Prof. Dr. Carl Koppe

Portrait Prof. Dr. Carl Koppe

 

Prof. Dr. Carl Koppe darf wohl als der größte Förderer und Fürsprecher der Aneroidbarometer nach dem System Jakob Goldschmid bezeichnet werden.

 

Er hat zahlreiche Veröffentlichungen verfasst, und auch wenn er hier und da in der Literatur als überzogener Theoretiker bezeichent wird (wurde), und es bei weitem nicht immer einfach ist, seine Veröffentlichungen umfassend zu verstehen, da sein Verständnis der höheren Mathematik, nicht einem Jeden gegeben war und sicherlich auch heute nicht ist, hat er nie einen Hehl daraus gemacht, die Aneroiden von Goldschmid besonders zu loben und letztlich auch dafür zu sorgen, dass der Absatz gestimmt haben dürfte.

 

1869 wurde Carl Koppe, gerade einmal 25 Jahre alt, unter insgesamt 1.500 Bewerbern als derjenige ausgewählt, der die zweite Vermessung des Gotthardtunnels nach Otto Gelpke (1840-1895) ausführen durfte.

Auch diese Vermessungsarbeiten, die er in den Jahren 1874 und 1875 ausführte, verbanden Carl Koppe sehr eng mit der Schweiz. Unglücklicherweise stürzte Carl Koppe 1873 bei den Vorarbeiten zur Geländeerkundung so schwer, dass die eigentlichen Vermessungsarbeiten um ein Jahr verschoben werden mussten, und er von da an durch ein gelähmtes Bein beeinträchtigt war.

 

Nach dem Tode von Jakob Goldschmid im Jahre 1876 übernahm Dr. Carl Koppe zusammen mit Rudolf Hottinger (1834-1883), dem Schwiegersohn von Jakob Goldschmid (1815-1876), die mechanische Werkstätte in der Trittligasse 34 unter der Firmenbezeichnung "Hottinger & Cie.". Er war somit am Umsatz beteiligt, dürfte aber auch insgesamt eine große Unterstützung für Rudolf Hottinger bei der Fortführung der Geschäfte gewesen sein.  

 

Mit seiner Berufung zum Professor an die Universität Braunschweig 1881 scheidet er dann aus der Werkstätte aus, und Rudolf Hottinger (1834-1883) führt diese bis zu seinem Tode alleine weiter.

 

 

Die Frau von Prof. Dr. Carl Koppes, Anna Koppe (1857-1941), hat ihm 1912 nach seinem Tode ein kleines Büchlein gewidment, in dem man die Lebens-geschichte des Carl Koppe detailierter nachlesen kann als in dem nachstehenden Nachruf.

 

Definitiv ist auch die Liste der Veröffentlichungen, die Prof. Dr. Carl Koppe zu den Aneroidbarometern verfasst hat, wesentlich länger als die nachfolgend aufgeführten Werke in seinem Nachruf.

 

Nekrologe

Buchtitel "Die Aneroid-Barometer von Jakob Goldschmid und das barometrische Höhenmessen" v. Dr. Carl Koppe

 

In seinem Nachruf in der "Österreichische Zeitschrift für Vermessungswesen 9 (2), S. 59–61" von 1911 steht:

 

Prof. Dr. Carl Koppe 

 

Carl Koppe ist am 9. Jänner 1844 zu Soest in Westphalen geboren, wo sein Vater Carl Friedr. Aug. Koppe als Professor der Mathematik und Physik an dem dortigen Gymnasium wirkte und durch seine vortrefflichen mathematischen Lehrbücher in Deutschland bekannt war. Koppe studierte im Jahre 1864 in Bonn und von 1865 bis 1868 an der Bauakademie in Berlin. Nach absolvierte technischen Studien trat er als Ingenieur in den Dienst der Rheinischen Eisenbahn und hatte vielfach Gelegenheit, lehrreiche Eisenbahn-Vorarbeiten zu machen.

 

Im Jahre 1872 übernahm er die Leitung der geodätischen Arbeiten am Gotthard-Tunnel; er erledigte sich dieser schwierigen und verantwortungsvollen Aufgabe in glänzender Weise und aus seinen einschlägigen Publikationen bekommt man ein klares Bild über die Anlage und Durchführung der geodätischen Arbeiten und über die Resultate, die erzielt worden sind.

 

Von großem Interesse sind Koppes Arbeiten über das Haarhygrometer und seine gründlichen Studien über Aneroid-Barometer und ihre Verwendung·zur Höhenmessung.

 

Die Berufung Koppes zum Lehrer der Geodäsie an die herzogl. technische Hochschule zu Braunschweig fällt in das Jahr 1881; Koppe widmete sich mitgroßer Liebe und Hingebung dem Lehramte und erfreute sich allgemeiner, großer Beliebtheit bei seinen Kollegen und bei der Studentenschaft.

 

Koppe begann Mitte der 80er Jahre sich mit der Photogrammetrie theoretisch und praktisch zu befassen; der Mechaniker Randhagen in Hannover baute nach seinen Angaben einen vorzüglichen Phototheodoliten und im Jahre 1888 erschien bei Schwier in Weimar sein grundlegendes Werk : Die Photogrammetrie oder Bildmeßkunst. Prof. Koppe setzte seine photogrammetrischen Studien fort und als Frucht seiner Forschungen sind anzusehen die schönen Phototheodolite, welche im math-mech. Institute von Günther und Tegetmeyer in Braunschweig tadellos ausgeführt worden sind, und das verdienstvolle Werk: Die Photogrammetrie und die internationale Wolkenmessung, Braunschweig 1897.

 

In den letzten Jahren seiner lehramtlichen Tätigkeit und auch im Ruhestande beschäftigte sich Koppe intensiv mit topographischen Studien und ihrer Verwertung für den Eisenbahnbau.

 

Um die Kartographie Braunschweigs hat sich Koppe namhafte Verdienste erworben.

 

lm Jahre 1904 trat er nach 23jähriger Lehrtätigkeit in den dauernden Ruhestand und verbrachte den Abend seines arbeitsreichen Lebens zu Königstein im Taunus.

 

Am 10. Dezember 1910 verschied er in Köln a. Rh., wo er ärztlichen Rat suchte.

 

Die literarischen Arbeiten Koppes sind nachstehend zusammengestellt:

 

Bücher.

 

- Das Aneroid-Barometer von J. Goldschmid und das Höhenmessen, Zürich 1877.

- Messung des Feuchtigkeitsgehaltes der Luft; Prozenthygrometer mit Justiervorrichtung, Zürich 1878.

- Die Ausgleichung des schweizerischen Gradmessungsnetzes, Zürich 1882. Die Ausgleichungsrechnung in der praktischen Geometrie, Nordhausen 1885.

- Die Photogrammetrie oder Bildmeßkunst, Weimar 1889. Photogrammetrie und internationale Wolkenmessung, Braunschweig 1897.

- Die neuere Landes-Topographie, Braunschweig 1900.

- Die Fortschritte auf dem Gebiete des Vermessungswesens in Preußen unter der Regierung des Königs Wilhelm l., Hamburg 1889.

 

Journal - Abhandlungen

 

Vierteljahresschrift der Astronomischen Gesellschaft:

- Bericht über die Sonnenfinsternis-Expedition 1868 nach lndien, magnetische und meteorologischen Beobachtungen 1869 und 1872.

 

Zeitschrift für Vermessungswesen:

- Barometrische Höhenmessungen und deren Berechnungen, Stuttgart 1874.

- Bestimmung der Achse des Gotthard-Tunnels 1875 und 1876.

- Trigonometrische Höhenmessung zur Tunneltriangulation1876.

- Pantograph von Goldschmid 1877.

- Verfahren der Ausführung und Berechnung barometr. Höhenaufnahmen und Nachtrag: Genauigkeit der Horizontalkurven 1888.

- Tachymetertheodolit Hammer-Fennel und die Tachymeterkippregel 1902.

- Topograph. Landeskarte des Herzogtums Braunschweig 1902. Militärische und technische Topographie 1904.

 

Zeitschrift für Instrumentenkunde:

- Über das Aneroide, Berlin 1888.

 

Meteorologische Zeitschrift:

- Feuchtigkeitsbestimmung mittels des Psychrometers und Haarhygrometers und über eine Verbindung beider Instrumente, Wien 1878.

 

Zeitschrift des Ingenieur - und Architekten Vereines zu Hannover:

- Ausführung und Berechnung barometrischer Höhenmessungen, Hannover 1888.

 

Schweizerische Bauzeitung:

- Jungfraubahn , Zürich 1 885 – 1896.

 

Himmel und Erde:

- Die Vorarbeiten für den Bau der Gotthardbahn, 1894.

- Die interessantesten Alpen- und Bergbahnen, 1896.

- Wesen und Bedeutung der graphischen Künste, 1897.

- Die Erd- und Landesvermessung und ihre Verwertung, 1898 und 1899.

- Bau des Simplontunnels, 1899.

 

Prometheus:

- Die neuere Entwicklung der Landkarten , 1898.

 

Globus:

- Photogrammetrie, 1896.

 

Reform:

- Simplon-Tunnel, Wien 1899 und 1900.

 

Zeitschrift für Eisenbahn:

- Absteckung der Elemente für sieben Kehrtunnels der Gotthardbahn, Zürich 1880.

Absteckung der Achse des Gotthardtunnels, 1880. Basis-Apparat des General lbannez, und die Aarburger Basismessung, 1881.

 

Dingler´ Polytechnisches Journal:

- Praktische Form des Haarhygrometers, 1877.

 

Jahrbuch des Schweizerischen Alpenklubs:

- Barometrische Höhenmessung mit Berücksichtigung·des Hochgebirges, Zürich 1878.

 

Organ zum Fortschritte des Eisenbahnwesens:

- Fortschritte und Bedeutung der Geodäsie beim Eisenbahnbaue, Wiesbaden 1905.

 


Einen weiteren Nekrolog auf Dr. Koppe lesen wir in der „Schweizerische Bauzeitung“, Band 57/58 aus 1911, Heft 1 in dem auch Rudolf Hottinger und Jakob Goldschmid Erwähnung finden:

 

     † Dr. Karl Koppe. Am 10. Dezember v. J. ist zu Köln Dr. Karl Koppe, Professor der Geodäsie an der Technischen Hochschule in Braunschweig, gestorben, der bei den schweizerischen Ingenieuren durch seine Betätigung beim Bau bezw. den Absteckungs- und Kontrollarbeiten für den Gotthardtunnel in bestem Andenken steht. Seine beiden Arbeiten: „Die Bestimmung der Achse des Gotthardtunnels, ausgeführt in den Jahren 1874 und 1875", sowie: „Ueber die Bestimmung der Absteckungselemente für die sieben Kehrtunnels der Gotthardbahn", haben seiner Zeit in weitesten Kreisen berechtigtes Aufsehen erregt. Das Ergebnis des Stollendurchschlages, der in der Höhe auf 5 cm und in der Richtung auf 33 cm stimmte, war Zeugnis für die Sorgfalt seiner Arbeiten.

     Koppe wurde zu Soest in Westfalen am 9. Januar 1844 geboren, besuchte das Gymnasium in Soest und die Universitäten Bonn und Berlin, wo er das Studium der Naturwissenschaften, Physik und Astronomie betrieb. Von 1866 bis 1868 war er Assistent beim Physiker Prof. Dove, von 1868 bis 1869 Mitglied wissenschaftlicher Expeditionen zur Beobachtung der Sonnenfinsternis u.a. In Indien. Eine daher stammende Erkrankung war Ursache, dass er sich dem Geometerfache zuwandte, das er zunächst (1870 und 1871) im Dienste der Rheinischen Bahn betrieb. Im August 1872 trat Koppe als Geometer bei der Bausektion Airolo der Gotthardbahn ein, zur Vorbereitung der Absteckungsarbeiten des grossen Tunnels. Für diese führte er nacheinander eine genaue Triangulation zwischen Airolo, Faido und Biasca, dann barometrische Höhenmessungen, die oberirdische Absteckung der Tunnelachse, Aufnahmen des geologischen Längenprofils u. s. w. durch und legte die zu den Verifikationsarbeiten erforderlichen Signale fest. Im August 1876 nötigte ihn sein Gesundheits-zustand, die Stellung bei der Gotthardbahn aufzugeben. Er arbeitete dann mit seinem Freunde, Ingenieur R. Hottinger, der gerade die Fortführung der Anstalt für physikalische Präzisions-Instrumente seines verstorbenen Schwiegervaters, J. Goldschmid in Zürich, übernommen hatte, bis er 1879 dem Rufe an die Lehrstelle für Geodäsie in Braunschweig Folge leistete.

 

Instrumente

 

Sofern man Professor Dr. Carl Koppe´s Verdienste an dem Instrumentenbau der Werkstätte an der Trittligasse in Zürich vollständig würdigen will, darf man den nach ihm benannten Haarhygrometer nicht vergessen.

 

In dem Buch "Chemisch-technische Untersuchungsmethoden der Gross-Industrie, der Versuchstationen und Handelslaboratorien" von 1893 finden wir eine sehr treffliche Erklärung dieses Instruments:

 

    Die Haarhygrometer beruhen darauf, dass bei feuchter Luft völlig entfettetes Menschenhaar sich ausdehnt und bei Trockenheit sich verkürzt. Diese Längenänderung wird durch einen geeigneten Mechanismus auf einen Zeiger übertragen, welcher auf einer Scala spielt. Sehr zweckmässig ist das von Dr. Koppe in Zürich construirte "Procent-Haarhygrometer mit Controllvorrichtung".

     Die wesentlichsten Vorzüge dieses Instrumentes sind folgende:

        1. wird das Haar nicht durch ein Gewicht, sondern durch eine kleine Neusilberfeder gespannt, deren Spannkraft sich mittelst einer Schraube genau auf 1/2

            g reguliren lässt. Hierdurch ist das Instrument dem Sausaure'schen gegenüber bei Weitem transportabler;

        2. kann durch Einschieben eines angefeuchteten, mit Gaze überspannten Rahmens die Luft im Hygrometer vollständig mit Feuchtigkeit gesättigt werden,

            wodurch man sich jederzeit überzeugen kann, ob das Instrument noch richtig geht, da alsdann der Zeiger sich genau auf 100 einstellen muss. Ist dies

            nicht der Fall, so kann man mittest eines Uhrschlüssels den Zeiger auf 100 stellen und somit den Apparat jederzeit leicht reguliren;

        3. gestattet es, an der Scala direct die Procente relativer Feuchtigkeit abzulesen.

    Ein Uebelstand dieses lnstrumentes ist dagegen, dass, wie Ph. Büchner 1) fand, die Zusammenziehung des Haares mit abnehmender Feuchtigkeit schneller erfolgt, als die Scala angiebt, und dass in dieser Beziehung jedes Haar, resp. jedes Instrument verschieden ist.

    Will man daher mit Koppe'schen Hygrometern brauchbare Resultate erzielen, so ist man genöthigt, für jedes Instrument eine Correctionstabelle anzufertigen, was selbstverständlich eine langwierige Arbeit ist. Indem man als Ordinaten die am Instrument abgelesenen, als Abscissen die zu diesen noch hinzuzuaddirenden Procente relativer Feuchtigkeit (wie sie sich aus gewichtsanalytischen Bestimmungen des Wassergehaltes der Luft und Vergleichung der erhaltenen Resultate mit den Angaben des Hygrometers ergeben) aufträgt, erhält man für jedes Koppe'sche Hygrometer eine besondere Curve, mit deren Hülfe man alsdann mit Leichtigkeit den procentischen Feuchtigkeitsgehalt der Luft direct ablesen kann.

  1. „Untersuchungen der Heiz- und Ventilationsanlagen in den städt. Schulgebäuden zu Darmstadt“. 1880, S. 30.

Ausgeführt wurden die Haarhygrometer nach Koppe zuerst von Jakob Goldschmid und später auch noch von dessen Nachfolger Rudolf Hottinger in seiner Firma Hottinger & Cie. Später aber auch durch die ebenfalls so namhafte Firmen, wie z.B. R. Fueß in Berlin-Steglitz.

 

Koppe´s Haarhygrometer von Jakob Goldschmid (1815-1876)

In seiner Veröffentlichung "Ueber Feuchtigkeitsbestimmungen mit Hilfe des Psychrometers und Haarhygrometers und über eine sehr zweckmässige Verbindung beider Instrumente." in der Zeitschrift der österreichischen Gesellschaft für Meteorologie, XIII Band, Nr. 4 vom 15.Februar 1878 geht Dr. Carl Koppe ausführlich auf diese beiden Instrumente ein und zeigt nicht nur eine sehr gute Illustration des Instruments, sondern geht auf dessen Entstehung ein. Er schreibt:

 

Es ist das Verdienst des Mechanikers Jakob Goldschmid in Zürich, durch eine sehr sinnreiche Einrichtung des ganzen Apparates, welcher seither noch etwas vervollkommnet wurde, das Haarhygrometer zu einem selbständigen Instrumente gemacht zu haben, in dem er dasselbe mit einer Justirvorrichtung versieht, welche gestattet, sich jederzeit auf sehr einfache Weise von der Richtigkeit seiner Angaben zu überzeugen.

 

Und später:

 

Ich habe den ganzen Sommer hindurch 2 Goldschmid’sche Hygrometer auf Reisen mit mir geführt; dieselben functioniren gerade so gut wie zu Anfang und differiren höchstens um ein Procent. Gerade weil ich früher ein Haar-Hygrometer ohne die beschriebene Justirvorrichtung benützt habe, ist mir das jetzige Verhalten derselben um so überraschender.

 

Die Haarhygrometer nach Prof. Koppe sind also eigentlich Haarhygrometer nach Jakob Goldschmid. Da sich Prof. Koppe aber sehr für deren Verteidigung eingesetzt hat, gebührt ihm wohl die Ehre hier und es darf vermutet werden, dass Jakob Goldschmid (1815-1876) „seinen“ Haarhygrometer zusammen mit Prof. Koppe entwickelt hat.

 

Wer mehr über die Haarhygrometer erfahren will, dem sei das Standardwerk „Über die Haarhygrometer“ von Dr. J. Pircher, Wien 1901, empfohlen. Dieses Werk steht online zur Verfügung.

 

Nachstehend noch einige schöne Abbildungen von späteren Haar-Hygrometern nach Koppe:

 

Haar-Hygrometer nach Koppe von Hottinger & Cie.
Haar-Hygrometer nach Koppe von Hottinger & Cie.
Haar-Hygrometer nach Koppe von R. Fuess in Berlin