ein Umstand, der bis jetzt bei solchen Apparaten wohl nicht immer gehörig berücksichtigt worden ist. Nach Erfahrungen von Sachkundigen bedarf es, je nach Qualität des Fabrikates, zur Erzielung eines zuverlässigen Resultates für Baumwollgarne und Rohseide 100 bis 150 Versuche, für Nähfaden, Nähseide etc. dagegen nur 20 bis 30. – Mit dem vorliegenden Apparate können circa 250 bis 300 Versuche per Stunde mit gehöriger Genauigkeit ausgeführt werden, wobei indessen eine zweite Person die gefundenen Resultate zu notiren hat.

     Um die Aufzeichnungen deutlich und übersichtlich darzustellen, liefert der Verfertiger des Instrumentes zweckmässig eingerichtete Formulare, von welchen wir als Beispiel ein Bruchstück hier folgen lassen. Es enthält dasselbe die Beobachtungsresultate über Stärke und Elasticität zweier Sorten Baumwollgarne von gleicher Feinheitsnummer, aber ungleicher Qualität.

 

* Zu interessanten Ergebnissen führen auch vergleichende Versuche der Stärke etc. von gefärbten und ungefärbten Fabrikaten.

 

     Der betreffende Messapparat wird in zwei Arten ausgeführt: Der einen, etwas wohlfeilem, dient das hölzerne Kästchen, in weichem das Instrument aufbewahrt wird, zugleich als Gestelle. Es ist dasselbe in Fig. 1 dargestellt, wie er zum Gebrauche hergerichtet werden muss. Hierbei bezeichnet A das Kästchen, B den Schieberdeckel desselben. Der Apparat selbst ist an der innern Seite des Deckels befestigt, und es wird der letztere bei der Aufstellung ausgezogen, umgewendet und bis auf eine gewisse Tiefe in das aufrecht gestellte und mittelst der Klammer C an den Rand eines Tisches D befestigte Kästchen A eingeschoben. Bei dem eigentlichen Apparate sind zwei Haupttheile zu unterscheiden: Der obere E zur Bestimmung der Stärke des Fadens dienend, und der untere F zur Ermittlung der Elasticität. Das metallene Gehäuse E enthält eine Schraubenfeder, an deren oberes Ende die abwärtsgehende Stange a befestigt ist. Die Hülse E ist der Länge nach aufgeschlitzt und trägt vor dieser Spalte eine dünne Leitstange b, an welcher sich die beiden Zeiger c und d verschieben lassen und zugleich auf eine an der Hülse vorhandene Skala weisen. Der obere Zeiger c ist mit dem obern Ende der Stange a verbunden und soll immer auf dem Nullpunkte der Skala stehen, wenn jene nicht angezogen wird. Zum genauen Einsteilen des Zeigers dient übrigens die unterhalb der Hülse angebrachte Schraubenmutter h. Der untere d dagegen lässt sich frei an dem Stäbchen b verschieben, ohne von selbst daran hinunterzugleiten. An der Stange a befinden sich ferner die Rolle e, die beiden Leitrollen f und die zur Bestimmung der Elasticität dienende Rolle F mit kreisförmiger Skala und Zeiger.

      Beim Gebrauche des Apparates muss vorerst der Zeiger d bis zur Berührung mit c hinaufgeschoben und ebenso der Zeiger der Scheibe F auf Null gestellt werden. Dann wird der zu prüfende Faden G über die Rolle e gelegt, dessen beide Enden mit der rechten Hand zusammengefasst und mit dem Daumen der linken Hand zwischen die Leitrollen f und die Scheibe F hineingeschoben. Die Stellung der letztern ist so geordnet, dass sie sich auch bei der geringsten Bewegung des Fadens durch dessen Reibung dreht, und zwar genau um die Strecke, um welche sich jener vorwärts bewegt hat. Der Faden G wird nunmehr gleichmässig nach unten gezogen, bis er bricht. Die dadurch frei gewordene Stange a steigt mit dem Zeiger c in Folge der auf sie wirkenden Federkraft wieder in die Höhe, lässt aber den Zeiger d auf dem Punkte der Skala stehen, bis zu welchem derselbe während des Zuges am Faden hinuntergedrückt worden ist, und jener zeigt nun auf der Skala die Anzahl Gramme an, welche zum Zerreissen des Fadens erforderlich gewesen sind. Weil aber der Faden doppelt genommen wurde, so gilt nur die Hälfte jener Zahl. Stünde z. B. nach dem Abreissen des Fadens der Zeiger d auf der Zahl 300, so würde die Tragkraft des geprüften Fadens 150 Gramme ausmachen. Gleichzeitig ist aber auch die Elasticität gemessen und durch den Zeiger auf der Scheibe F angezeigt, an deren Scala jeder Theil die Länge von 1 Millimeter repräsentirt. Die Länge des einfachen Fadens zwischen den beiden Rollen e und F beträgt genau 250 Millimeter.

      Die Gründe, welche die Anwendung einer Fadenschleife, statt eines einfachen Fadens, bei der Prüfung als zweckmässig erscheinen lassen, sind folgende: 1) lässt sich auf diese Weise der Faden am einfachsten und schnellsten mit dem Apparate verbinden; 2) prüft man dabei eine Fadenlänge von 500 Millimeter, bei sehr reduzirter Längendimension des Apparates.

Da die Einrichtung dieses Instrumentes auf dem Prinzip der Federwage beruht, so lässt sich dasselbe eben so gut zum Abwägen leichter Gegenstände benutzen, zu welchem Zwecke das untere Ende der Stange a mit einem Hacken versehen* ist.

     Die Apparate zur Prüfung von Baumwollgarnen und Rohseide bedürfen einer Tragkraft von höchstens 1 Kilogramm, diejenigen für Nähfaden und Nähseide einer solchen von höchstens 10 Kilogramm. Bei letztern Materialien wäre indessen das Zerreissen von Hand etwas beschwerlich, wesshalb die hierzu dienenden Apparate der zweiten Art (Fig. 2) mit einer Zugrolle und Kurbel H versehen werden. Man schlingt die Enden des Fadens einige Male um die Rolle herum, wobei er sich in die scharf eingeschnittene Rinne derselben einklemmt und dadurch am Gleiten verändert wird. Auch erhalten diese Apparate ein festeres, aus einer eisernen Stange A´ bestehendes Gestelle.

     Die Preise, zu welchen die Apparate von Herrn J. Goldschmid, Mechanikus in Zürich, angefertigt werden, sind für

Apparate mit Holzkastengestelle (Fig. 1)           .           .           Fr.  66.--

        “        “   Eisengestelle und Kurbel (Fig. 2) .           .           »    76.--

100 gedruckte Formulare zum Aufschreiben der

                 Beobachtungen            .           .           .           .     »     4.05

 

Taf. 8. Fig. 1 und 2. (auszugsweise) aus Schweizerische Polytechnische Zeitschrift, 1867

 

Beim Vergleich des vorstehenden Textes mit dem erhaltenen Originalinstrument von Jakob Goldschmid (1815-1876) aus Zürich fällt auf, dass das Instrument von der vorstehenden Beschreibung abweicht. Die Anordnung des Hauptteils F zur Ermittlung der Elastizität ist nach unten zur Befestigungsklammer C gewandert. Dies lässt darauf schließen, dass es sich bei dem erhaltenen Instrument um eine verbesserte, spätere Ausführung handeln dürfte. Vermutlich war die Anbringung des Hauptteils F an dem beweglichen Schieberdeckel B doch nicht ausreichend stabil genug zu realisieren, so dass eine Anbringung an der Tischklammer C später für sinnvoller erachtet worden sein dürfte.

 

Bei genauer Betrachtung vorstehender Abbildung aus den Veröffentlichungen kann man auch erkennen, dass es wohl neben der Version in der praktischen Transport-holzbox und der auf dem Eisengestell mit Kurbel auch zwei Varianten des Instruments in Bezug auf die Bestimmung der Fadenstärke mit Skalen von in 0-500 Gramm oder 0-10 Kilogramm gegeben hat.

 

Das erhaltene Instrument für die Garn- und Wollindustrie wurde ursprünglich von dem erfolgreichen Besitzer einer Garnhandlung in Gais im Kanton Appenzell Ausserrhoden, Daniel Hofstetter-Kern (1828-1910), erworben. Nach dessen Tod 1910 ging das Instrument an seinen Sohn, Daniel Hofstetter-Willi (1857-1937), über, der im Jahre 1882 in die florierende Baumwollhandlung eingetreten war, und sie noch bis ins Jahr 1917 erfolgreich weiterführte.

 

Daniel Hofstetter-Kern (1828-1910)
Daniel Hofstetter-Willi (1857-1937)
Daniel Hofstetter-Willi´s Büro und Baumwollhandlung befand sich in einem Bereich der Stallungen, hinter den drei größeren Fenstern rechts

 

Beide - Vater und Sohn Daniel Hofstetter - waren nebenberuflich und teilweise sogar hauptamtlich sehr engagierte Politiker auf Gemeinde-, Kantonal- und auch Bundesebene und unterhielten nebenbei auch noch eine Milchviehwirtschaft in Gais. Ein recht umfangreicher Nachruf auf Daniel Hofstetter-Willi (1857-1937) wurde im 65. Band der Appenzellischen Jahrbücher von 1938 veröffentlicht.

 

Ein besonderer Dank gebührt der Gattin des Enkels des Daniel Hofstetter-Willi (1857-1937), Frau Elisabeth Hofstetter aus Gais. Frau Hofstetter hat das von Jakob Goldschmid (1815-1876) vermutlich um 1870 gefertigte Instrument - 100 Jahre nachdem der großväterliche Betrieb geschlossen wurde - wiedererweckt, und konnte sich dankenswerter Weise dazu entschließen, es abzugeben.

 

Von dem vorstehend beschriebenen Instrument ist derzeit nur noch ein weiteres, erhaltenes Exemplar in der Ausführung mit 0-500 Gramm Skala und dem Eisengestell in einer privaten Schweizer Sammlung bekannt. Leider ist dieses Exemplar aber unvollständig. Es fehlen das Eisengestell und die Befesti-gungsklammer mit der Handkurbel.

 

Somit ist das eingangs gezeigte Exemplar, nach heutigem Kenntnisstand, das einzige erhaltene, vollständige Instrument dieser Konstruktion.

 

Der Feder-Dynamometer von Jakob Goldschmid (1815-1876) wird neben einigen anderen, teils auch wesentlich aufwendigeren Konstruktionen auch in dem Buch „Mechanisch- und Physikalisch-technische Textil-Untersuchungen. Mit besonderer Berücksichtigung amtlicher Prüfverfahren und Lieferungs-bedingungen. sowie des Deutschen Zolltarifs.“ Von Dr. Paul Heermann, Berlin, in der ersten Auflage erschienen 1912, im Kapitel „Festigkeitsprüfer oder Dynamometer“ besprochen.

 

Auf Seite 176 lesen wir:

Fig. 96 Feder-Dynamometer nach Goldschmidt

...

Von den vielen im Handel befindlichen Festigkeitsprüfern seien nachstehend einige hervorgehoben, die sich u. a. im In- und Auslande eingeführt haben. Mit der nachfolgenden Aufzählung von Apparaten wird keineswegs Anspruch auf Vollständigkeit erhoben. Es wird auch auf die am Schluss des Buches befindliche Liste der wichtigsten Firmen verwiesen. welche Festigkeitsprüfer und andere Apparate für textiltechnische Prüfungen auf den Markt bringen.

     1. In der Konstruktion die einfachsten und leichtesten, im Preise die billigsten, aber auch die weniger leistungsfähigen und auf die Dauer weniger zuverlässigen Festigkeitsprüfer sind die nachstehend abgebildeten Taschenkraftmesser, zylindrische Garnstärkemesser und Feder-Dynamometer.

...    

     Der Feder-Dynamometer nach Goldschmidt wird durch Fig. 96 erläutert. Er wird mit Teilungen bis zu 250 g, 500 g, 1, 2 oder 3 kg und mit Maximalzeiger versehen. Der Aufbewahrungskasten dient zugleich als Stativ. Der zu prüfende Faden wird mit dem Daumen auf den Tisch gedrückt, dann durch den Haken gelegt und mit der anderen Hand das Ende so lange angezogen; bis der Faden reißt. Der Stand des Maximalzeigers gibt das Gewicht an, welches nötig war, den Faden zu zerreißen. Der Dehnungsmesser wird an den Tisch geklemmt, um die Rolle herum wird ein Faden gelegt und das eine Ende festgehalten; hierauf zieht man das andere Ende so lange an, bis der Faden reißt. Der Stand des Zeigers gibt die Dehnung in Millimetern an.

...

In dem gleichen Buch und auch Kapitel finden wir dann aber auch noch den Kontinuierlichen Garn-Festigkeits- und Dehnungsmesser nach Th. Usteri-Reinacher (1841-1918)

 

Es ist deutlich zu sehen, dass dieser von seiner Messeinrichtung her die gleiche Federskala verwendet, wie der Feder-Dynanomenter von Jakob Goldschmid (1815-1876).

 

Kontinuierlicher Garn- Festigkeits- und Dehnungsmesser nach Th. Usteri-Reinacher

 

     Der Apparat zeigt kontinuierlich die Stärke und Dehnung eines Garnes an und wird von einer Transmission in Betrieb gesetzt, so daß es möglich ist, in kurzer Zeit große Längen Garnes zu prüfen. Die in der Minute abgewickelte Garnlänge betragt etwa 15m (s. Fig. 110).

     Das konische Walzenpaar A und das zylindrische Walzenpaar B, deren untere Walzen durch Zahnräder miteinander im Eingriffe stehen, werden von der Riemenscheibe P aus angetrieben (Tourenzahl etwa 120 in der Minute). Die oberen, mit Gummi oder Leder überzogenen Pressionswalzen haben den Zweck, auch während des Ganges des Apparates den Faden genügend festzuhalten, damit ein Gleiten desselben zwischen den Walzen nicht stattfinden kann. Das konische Walzenpaar A hat verschiedene und zwar kleinere Durchmesser als das zylindrische Paar B. Ferner ist von den konischen Walzen A ein Fadenleiter F mittels einer Schraube hin und her verschiebbar, dessen jeweilige Lage auf einem mit Skala versehenen Stabe abgelesen werden kann. Zwischen den beiden. Walzenpaaren A und B in der Höhe ist ferner eine Federwage S aufgehängt, die die Bruchlast angibt. Endlich ist der Apparat mit einer selbsttätigen Abstellung versehen, welche den Riemen auf die Leerscheibe schiebt, wenn der Faden reißt.

Fig. 110 Kontinuierlicher Garnfestigkeitsprüfer (Usteri-Reinacher)

 

     Das zu prüfende Garn wird von der Bobine durch den Faden­leiter L in das konische Walzenpaar A eingeführt, über die Feder­wage S und durch das zweite zylindrische Walzenpaar B geleitet und wickelt sich beim Verlassen des letzteren auf einer Plüschwalze auf. Weil aber das konische Walzenpaar A kleinere Durchmesser hat als das zylindrische B, so wird das letztere eine größere Garnlänge abwickeln, als durch das erstere dem Apparat zugeführt wird, d. h, der Faden wird zwischen den beiden Walzenpaaren A und B ausgedehnt. Diese Ausdehnung ist eine verschiedene, je nach der Stelle, an welcher der Faden in die konischen Walzen eingeführt wird, und wird durch den Fadenleiter L auf der Skala in Prozenten der von der Bobine abgewickelten Garnlänge angegeben. Dadurch, daß ferner der Faden zwischen den Walzen A und B über die Federwage S geführt ist, kann auf letzterer gleichzeitig der auf den Faden ausgeübte Zug beobachtet werden.

     Der Apparat ermöglicht, die Grenze der Spannung schnell zu ermitteln, welche rasch abgewickeltes Garn erleiden kann ohne zu reißen. Jede schwache Stelle des Games wird sofort durch Fadenbruch und Abstellen des Apparates angezeigt. Der Verbraucher ist auf solche Weise in der Lage, schnell zu beurteilen, ob sein Garn die nötige Bruchlast hat und ob das Garn gleichmäßig ist.

 

In der 2. Auflage des vorgenannten Buches „Mechanisch- und Physikalisch - technische Textil -Untersuchungen“ von Dr. Paul Heermann, erschienen 1923 lesen wir auf Seite 185 im überarbeiteten Kapitel die folgende Fußnote:

 

1) Veraltete, technologisch unrichtige Festigkeitsprüfer sind in dieser Neuauflage nicht mehr aufgenommen, z. B. der Taschenkraftmesser von Guggenheim, die Federdynamometer nach Goldschmidt und Riehle, der Dynamometer mit Laufgewicht nach Schoch, der kontinuierliche Garnfestigkeitsprüfer von Usteri-Reinacher, der Dynamometer von Perreaux u. a. m. (s. 1. Auflage).

 

Leider erfahren wir aus der Fußnote nicht, ob es sich bei den Feder-Dynamometern von Goldschmid und Usteri-Reinacher in die Kategorie der veralteten, oder technologisch unrichtigen Festigkeitsprüfer fallen.

In den gleichen, vorstehend genannten Veröffentlichungen, der „Schweizerische Polytechnische Zeitschrift“ und dem „Polytechnisches Journal“ von 1867 wird ebenfalls noch ein neuer von Jakob Goldschmid (1815-1876) entwickelter Apparat für die Garn- und Wollindustrie beschrieben.

 

Apparat zur Bestimmung der Spindelgeschwindigkeit

bei Spinnmaschinen und Spindelbänken.

Taf. 8. Fig. 3 und 4. *)

 

     Diese einfache Vorrichtung verdient alle Aufmerksamkeit von Seite der Spinnereibesitzer, indem derselbe dazu dient, zu jeder beliebigen Zeit die Anzahl der Umdrehungen der Spindeln an Spinnereimaschinen zu zählen und dadurch nicht nur die Berechnungen der Spinnmeister zu controliren, sondern auch die Abweichungen anzugeben, welche zwischen der berechneten und der effektiven Spindel-geschwindigkeit stattfinden und die ihre Ursache in dem bei Schnurtrieben immer vorkommenden Gleiten der Schnüre auf den Rollen haben.

     Der kleine Apparat ist aus einer Hülse a, in deren Mitte sich eine Schraube ohne Ende befindet, aus der am Rande gezahnten Scheibe b und dem rechtwinklig gebogenen, um zwei Zäpfchen c drehbaren Hebel d zusammengesetzt, welcher letztere die Scheibe b trägt. An diesem Hebel ist ein Zeiger e und an der Axe der Scheibe ein solcher f angebracht.

     Zur Untersuchung der Spindelgeschwindigkeit bei einer Mulemaschine wird diese nach erfolgtem Wagenauszuge abgestellt, die Bobine von einer Spindel g abgenommen und das Instrument durch Aufstecken der Hülse a auf jener angebracht (Fig. 3), nachdem vorerst die beiden Zeiger e und f auf den Nullpunkt der auf der Vorderseite der Scheibe b befindlichen Kreistheilung gestellt worden sind. Hierauf setzt man die Maschine wieder in Gang, geht mit dem Wagen - den Apparat leicht mit der Hand haltend - zurück und löst nach vollendetem Wagenauszuge und Nachzwirn durch einen leichten senkrechten Druck auf den Hebel d das Rädchen b aus seinem Eingriff mit der Schraube ohne Ende, worauf an der Scheibe die Anzahl der Spindelumgänge abgelesen werden kann. Die Theilung beim innern Zeiger f gibt die Hunderte, diejenige am äussern Zeiger e die Einer der Umgänge an, so dass bei der in der Zeichnung angenommenen Zeigerstellung 9575 Umgänge abzulesen wären.

     Zum Aufstecken des Apparates auf die mit Flügeln versehenen Spindeln der Watermaschinen und Spindelbänke bedient man sich einer mit Klemmschrauben versehenen Hülse h (Fig. 4), welche auf den Flügelkopf befestigt wird, und schiebt den Apparat auf den Zapfen i derselben.

      Diese nach einem englischen Muster vereinfachte Vorrichtung wird von Herrn Mechaniker J. Goldschmid in Zürich zum Preise von Fr. 20.-- geliefert.

 

Taf. 8. Fig. 3 und 4. (auszugsweise) aus Schweizerische Polytechnische Zeitschrift, 1867

 

*) Anmerkung: Die Nummerierungen der Tafeln und Figuren weichen in beiden Veröffentlichungen voneinander ab. Hier wurden die Tafeln, Nummerierungen der Figuren der „Schweizerische Polytechnische Zeitschrift“ aufgeführt. Die eigentlichen Beschriftungen der Bestandteile der Figuren sind in beiden Veröffent-lichungen aber gleich.

 

Von den vorstehend erwähnten Klemmschauben (Fig. 4) für den beschriebenen Apparat zur Bestimmung der Spindelgeschwindigkeit von 1867 sind einige Exemplare erhalten geblieben.

 

Diese konnten beim einem Besuch in Hirzel zusammen mit anderen Hinterlassenschaften des Herrn Hans Mettler im Juli 2016 von Willi Senn aus Au bei Zürich übernommen und anschließend, soweit es noch möglich war wieder gereinigt werden.

 

Mit Klemmschrauben versehenen Hülsen für Watermaschinen und Spindelbänke

 

Die Anordnung der Klemmschrauben unterscheidet sich leicht von der vorstehenden Abbildung in den Veröffentlichungen, und sind vermutlich ebenfalls nach 1867 verfertigt worden. Sie sind, bis auf die eigentlichen Gewindestangen der Klemmschrauben, aus Messing gefertigt. Leider hat der Zahn der Zeit und die jahrelange Lagerung fast alle Gewindestangen festkorrodieren lassen. Aber dennoch handelt es sich um ein paar schöne Stücke der Technikgeschichte. 

 

In der Zeitschrift „Polytechnisches Centralblatt“, Leipzig, 33. Jahrgang, 18. Lieferung vom 15.09.1867 werden die beiden vorstehenden Veröffentlichungen ebenfalls mit gleichem Text und den gleichen Tafeln veröffentlicht.

 

In der Ausgabe Nr. 44 vom 31.10.1867 der „Deutsche Industrie-Zeitung“ wird der gleiche Apparat unter dem Titel „Instrument zum Messen der Stärke und Elastizität von Garnen u.“ vorgestellt. Bei den Abbildungen wird allerdings nur der Garnprüfapparat im Holzkasten gezeigt.

 

Auch im Jahrgang 1867 des „Polytechnischen Journals“ von Dr. Emil Maximilian Dingler, werden die beiden Instrumente unter dem Titel „Apparat zur Bestimmung der Spindelgeschwindigkeit bei Spinnmaschinen und Spindelbänken“ und „J. Goldschmid´s Instrument zum Messen der Stärke und Elastizität von Baumwollgarn, Rohseide und Nähfäden; beschrieben von Prof. J.H. Kronauer“ vorgestellt. Gezeigt werden auch hier beide Ausführungen.

 

 

Datumspresse für Eisenbahnfahrkarten nach Jakob Goldschmid (1815-1876)

 

In der Schweizerische Polytechnische Zeitschrift, Heft 2, Band 9 von 1864 wird die Datumspresse von Jakob Goldschmid (1815-1876) vorgestellt. Leider gibt es davon leider noch keine Abbildung.

 

Goldschmid's neue Datumpresse mit Typendruck für

Eisenbahnbillets.

 

   Die häufig zur Reparatur erhaltenen Billet-Datumpressen mit Schwärzebändern (System Edmondson), sowie die oft entgegengenommenen Aeusserungen von Eisenbahnbeamteten, dass keines der zur Zeit bestehenden Systeme von Datumpressen den Bedürfnissen in allen Theilen genügend entspreche, haben Herrn J. Goldschmid, Mechaniker in Zürich, veranlasst, eine Datumpresse zu construiren, welche die an andern Pressen dieser Art gerügten Mängel beseitigen sollte.

   Die Edmondson'schen Datumpressen haben bekanntlich den wesentlichen Nachtheil, dass durch die sich immer wiederholende Erneuerung und Anschaffung der kostspieligen Schwärzebänder und der Druckerschwärze, sowie durch die öfter nothwendigen Reparaturen diese Apparate sehr hoch zu stehen kommen, und dass dieselben, wenn sie nicht in allen Beziehungen sorgfältig behandelt werden, ganz mangelhafte Abdrücke liefern oder dienstuntauglich werden.

   Ein anderes, namentlich in Frankreich verbreitetes Pressensystem mit Typendruck beseitigt zwar die oben erwähnten Uebelstände; allein diese Apparate sind zu schwer gebaut und verlangen eine zu grosse Hebelbewegung beim Stempeln, was einer raschen Billet-Abfertigung hindernd entgegenwirkt; auch ist die Grösse der Schrift, welche mehr oder weniger von der Construktion dieses Pressenapparates bedingt ist, zu klein und daher nicht deutlich genug.

   Das System des trocknen Typendruckes, als das bessere, beibehaltend, hat Herr Goldschmid eine Presse construirt, welche mit Vermeidung der oben erwähnten Uebelstände allen Anforderungen entsprechen dürfte. Die Presse wird auf ein Brett festgeschraubt; sie besteht aus einem Gehäuse von blos 18 Centimeter Höhe, in welchem sich der Schriftkasten etc. befindet. Eine Platte an der Vorderseite des Gehäuses, die leicht weggenommen werden kann, verschliesst den innern Mechanismus der Presse, zu welchem die Billete durch die eine Spalte behufs des Abstempeins eingeschoben werden. Die Hubhöhe des Druckhebels wird durch eine Schraube regulirt. Der Mechanismus ist ebenso einfach als solid, und stellt keine Reparaturkosten in Aussicht. Die Manipulation geht mit äusserster Leichtigkeit und Schnelligkeit von Statten und es haben vergleichende Versuche mit andern Apparaten in dieser Hinsicht die Superiorität dieser Presse constatirt. Die Lettern haben eine Höhe von 3 ½ Millimeter und werden durch einen kurzen Druck mit der Handballe auf den Druckhebel mit vollkommener Schärfe und Deutlichkeit in das Billet eingepresst.

   Z e u g n i s s. Hiemit wird bezeugt, dass die von Herrn J. Goldschmid, Mechaniker in Zürich, construirte neue Billet-Datumpresse mit Typendruck bei unserer Station Zürich während längerer Zeit zur Probe in Gebrauch genommen wurde und hiebei in jeder Beziehung so vollkommen befriedigende Resultate lieferte, dass sie den resp. Eisenbahnverwaltungen bestens empfohlen werden kann. Unsere Verwaltung selbst hat sich bewogen gefunden, für die im kommenden Frühjahr zu eröffnende Bahnstrecke Zürich-Zug-Luzern die Goldschmid´schen Pressen anzuschaffen.

Zürich, im Februar 1864.

                                                                                                                                                                              A. Baldin,

                                                                                                                                                                       Betriebs-Controleur

                                                                                                                                                      der Schweiz. Nordostbahn-Gesellschaft.

 

In der Zeitschrift „Polytechnisches Centralblatt“, Leipzig, 30. Jahrgang, 11. Lieferung vom 01.06.1864 erschien die vorstehende Veröffentlichung ebenfalls mit gleichem Text.

 

Diastimeter von Jakob Goldschmid (1815-1876)

 

Ein Diastimeter ist ein sehr einfaches Vermessungsgerät, dass es erlaubt Entfernungen mit Hilfe von in ein Teleskopfernrohr eingearbeiteten Distanzmessfäden zu ermitteln. Bereits im Jahre 1810 hatte der Erfinder und Ingenieur Georg von Reichenbach (1771-1826) diese nach ihm benannten Distanzfäden entwickelt, und sie finden sich noch heute in den Teleskopen von Vermessungsinstrumenten.

 

Ursprünglich erfunden sein dürfte das Instrument mit dem Namen Diastimeter wohl von Dr. Elard Romershausen (1784-1857), ev. Pfarrer und Erfinder aus Niederurff im Schwalm-Eder-Kreis.

Fig. 1 aus Elard Rommershausen´s Buch von 1818

Dr. Elard Romershausen (1784-1857) stellte 1817 sein Buch „Der Diastimeter. Oder Beschreibung eines neuen Instruments, welches in der Form eines Taschenfernrohrs, alle Entfernungen aus einem einzigen Standpunkte auf eine leichte und sichere Art mißt, indem es die trigonometrische Rechnung sogleich selber ausführt und die Resultate augenblicklich vorlegt. Für alle Arten von Messungen, vorzüglich aber für den militairischen Gebrauch im Felde und bei Aufnahmen nach dem Augenmaaß geeignet.“ vor und veröffentlichte 1818 ein weiteres Buch: „Der Diastimeter fuer das praktische Forstwesen, oder Beschreibung eines neuen in den Koen. Preuß. Staaten patentirten Instrumentes, welches alle im Laufe dieses Geschaeftes vorkommenden Messungen mit Leichtigkeit und Sicherheit ausfuehrt, ohne weitere mathematische Kenntnisse, als die Anfangsgruende der Rechenkunst vorauszusetzen.“.

 

Wenngleich Dr. Elard Rommershausen (1784-1857) in seinem Werken auch andere vermessungs-technische Anwendungsgebiete für sein Diastimeter beschreibt, so wird auch eingehend die Verwendung für militärische Zwecke beschrieben. Das Militärische Diastimeter von Dr. Elard Rommershausen (1784-1857) fertigte der Mechanikus Winckler in Berlin. Der Vertrieb erfolgte über den Erfinder als auch den Mechanikus Winckler.

 

Im militärischen Sinne kann man mit einem Diastimeter sehr leicht die Entfernung zu den gegnerischen Truppen ermitteln, und damit sicherstellen, dass die Artillerie die Kanonen auf die richtige Entfernung einrichtet, um den Gegner möglichst empfindlich zu treffen.

 

Man bedient sich dabei der Kenntnis der Größe der gegnerischen Soldaten, ob nun zu Fuß oder hoch zu Ross, und bringt die Distanzfäden zur Deckung. Außen am Diastimeter kann man dann die Entfernung zu den Truppen des Gegners recht genau ablesen.

 

Fig. 5 & 6 aus Grundzüge der Feldmesskunst, 1860

In dem Buch „Grundzüge der Feldmesskunst. Ein Hülfsmittel beim Vortrage der Geometrie auf höheren Lehranstalten, landwirtschaftlichen und Ackerbau-Schulen“ von Dr. August Weigand, herausgegeben 1860, finden wir eine schöne Beschreibung und Abbildung des Diastimeters von Romershausen. Das Instrument wird hier als der Romershausen´sche Längenmesser beschrieben:

 

Dieses höchst wichtige, merkwürdiger Weiße bei den Feldmessern noch nicht recht in Gebrauch genommene Instrument besteht aus einer Fernrohrhülse mir einem ausziehbaren Maßstabe (Fig. 5). Im Objectivglase (Fig. 6) sind parallel übereinander sechs vorn zugespitzte Nadeln angebracht, der Entfernung von der untersten, der Basis, die Maßeinheiten für eben so viele auf dem Maßstabe angebrachten Eintheilungen sind. Durch die sechs Nadeln wird das Planum des Objectives in fünf verschiedene Diopter, von der Basis aus gerechnet, eingetheilt. Diese werden von oben herab gezählt und sind beim Gebrauche wohl zu unterscheiden, da jedem derselben im Auszuge ein besonderer Maßstab entspricht….

 

 

Der Diastimeter von Jakob Goldschmid (1815-1876) wird in der „Schweizerische Polytechnische Zeitschrift“, Heft 2 von 1861 vorgestellt.

 

Diastimeter für militärischen Gebrauch.

Erfunden und ausgeführt von J. Goldschmid, Mechanikus in Zürich.

Taf. 7. Fig. 8 und 9.

 

     Die besonders auf ihre Tragweite und Sicherheit im Schuss so sehr verbesserten Schiesswaffen bedingen für eine erfolgreiche Anwendung eine genaue, schnelle und sichere Distanzenmessung und es sind zu diesem Behufe verschiedene mehr und weniger dem Zweck entsprechende Instrumente construirt worden. Kaum aber dürfte irgend eines derselben sowohl in Beziehung auf Einfachheit und Genauigkeit, als auch auf leichte und schnelle Handhabung demjenigen des Hrn. Goldschmid gleichkommen. Es lässt sich die betreffende Vorrichtung zum Distanzenmessen an jedem beliebigen Fernrohre (Feldstecher und Theaterperspektive ausgenommen; anbringen. Sie besteht nämlich, wie Fig. 8 und 9 zeigen, aus einer cylindrischen Scheibe a, welche hinter dem Oculare des Fernrohrs eingesetzt wird und um ihre Axe drehbar gemacht ist. Im Innern des Rohres befinden sich zwei parallele Fäden, von denen der eine b fest, der andere b´ verschiebbar gemacht ist. Diese Verschiebung erfolgt durch Drehung der Büchse a in der Weise, dass die Fäden ihre parallele Lage fortwährend beibehalten. Durch Drehen nach der einen Richtung gehen die Fäden auseinander, durch entgegengesetztes Umdrehen nähern sie sich.

     Die Messung der Distanz wird nun dadurch vorgenommen, dass man den festen Faden b auf die Sohle eines Fusssoldaten richtet und den Faden b´ so weit vorschiebt, bis derselbe den oberen Rand der Kopfbedeckung des Mannes streift (Fig. 9). Hiebei ist die Höhe des letztern zu 6 Schweiz. Fuss (á 30 Centimetres) angenommen. Der Index c zeigt nun auf der vordem ebenen Fläche die Distanz von dem Beobachter bis zu dem betreffenden Gegenstande in Schritten zu 2 ½ Fuss an.

     Für die Reiterei, wobei vom Fusse des Pferdes bis an den Rand der Kopfbedeckung des Reiters gemessen, und wofür die mittlere Höhe zu 9 Fuss angenommen ist, besteht eine besondere Skala auf der cylindrischen Fläche der Büchse a.

     Je nach der Grösse und Güte des Fernrohres geht die Theilung von 400 bis 2000 Schritte. Bei der Beobachtung wird der Index c nach oben gehalten.

     Sehr wichtig ist, dass der Beobachter die Fäden in die deutliche Sehweite für sein Auge bringe, indem die geeignete Stellung für den Kurzsichtigen nicht auch für den Fernsichtigen passt. Zu diesem Zwecke richtet man das Fernrohr auf einen etwas dunkeln Gegenstand und verschiebt die Ocularröhre d, bis das Objekt deutlich erscheint. Sind die Fäden für das Auge richtig gestellt, so treten dieselben aus dem* dunkeln Bilde deutlich hervor. Findet dieses nicht statt, so wird das Schräubchen e geöffnet und so lange verschoben, bis die erforderliche Deutlichkeit vorhanden ist, dann aber wieder festgestellt und fürderhin in dieser Lage belassen.

Seit einem Jahre sind diese Diastimeter bei der zürcherischen Artillerie eingeführt und haben sich als sehr zweckmässig und besser, als alle bisher benutzten Instrumente erwiesen.                        Kr.

 

Taf. 7. Fig. 8 und 9. aus „Schweizerische Polytechnische Zeitschrift“, Heft 2 von 1861

 

Der gleiche Text wurde ebenfalls veröffentlicht im „Polytechnischen Journal“ von Dr. Emil Maximilian Dingler, 4. Reihe, 10. Band von 1861. Eine Übersetzung ins Englische des vorstehenden Texts finden wir ebenfalls in der Zeitschrift „Scientific American. A Journal of Practical Information in Art, Science, Mechanics, Agriculture, Chemistry and Manufactures“, Ausgabe Nr. 13 vom 28.09.1861.

 

Ein sehr schön erhaltenes Exemplar eines Diastimeters von Jakob Goldschmid (1815-1876) sehen wir auf den nachstehenden Bildern.

 

Diastimeter von Jakob Goldschmid (1815-1876), nach 1861
Diastimeter von Jakob Goldschmid (1815-1876), nach 1861
Diastimeter von Jakob Goldschmid (1815-1876), nach 1861
Diastimeter von Jakob Goldschmid (1815-1876), nach 1861
Diastimeter von Jakob Goldschmid (1815-1876), nach 1861
Diastimeter von Jakob Goldschmid (1815-1876), nach 1861
Diastimeter von Jakob Goldschmid (1815-1876), nach 1861
Diastimeter von Jakob Goldschmid (1815-1876), nach 1861

 

Zu den Diastimetern ist bekannt, dass auch noch verschiedene andere Erfinder vor und nach Jakob Goldschmid (1815-1876), sich an diesen Instrumenten versucht haben. Einige von ihnen haben sich sogar ihre Erfindungen oder Verbesserungen patentieren lassen.

Nicht zuletzt der zweite Nachfolger in der Züricher Werkstätte, Th. Usteri-Reinacher (1841-1918) hat sich zwei Patente zu neuen Diastimetern eintragen lassen. Siehe hierzu die Erläuterungen in der Biografie von Th. Usteri-Reinacher (1841-1918).

 

Dennoch war der Ansatz für den Diastimeter von Jakob Goldschmid (1815-1876) wohl der einzige für die rein militärische Anwendung. Die Zielgruppe war klar definiert: die Artillerie.

 

Im „Journal für praktische Chemie“, Jahrgang 1863 findet sich eine seltene Werbeanzeige für das „Neues Diastimeter für militärische Zwecke“ von J. Goldschmid.

Anzeige im „Journal für praktische Chemie“, Jahrgang 1863

 

Ebenfalls erhalten ist ein Prospekt zu dem Diastimeter von Jakob Goldschmid von 1861.  Leider ist nicht bekannt, ob dies gleichzeitig auch eine Bedie-nungsanleitung darstellt, so wie es für technische Gerätschaften früher üblich war. Hier wird das Diastimeter auch als Kreis-Diastimeter bezeichnet.

 

Titelblatt des Prospekts zum Diastimeter von Jakob Goldschmid (1815-1876)

 

 

Kopien des Diastimeter von Jakob Goldschmid (1815-1876)

 

Interessant ist, dass es offensichtlich auch Kopien, oder zumindest Lizenzanfertigungen des Diastimeters von Jakob Goldschmid (1815-1876) gegeben haben muss.

 

Das im „Bulletin of the Scientific Instrument Society“, Nr. 35 vom Dezember 1992, dargestellte und beschriebene Diastimeter ist signiert mit „Dauzat à Saintes“ und wurde von dem Pariser Instrumentenbauer Pierre Gabriel und Denis Albery Bardou gefertigt. In deren Auftrag haben sich wohl die Brüder Charles Alfred und Fredrick Henry Eilliott, die Inhaber der bekannten Londoner Werkstätte Elliott Bros., London, dieses Diastimeter 1868 in England unter der Patentnummer 889, allerdings nur als „improvements in telescopes“, patentieren lassen. So liegt es nahe, dass es sich um eine Kopie des Diastimeters nach Jakob Goldschmid (1815-1876) handelte, dass allerdings die in England gebräuchlichen Maßeinheiten berücksichtigte.

Abbildung des Diastimeters „Dauzat à Saintes“ im „Bulletin of the Scientific Instrument Society“, Nr. 35 von 1992

 

 

Einige schöne Bilder eines Diastimeters der Elliott Bros., London von 1869 sehen wir hier.

 

Diastimeters von Elliott Bros., London, 1869
Diastimeters von Elliott Bros., London, 1869
Diastimeters von Elliott Bros., London, 1869
Diastimeters von Elliott Bros., London, 1869
Diastimeters von Elliott Bros., London, 1869

 

Erhalten ist auch eine Schnittzeichnung eines Diastimeters von Elliott Bros., London. Den Aufbau des Diastimeters nach Jakob Goldschmid (1815-1876) dürfen wir uns gleich vorstellen.

 

Schnittzeichnung des Diastimeters von Elliott Bros., London

 

Pantograph von Jakob Goldschmid (1815-1876)

 

In der „Schweizerische Polytechnische Zeitschrift“, Heft 5 von 1864 wird der Pantograph von Jakob Goldschmid (1815-1876) erstmals vorgestellt.

 

Goldschmid's schwebender Pantograph.

Beschrieben von Prof. J. H. Kronauer.

Taf. 13. Fig. 1-6.

 

    Während bei den bekannten Pantographen der grösste Theil ihres Gewichtes auf Laufrollen ruht, die beim Gebrauche des Instrumentes auf dem Zeichnentische gleiten, sind bei diesem neuen Pantographen diese Stützrollen beseitigt und es ist derselbe durch zwei an geeigneten Stellen angebrachte Drähte mit einem festen Gestelle verbunden und dadurch fast gänzlich entlastet. Die durch diese Construction über die altern Pantographen erreichten Urtheile sind folgende:

    1) Leichtere und sanftere Bewegung bei vollkommen sicherm Gange.

    2) Beim Gebrauche des Instrumentes ist man nicht von der Grösse des Zeichnentisches abhängig, indem die freischwebenden Stangen auch über denselben hinausreichen können, wenn nur der Zeichnenstift innerhalb der Tischfläche bleibt.

    3) Eine unebene oder nicht vollkommen horizontale Tischfläche ist keineswegs störend für den Gang des Instrumentes, da ausser dem Fahr- und dem Zeichenstift kein anderer Theil desselben mit dem Tische in Berührung kommt.

 

Beschreibung des Pantographen. — Die Fig. 1 gibt eine perspektivische Ansicht dieses Instrumentes, a ist ein ziemlich schwerer gusseiserner Fuss, auf welchen der Bügel b, ebenfalls aus Gusseisen, befestigt ist und mit jenem das feste Gestelle bildet. Es ruht dasselbe bei c auf einem festen Fusse, im übrigen aber noch auf zwei Stellschrauben d, mittelst denen man diesem Ständer eine solche Lage gibt, dass die Blase der bei e angebrachten Dosenlibelle einspielt; in diesem Falle befindet sich dann das ganze Instrument in seiner richtigen Stellung.

    Der Pantograph selbst besteht aus den vier hohlen viereckigen Messingstäben f g h i, von denen die beiden erstem bei k, die beiden letztern bei l in festen Gelenken

mit einander verbunden sind, während sich bei m und n verschiebbare Gelenke befinden. Mit dem Gelenke l ist die Drehachse o (Fig. 1 u. 2) verbunden, welche mit einem Kugelzapfen in einer Pfanne des Gestellsarmes p durch die federnde Klappe q, welche sich seitwärts öffnen lässt, gehalten wird. Die Enden der Stangen h und i sind durch die beiden hart gezogenen Messingdrähte r und s mit dem Zapfen t des Gestelles so verbunden, dass sie sich ohne die geringste Hemmung in horizontaler Ebene bewegen können. Am Ende der Stange g sitzt der Zeichenstift u, an demjenigen der Stange f der Fahrstift w und hinter dem letztern an einem Stäbchen eine elfenbeinerne Kugel x, welche sich auf den Tisch stützt und als einzige Handhabe zur Führung des Pantographen dient, eine Vorrichtung, welche sich als durchaus praktisch bewährt hat.

    Die Aufstellung des Pantographen geschieht in der Weise, dass man das Gestelle a b an einem geeigneten Platze des Zeichnentisches aufsetzt und mittelst der Stellschrauben d die Blase der Libelle e zum Einspielen bringt. Hierauf werden die Drähte r und s an den Enden der Stangen h und i und an den Ringen des Zapfens t eingehängt; den Kugelzapfen o setzt man in die Pfanne des Armes p und schliesst die Klappe q. Zur Prüfung der richtigen Stellung ist an den Zapfen t ein kleines Pendel y gehängt, und es muss dessen Spitze - wie Fig. 3 zeigt - genau über dem markirten Mittelpunkte des Schraubenkopfes z schweben, wenn sich das Instrument in seiner richtigen Lage befindet. Sollte sich eine Abweichung des Pendels zeigen, so sind die Dräthe r und s zu verlängern oder zu verkürzen, was mit Hülfe der Correktionsschrauben h1 und i1 sehr leicht bewerkstelligt werden kann.

    Um eine beliebige Zeichnung in verkleinertem oder vergrösserten Massstabe anzufertigen, was in beiden Richtungen bis zum 10fachen geschehen kann, muss den beiden Gelenkzapfen m und n eine bestimmte Stellung gegeben werden. Dieses geschieht durch Verschiebung derselben längs den mit einer Millimetereintheilung

versehenen Stangen f g h i. Stehen die vier Indexe der Zapfenhülsen m und n alle auf Null, so wird durch den Zeichenstift u eine genaue Copie der mittelst des Fahrstiftes w umschriebenen Figur hervorgebracht. Soll aber z. B. eine Reduktion von 5: 1 stattfinden, so hat man die Hülsen m und n so weit zu verschieben, dass w m = l m = n k und u n = l n = m k wird und sich diese beiden Grössen zu einander verhalten, wie 5 : 1. Soll eine Vergrösserung gemacht werden, so verschiebt man die Hülsen in entsprechendem Verhältnisse nach der entgegengesetzten Seite.

    Zur genauen Einstellung der Hülsen m und n sind dieselben mit Mikrometerschrauben versehen, welche aber in der Zeichnung weggelassen wurden.

    Bei richtiger Stellung des Pantographen müssen die drei Mittelpunkte von u, l und tc in einer geraden Linie liegen und in demselben Verhältnisse von einander abstehen, in welchem die Uebertragung stattfinden soll, Zur Untersuchung dieser Stellung dient ein mit Massstab versehenes Lineal, dessen Kante nur an den Schraubenkopfs, an die Hülse des Fahrsliftes w und an diejenige des Zeichenstiftes u angelegt zu werden braucht, da alle 3 Stücke gleichen Cylinderdurchmesser haben. Bei der beispielsweise angenommenen Reduction von 5 : 1 mussten sich

also die Entfernungen von w nach z und von z nach u ebenfalls wie 5 : 1 verhalten.

    Jedem Instrumente wird ein solches Lineal beigegeben, welches am Rande mit einer Theilung versehen ist, welche das Ablesen bis auf halbe Millimeter gestaltet (Fig. 4), und mittelst welchem auch der Parallelismus der Pantographstangen

untersucht werden kann.

    Diese Lineale können aber gleichzeitig und sehr vortheilhaft beim gewöhnlichen Zeichnen, sowohl zum Ziehen von geraden Linien, als zum Abmessen beliebiger Längen gebraucht werden, indem dieselben aus 4 Centimeter breitem und 2/3 Millimeter dickem Stahlblech gefertigt und auf ihrer untern Seite mit Papier bekleidet sind, damit die Zeichnung nicht beschmutzt werde. Die Länge solcher Lineale kann nach Verlangen bis auf 3 Meter ausgedehnt und wenn es gewünscht wird, an beiden Kanten mit 2 verschiedenen Masssläben versehen werden. Zudem lassen sich dieselben auf eine kleine Dimension zusammen rollen und somit leicht transportiren.

    Die vier Gelenkachsen k, l, m und n drehen sich zwischen eingeschraubten Stahlspitzen und es ist für die genauen Functionen des Instrumentes höchst wichtig, dass diese Spitzen aufs Sorgfältigste justirt seien. Sind nämlich die Schrauben zu fest angezogen, so wird die Bewegung erschwert, es entstehen Spannungen in den Stangen und der Zeichenstift kann den Bewegungen des Fahrstiftes nicht mehr genau und schnell folgen. Bei lockerer Stellung der Schrauben dagegen entsteht ein sogenannter todter Gang, welcher Fehler sich leicht darin bemerkbar macht, dass wenn die Indexe auf Null stehen und man mit dem Fahrstift in etwas schiefer Richtung einem Lineal entlang vorwärts und rückwärts fährt, der Zeichenstift eine Doppellinie aufträgt. Um die richtige Stellung der Schrauben zu bezeichnen, ist nach genauer Justirung der selben von Seite des Verfertigers über je zwei derselben und zwar durch die Mitte ihrer obern Fläche in der Richtung der betreffenden Stange ein feiner Strich gezogen, wie Fig. 5 zeigt.

    Im Fernern ist noch das Einziehen der Zugschnur ä1 zum Heben und Niederlassen des Zeichenstiftes u zu erwähnen. Es ist dieselbe an der Hülse des letztern befestigt, geht dann über die Leitrollen b1 und c1 und muss einmal um die Rolle bei z herumgeschlungen werden, wie dieses übrigens in der Fig. 6 noch besonders nachgewiesen ist. Bei dl befindet sich ein ausgeschlitztes Plättchen, in dessen Spalte man die Schnur nur ein wenig hineinzudrücken braucht, um sie einzuklemmen und somit den Zeichenstift in der Höhe zu erhalten.

    Im Allgemeinen ist noch zu bemerken, dass das Instrument eine sehr sorgfältige Behandlung verlangt und von einer geübten Hand geführt werden muss, wenn dasselbe dem Bedürfniss und Zweck in hinreichendem Masse entsprechen soll.

    Die Ausführung einer verkleinerten oder vergrösserten Zeichnung mittelst des Zeichenstiftes kann auf zwei verschiedene Arten geschehen. Das eine, gewöhnliche Verfahren besteht darin, dass man in die Hülse u des Zeichensliftes ein feingespitztes Bleistiftstängelchen (nach Art der Faber´schen Stellstifte) einsetzt und somit die Zeichnung direkt ausführt. Nach der zweiten Art bringt man an die Stelle des Bleistiftes ein feines Stahlstäbchen mit abgerundeter Spitze und legt über die Stelle, auf welcher die Zeichnung ausgeführt werden soll, ein dünnes, glattes, auf der untern Seite mit Graphit geschwärztes Blatt Papier, welches man an den vier Ecken durch kleine Bleigewichte beschwert, oder auf dem Zeichnungsblatt an einigen Stellen leicht aufklebt. Man erspart sich dadurch das häufige Spitzen des Bleistiftes.

    Die Grösse der mit dem Fahrstift zu umschreibenden Fläche beträgt zwei Meter Länge und ein Meter Breite.

    Schliesslich noch die Bemerkung, dass solche Pantographen in ausgezeichneter Ausführung von Herrn Mechaniker J. Goldschmid in Zürich verfertigt werden.

 

Ausschnitt aus der Tafel 13 „Schweizerische Polytechnische Zeitschrift“, Heft 5 von 1864

 

Es sei hier nur der Vollständigkeit halber darauf hingewiesen, dass sich in der Zeitschrift für Vermessungswesen, V. Band von 1876 auf Seite 93 ein „Neuer Pantograph von Ott und Coradi“ vorgestellt wird.

 

In gleicher Zeitschrift, VI. Band von 1877 finden wir auf Seite 273 zuerst einen Beitrag von Dr. C. Koppe, der den Pantographen von Goldschmid verteidigt und darauf hinweist, dass dieser bereits seit 1860 von Goldschmid angefertigt werde.

 

Dem folgt dann auf Seite 368 im gleichen Band des gleichen Jahrgangs ein von Gottlieb Coradi (1847-1929), Mechaniker in Kempten verfasster umfangreicher Vergleich der freihängenden Pantografen von J. Goldschmid in Zürich und jener von Ott & Coradi in Kempten“.

 

Man stritt sich in in diesen Veröffentlichungen trefflich um die Erfindung der freischwebenden Pantografen. Hierbei sollte man nur beachten, dass Gottlieb Coradi von 1862 bis 1867 als Lehrjunge zu Jakob Goldschmid (1815-1876) in die Züricher Werkstätte kam, und einfach vielleicht mal das vom Dr. C. Koppe  genannte Datum im Auge behalten.

 

In dem Buch „Der Pantograph in historischen Veröffentlichungen des 17. bis 19. Jahrhunderts“ veröffentlicht 2003 von Manfred Goebel, Elvira Malitte, Karin Richter, Heike Schlosser, Silvia Schöneburg, Rolf Sommer, dass jedem Freund der mathematischen Instrumente und im Speziellen der Pantographen nur zu empfehlen ist, wird ausführlich auf diese Thematik eingegangen. Wirklich lesenswert!

 

 

Polarplanimeter von Jakob Goldschmid (1815-1876)

 

Bislang ist leider recht wenig über die von Jakob Goldschmid (1815-1876) hergestellten Polarplanimeter bekannt.

 

Wir wissen aus Veröffentlichungen in der "Schweizerische Polytechnische Zeitschrift", Heft 2 von 1856, dass u.a. bei Jakob Goldschmid (1815-1876) die Polarplanimeter von Prof. J. Amsler zu beziehen waren. Die da von Alfred Jakob Amsler-Laffon (1823-1912) erstmals vorgestellten Polarplanimeter konnten aber eben u.a. nur über Jakob Goldschmid in Zürich beschafft werden.

 

In gleicher Zeitschrift wird im Heft 3 von 1868 u.a der Planimeter von Kaspar Welti (1822-1889) vorgestellt und besprochen. Auch diesen konnte man im Jahre 1868 u.a. über Jakob Goldschmid (1815-1876) in Zürich beziehen.

 

In beiden Fällen darf davon ausgegangen werden, dass u.a. Jakob Goldschmid (1815-1876) diese Polarplanimeter in seiner Werkstätte fertigte, auch wenn Sie dann unter dem Namen von J. Amsler (1823-1912) und Kaspar Welti (1822-1889) verkauft wurden. In den vorgenannten Texten ist nämlich die Rede von "verfertigt und liefert" u.a. Jakob Goldschmid in Zürich.

 

Dennoch gab es auch von Jakob Goldschmid (1815-1876) einen von ihm selbst verfertigten und unter seinem Namen vertriebenen Polarplanimeter.

 

Wir finden das nachstehende Foto in einem Auktionskatalog von 2008. Die Katalogbeschreibung - sehr leihenhaft - lautet auf: 

Artilleristisches Messinstrument, mit mikrometrischer Atastmechanik zur Ermittlung der Flugbahnkurve. In Holzbox, sig. "J.Goldschmid in Zürich". Die Karte gehört nicht dazu.

 

Polar-Planimeter von Jakob Goldschmid (1815-1876)

 

Von dem Polarplanimeter von Jakob Goldschmid (1815-1876) ist ein weiteres Exemplar erhalten geblieben. Die nachstehenden Bilder, die wir hier mit freundlicher Genehmigung zeigen, stammen von der sehr interessanten Internetseite:

 

http://www.mathinstruments.ch

 

Auffallend bei dem Polarplanimeter von Jakob Goldschmid (1815-1876) ist die kleine Ableselupe, die sicherlich sehr sinnvoll, so aber selten an Polarplanimetern zu sehen ist. 

 

Polarplanimeter von Jakob Goldschmid (1815-1876)
Polarplanimeter von Jakob Goldschmid (1815-1876)
Polarplanimeter von Jakob Goldschmid (1815-1876)
Polarplanimeter von Jakob Goldschmid (1815-1876)