Hans Mettler

 

Hans Mettler wurde am 17.04.1882 in Wattwil (Kanton St. Gallen) geboren.

 

Die Eltern von Hans Mettler waren Johannes Mettler (1848-1926), der als Grundschullehrer (5.-8. Klasse) in Wattwil tätig war, und seine Mutter Elisa Mettler, geb. Hanhart (1856-1943). Sie stammte aus einem bekannten Geschlecht aus Diessenhofen am Südufer des Hochrheins zwischen Stein am Rhein und Schaffhausen.

Elise, die einzige Schwester von Hans Mettler, lebte nur von 1879 bis 1890.

Schon der Großvater von Hans Mettler, Georg Michael Mettler (1803-1869),  war als Schulrat in Wattwil tätig gewesen.

 

Die Familie ist 1893 nach Zürich – Fluntern übersiedelt, da der Vater von Hans Mettler Anstellung bei der Schweizerischen Meteorologischen Zentralanstalt fand. Bis 1900 wohnte man beim Bienenvater Kramer im Bienenheim an der Hochstraße, wo sich der Häldeliweg in zwei Teile teilt bevor er oben endigt.

 

Hans Mettler war Schüler der Sekundarschule und der Industrieschule Zürich. Ebenfalls war er Schüler des Institut Erica in der Röthelstraße in Zürich.

 

Von Oktober 1902 bis März 1906 war Hans Mettler Student des Eidgenössischen Polytechnikum Zürich.

Er erwarb ein Diplom als Maschinen-Ingenieur ETH, speziell im Turbinen- und Pumpenbau.

 

Zum Eintritt in die Studienzeit hat Hans Mettler noch bei seinem Vater Johannes Mettler in der Hochstraße 68 in Zürich–Fluntern gewohnt, denn diese Adresse hatte er zumindest bei der Immatrikulation angegeben. Die Familie blieb noch bis 1918 in der Mansardenwohnung der Hochstraße 68 wohnen.

 

Seine Aufnahmeprüfung an dem Polytechnikum hat Hans Mettler mit überwiegend guten Noten bestanden. Auffällig ist, dass er schon damals ein beinahe „sehr gut“ nach heutiger Schulnotenlogik in dem Fach Darstellende Geometrie erhalten hat. Dieses Thema sollte ihn sein Leben lang begleiten.

 

Wenn man die Universitätsmatrikel des Eidgenössischen Polytechnikum Zürich von Hans Mettler genauer studiert, und dabei im Auge behält, in welchen Bereichen er sich später betätig, und über was er später alles eben auch geschrieben hat, dann kann man sehr schön sehen, wie vielfältig interessiert Hans Mettler war.

 

An nichtobligatorischen Fächern hat er während seiner Studienzeit folgende belegt:

  • Allgemeine Geologie
  • Aufbaukurs in italienischer Sprache
  • Formale Feldbefestigung
  • Schießlehre für Infanterie
  • Ballistik
  • Kartographie
  • Industriewirtschaft I + II
  • Militärische Sprengtechnik
  • Angewandte Befestigung mit Übungen
  • Indien und Indochina
  • Technologische Praktik
  • Planenten- und Kometenbahnbestimmungen
  • Elektrometallurgie
  • Wechselstromtechnik in graphischer Behandlung
  • Angewandte Kapitel aus der Ausgleichungsrechnung
  • Versicherungsmathematik
  • Länderkunde von Nordamerika

 

Als ihm am 03. Juli 1906 sein Abschlusszeugnis mit dem Diplom als Maschinen-Ingenieur mit überwiegend guten bis sehr guten Noten überreicht wurde, wusste er sicherlich weit mehr als das, was das eigentliche Studium in Bezug auf Differenzial- und Integralrechnungen, Darstellende und Analytische Geometrie, Physik, Chemie, Mechanische Technologie, Maschinenzeichnen, Maschinenbau, Hydraulik, Fabrikanlagen, Dampfmaschinenbau, Dampfkessel, Gasmotoren, Dynamomaschinen, Maschinenlehre und Eisenkonstruktion ursprünglich hätte vermitteln wollen.

 

Vorstehende Informationen entstammen der Matrikel von Hans Mettler (ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, EZ-REK1/1/10581 : Matrikel lautend auf den Studenten Mettler, Hans von Wattwyl (SG), Eintritt notiert mit: 10.1902 (Abteilung: III), Austritt notiert mit: 3.1906.

 

Hans Mettler war, wie schon dargestellt, vielfältig interessiert, und ein Thema dass ihn beschäftigte waren die astronomischen Phänomene, wie zum Beispiel die nächtlich zum Teil zu beobachtenden schwach leuchtenden permanente Lichterscheinungen, das s.g. Zodiakallicht. Ebenso befasste er sich aber auch mit Kometen und anderen Weltraumthemen.

 

Darin resultiert wohl auch sein Buch „Widerstand der Gase an terrestrischen und kosmischen Vorgängen erläutert“, das 1909 im Verlag von Gebr. Leemann & Co, in Zürich erschien.

Das Thema beschäftigt ihn aber wohl auch sein Leben lang, wie wir schön aus erhaltenen Briefen an den Zodiakallichtforscher Dr. h.c. Johann Friedrich Schmid-Bösch aus den Jahren 1914, 1915, 1918 und 1935 ersehen können.  Diese Briefe befinden sich im Archiv der ETH-Bibliothek in Zürich (ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, Hs. 383: 2115-2119, Briefe an den Zodiakallichtforscher Joh. Friedrich Schmid-Bösch).

 

1907 machte sich Hans Mettler, so wissen wir aus seinen Briefen, auf Geratewohl auf und reiste über das Mittelmeer nach Algerien. Auf dem Weingut Staoueli-Trappe, einem ehemaligen Kloster der Trappisten, fand er spontan Anstellung und bekam der Auftrag, zur Installation des Elektrischen. Umgesetzt hat er diese Elektroanlage durch die Errichtung der ersten Dreiphasenwechselstromanlage in Nordafrika, hergestellt von der Maschinenfabrik Oerlikon.

 

Nach fertigstellung des Projekts gönnte sich Hans Mettler einen mehrwöchigen Heimaturlaub in der Schweiz und muss nach erneuter Rückkehr nach Algerien erfahren, dass er nicht mehr gebraucht werde. Er konnte dann aber wohl noch einige andere Aufträge in Algerien annehmen, bevor er wieder nach Zürich zurückkehrte.

 

1910 geht Hans Mettler nach Belgisch - Kongo und führt dort hydrographische Messungen durch, die er in seinem späteren Buch "Probleme und Konstruktionen aus der Hydrometrie" ebenfalls aufarbeitet.

 

 

In seinem Buch „Probleme und Konstruktionen aus der Hydrometrie“ von 1927 können wir einiges über sein Wirken nachlesen, und erfahren, was Hans Mettler nach den Afrikaaufenthalten noch unternommen hat. So ist für den August des Jahres 1911 und für den Zeitraum von Dezember 1911 bis Dezember 1912 vermerkt, dass er für die Meteorologische Zentralanstalt des Schweizerischen Wasserwirtschaftsverbands ausführliche Messungen und Messreihen an dem Aegeri- und dem Zugersee durchgeführt hat,. Hierbei hat er untersucht, wie viel Wasser in einem See täglich verdunstet. Dazu ist er täglich sehr große Strecken auf seinem Fahrrad geradelt, ohne dass er den Auftrag hätte nicht erledigen können. In seinem Buch „Probleme und Konstruktionen aus der Hydrometrie“ erläutert er sehr schön, seine Erkenntnisse und gerade die graphische Darstellung seiner Messreihen muss ihn begeistert haben. Auf jedem Fall, und das zieht sich durch all seine Bücher, müssen sie ihn viel Zeit und Mühen gekostet haben.

 

In den Jahren 1912 und 1913 hat er dann die Wasserregulierung des Vierwaldstättersees beobachtet und berechnet.

 

Aus vorgenannten Briefen an den Dr. h.c. Schmid-Bösch können wir auch entnehmen, dass Hans Mettler in den Jahren 1914 und 1915 in Zürich – Fluntern an den südwestlichen Hängen des Zürichbergs wohnhaft war. Vermutlich wieder oder immer noch bei den Eltern in der Hochstraße 68.

 

1916 übernimmt Hans Mettler dann die Präzisionswerkstätte von Theophil Usteri-Reinacher, der schon seit 1909 nach einem Teilhaber Ausschau gehalten hatte. Hans Mettler firmiert die Werkstätte fortan unter seinem Namen und unter gleicher Adresse in der Trittligasse 36 in der Züricher Neustadt.

 

Es sei hier erwähnt, dass lange Zeit überhaupt nicht bekannt war, dass Hans Mettler der letzte Besitzer  der renommierten und sehr bekannten Werkstätte für Aneroidbarometer nach dem System Jakob Goldschmid und auch andere wissenschaftliche Instrumente in der Trittligasse 36 in Zürich war.

 

Erst ein Hinweis in der „Allgemeine schweizerische Militärzeitung: Journal Militaire-suisse. Gazzetta militare svizzera, Volume 79, von 1933, in der es auf Seite 250 heißt: „Ing. Mettler ist als Inhaber der früheren Firma Th. Usteri-Reinacher in Zürich Fabrikant der für die Barogonometrie benötigten Instrumente: Goldschmid’sche Aneroidbarometer und Gonometer eigener Konstruktion. Das vorliegende Büchlein ist als Werbeschrift für seine Instrumente zu betrachten.“ brachte Licht in die Entwicklung der Werkstätte in der Trittligasse 34-36 nach 1918.

 

Bislang war man in Sammlerkreisen für Barometer und Wetterinstrumente davon ausgegangen, dass der Sohn von Jakob Goldschmid (1815-1876), Jakob Caspar Albert Goldschmid (1843-1918), der als Optiker und Mechaniker wirkte, und wiederum dessen Sohn Eugen Jonas Goldschmid (1877-1972) die Geschäfte weitergeführt hätten.

 

Einige Jahre vor der Übergabe der Werkstätte an Hans Mettler hatte Th. Usteri-Reinacher (1841-1918) schon die Werkstätte, die ursprünglich mal im Jahre 1808 von Johann Georg Oeri (1780-1852) in der Trittligasse 34 gegründet worden war,  auf die Hausnummer 36 verlegt und damit wohl auch verkleinert. In der Blütezeit der Fabrikation die Werkstätte einmal sogar die Adresse Trittligasse 34-36.

 

Theophil Usteri-Reinacher (1841-1918) hatte unter seiner Leitung die Fabrikation der Mechanischen Werkstätte auf Materialprüfmaschinen, Messinstrumenten und Kontrollapparaten für Zement- und Textilfabriken, Brückenbauwerkstätten, Elektrizitätswerke etc. aber auch auf geodätische und meteorologische Instrumente ausgeweitet. Natürlich wurden nach wie vor die Goldschmid´schen Aneroide für barometrische Höhenmessungen gefertigt. Aber neben der eigentlichen Fabrikation war nun auch die Revision, Reparatur und Justierung all dieser Instrumente ein sicherlich nicht unerheblicher Teil der Beschäftigung.

 

Hans Mettler übernahm alle Geschäftsbereiche, und dürfte noch bis zum Tode von Th. Uster-Reinacher (1841-1918) im Oktober 1918 von dessen großer Erfahrung partizipiert haben.

 

Zahlreiche in den Zeitschriften „Schweizerische Bauzeitung“ und „Bulletin technique de la Suisse romande“ veröffentlichte Anzeigen belegen die rege Geschäftstätigkeit Hans Mettlers in den Jahren zwischen 1922 und 1923. 

 

Beispiele der Anzeigen von Hans Mettler von 1922 und 1923

 

Der Ansprache der bei der Bestattungsfeier für den Vater von Hans Mettler, Herrn Johannes Mettler, und seinem dort ebenfalls vorgetragenen Lebenslauf, der aus der Hand seines Sohnes Hans Mettler stammt, gehalten am 12.11.1926, entnehmen wir, dass sein Vater auch nach dessen Pensionierung nicht zur Muße verurteilt war, denn die Werkstätte seines Sohnes bot ihm in reichem Masse die Möglichkeit, sich jederzeit anregend zu beschäftigen. Sei es mit der Kontrolle von Instrumenten, mit dem Ordnen von Korrespondenzen, Verpacken von Sendungen u.a.m.

 

Wenn man sich aber den Nachruf auf den Vater von Hans Mettler, Herrn Johannes Mettler, und vor allem dessen Lebenslauf genauer anschaut, dann wird sehr anschaulich, dass Hans Mettler seinen Vater doch sehr bewundert haben muss.

 

In seinem 1927 erschienen Buch „Probleme und Konstruktionen der Hydrometrie“ erwähnt Hans Mettler ausdrücklich in der Widmung, dass seine Eltern ihn immer unterstützt haben, und das sein am 09.11.1926 verstorbener Vater einer der ersten Lehrer war, die den Unterricht in naturwissenschaftlichen Fächern auf der Sekundarstufe energisch in die Hand nahmen. Daneben betätige sich sein Vater auch als ein exakter und zuverlässiger Naturbeobachter.  Das waren die Themen, die auch Hans Mettler begeistert haben.

 

Gleichwohl lesen wir in dem Lebenslauf des Vaters aber auch, dass „Die besondere Befähigung des Verstorbenen für Mathematik, Naturkunde und Fremdsprachen machte es verständlich, dass er das Schwergewicht seines Unterrichtes auf die erwähnten Disziplinen verlegte, während früher die dortige Aristokratie dem Latein und Griechisch zugetan war. Daraus und noch aus ändern Ursachen ergaben sich geheime und offene Gegenströmungen, denen er schließlich auswich, um in Zürich bei der Schweizerischen Meteorologischen Zentralanstalt ein neues, ihm mehr zusagendes Wirkungsfeld zu finden. Hier blieb er unter den Direktoren Billwiller und Maurer 29 Jahre, vorzüglich mit Gewitterstatistik und verwandten Arbeiten beschäftigt, nicht selten aber auch für Übersetzungen und für die Wetterprognose zu Rate gezogen. Schon lange hatte er in Diessenhofen die meteorologische Station besorgt und ferner zu Händen der Landeshydrographie den Rheinpegel abgelesen. Seine Genauigkeit im Beobachten und beschreiben der Naturvorgänge verhalf ihm zu der neuen Stellung. Hoch oben im eidgenössischen Physikgebäude, unter dem Türmchen mit der Uhr, genannt "zum ewigen Mittag", spielte sich in einem prächtig gelegenen Bureau sein Wirken während annähernd drei Jahrzehnten ab.“

 

In dieser Beschreibung des Vaters findet man doch sehr deutlich auch die Interessen des Sohnes Hans Mettler wieder. Nur dass dieser auch noch ganz besonders viel Zeit darauf verbracht haben muss, Dinge die man klassischerweise rechnerisch erledigte, und deren Ergebnisse in schlichten Tabellen auflistete, auf graphische Weise zu lösen, darzustellen und darüber auch entsprechende Anleitungen zu verfassen.

 

Hans Mettler selbst führt weiter aus: „Die Beschäftigung mit mathematischen Problemen füllte von jeher meine freien Stunden aus und ich bin diesem Hang auch treu geblieben, auch nach der im Jahre 1916 erfolgten Übernahme einer Werkstätte für Apparatebau und Feinmechanik.“

 

Aufnahme des Hauses und der Werkstatt in der Kirchbodenstrasse 54 in Thalwil um 1925-1930

 

 

Aus einem der vorgenannten Briefen an den Dr. h.c. Schmid-Schön vom 10.04.1935 können wir aber auch entnehmen, dass Hans Mettler vermutlich kurz zuvor die Werkstätte in der Trittligasse 36 in Zürich aufgegeben, und seinen Firmensitz nach Thalwil verlegt hat.

 

Anhand der Handelsregisterauszüge konnte mittlerweilen herausgefunden werden, dass Hans Mettler im Jahre 1932 die Werkstätte in der Trittligasse aufgegeben hat. Umgezogen ist er nach Thalwil in die Kirchbodenstrasse 54. Ebenso können wir in den Handelsregisterauszügen lesen, dass er selbt auch hier wohnhaft war.

 

Er firmiert er nun als „Hans Mettler vormals Th. Usteri-Reinacher Apparatebau und Feinmechanik“ und wirbt auf seinem Briefkopf für „Expertisen, Berechnungen, Revisionen, Reparaturen, Justierungen usw.“.

 

Neues Briefpapier gab es für den neuen Firmensitz aber wohl erstmal nicht. Dank der Schreibmaschine ließen sich die alten Angaben ja gut durch Übertippen mit dem Buchstaben XXX unleserlich machen.

 

1936 zieht die Werkstätte dann um nach Hirzel zur Spreuermühle.

 

In einem sehr persönlichen, von Hans Mettler auf seiner Schreibmaschine geschriebenen Brief vom 26.09.1946, lesen wir, dass er die beiden Begleiterinnen eines Wanderausflugs zum Rossberg, die er an dem vorangegangenen Sonntag - nach kurzer Abwesenheit von der Gruppe wegen arger Unpässlichkeit - vermutlich nur deshalb nicht hat wiederfinden können, da er ob seiner Schwerhörigkeit deren Rufe sicherlich nicht mehr hatte hören können. 

 

 

1947 inseriert Hans Mettler in der Zeitschrift Schweizerische Bauzeitung unter neuer Adresse in Hirzel. Zum einen bietet er nun an, dass er Barometer und Vermessungsgeräte etc. prüft und repariert, und zum anderen nennt er sein Unternehmen „Apparatebau und techn. Bureau“.

 

Diese neue Adresse, bei der es sich nur um eine Bezeichnung eines Ortes, einer politischen Gemeinde im Bezirk Horgen des Kantons Zürich handelt, bescherte zwar anfänglich bei der Recherche einiges Kopfzerbrechen, aber dank der Gemeindeverwaltung von Hirzel und auch vor allem einigen Bewohnern der Gemeinde Hirzel konnten noch viele Details von und über Hans Mettler zu Tage gefördert werden.

 

Ein großer Dank gilt ganz besonders Herrn Edi Korrodi  aus Hirzel, dem wir die nachstehenden Zeilen und Fotos verdanken, der mir aber auch einige Originaldokumente und Bilder von Hans Mettler überlassen hat.

 

 

 

Herr Edi Korrodi schreibt:

 

Meine persönlichen Erinnerungen an Hans Mettler:

 

Hans Mettler wohnte in einem ehemaligen Bienenhaus im zur Gemeinde Hirzel gehörenden Weiler „Zimmerberg“ Im Keller hatte er sich eine Werkstatt und im oberen Teil einen kleinen Wohnraum mit Küche eingerichtet. Geschlafen hat er im Dachgeschoss. Das Bienenhaus steht noch heute und ist zu einem Wochenendhaus ausgebaut worden. Hans Mettler lebte dort als Einsiedler unter einfachsten Bedingungen.

 

In meiner Schulzeit (1957-1965) hat man Herrn Mettler manchmal mit Rucksack und alten Kleidern im Dorf gesehen, als er wahrscheinlich einkaufen ging.

 

Dass er ab ca. 1947 bis zu seinem Tod 1965 im Hirzel lebte, könnte etwa stimmen.

 

Hans Mettler galt in der Gemeinde als „Spinner“, und „als durchgedreht“, oder zu intelligent für ein normales Leben. Mein Oberstufenlehrer, Emil Blattmann, bezeichnete ihn als genialen Ingenieur und Erfinder und hielt uns Schüler zu Respekt gegenüber Herrn Mettler an.

 

Angaben über Hans Mettler von Personen, die in seiner näheren Umgebung wohnten:

 

In seinen letzten Lebensjahren war Mettler stark schwerhörig. Besucher mussten sich mit Hammerschlägen auf Tisch oder Wände bemerkbar machen, wenn er am Arbeiten war (siehe auch Bericht über seine Rossbergreise vom 22.9.1946).

 

Die letzten ein- bis zwei Lebensjahre wohnte er im Altersheim Kappel am Albis im Kanton Zürich.

 

Er besaß eine kleine Drehbank mit Fußantrieb.

Er soll für die Tabakindustrie in Ungarn Hygrometer geliefert haben.

 

Er hat an einem Windrad zur Erzeugung von Energie herumkonstruiert und auch Prototypen gebaut, die aber anscheinend nie richtig funktioniert haben. Er hatte mit den Bauern seiner Umgebung Streit, weil sie ihm nicht erlaubten das Windrad an einem seiner Meinung nach bestgeeigneten Standort aufzustellen. Er schrieb das der Einfältigkeit und Ungebildetheit seiner bäuerlichen Nachbarn zu.

 

Er lag im ständigen Streit mit ETH und Patentamt über irgendwelche Erfindungen. Scheinbar hat er Dinge erfunden, die es schon gab. Er hat sich wahrscheinlich in fixe Ideen verrannt und wurde deshalb zunehmend zu dem, wie er von der Bevölkerung wahrgenommen wurde (Spinner, durchgedreht).

 

Bei seiner Beerdigung im Hirzel sollen nur 2 – 3 Personen anwesend gewesen sein (keine Verwandten).

 

Neben  den vorstehenden Zeitzeugenberichten, deren Bewertung ein jeder selbst vornehmen mag, die aber sicherlich auch viel Wahres in sich tragen, haben sich auch einige Fotos von Herrn Hans Mettler erhalten, die ihn in seiner Bleibe in Hirzel, dem Bienenhaus im Weiler Zimmerberg zeigen.

 

Diese hervorragenden und seltenen Aufnahmen sind vermutlich zum 80. Geburtstag von Hans Mettler am 17.04.1962 entstanden. Sie zeigen ihn in seiner Umgebung und beim Wirken an der Feuerstelle im Erdgeschoss sowie am Schreibtisch im Dachgeschoss.

Die Fotografien sind in dem ehemaligen Bienenhaus entstanden, in dem er wohnte, und zeigen die Fülle an Büchern, die er gehabt haben muss, wie auch seinen weißen Tropenhelm, den er aus Afrika mitgebracht haben dürfte.

 

Schon jetzt darf aber besonderer Dank auch schon Herrn Willi Senn aus Au bei Zürich für seine Unterstützung zu Teil werden. Herr Senn ist auf dem Bauernhof in Zimmerberg aufgewachsen, zu dem das ehemalige Bienenhaus gehörte, in dem Hans Mettler zuletzt wohnte. Herr Senn hat tatsächlich noch eine Mappe mit ca. 70-80 Seiten Kopien von Schreiben des Hans Mettler gefunden, die er kopieren möchte, und die es noch auszuwerten gilt.

 

So weit bekannt, war Hans Mettler nie verheiratet, und hat als einziger Sohn seiner Eltern auch keine Nachkommen hinterlassen. Nach seinem Tod wurde sein Nachlass wohl von Verwandten aufgelöst und bis auf Verwertbares vermutlich leider entsorgt.

 

Wie die nachstehende Ahnentafel der Familie zeigt, gibt es durchaus noch Nachfahren der Großeltern von Hans Mettler, aber die Linie seiner Eltern hat er beschlossen.

 

Nicht bekannt ist, wann Hans Mettler seine Arbeit in der Werkstätte, zuletzt in Hirzel ansässig, eingestellt hat. Zumindest wird er in dem 1944 herausgegebenem Buch "Die Präzisions-Industrie und Feinmechanik in der Schweiz" noch al Lieferant für Barometer und Barographen gelistet.

 

Hans Mettler starb am 09.11.1965 im Alter von 83 Jahren.

 

Ein Nachruf, so wie es sie für seine Vorgänger als Betreiber der Werkstätte für Präzisionsmechanik in der Trittligasse in Zürich Jakob Goldschmid (1815-1876), Rudolf Hottinger (1834-1883) und Th. Usteri-Reinacher (1841-1918) in der wissenschaftlichen Fachpresse gegeben hat, scheint es für Hans Mettler nie gegeben zu haben.

 

Dafür hatte sich Hans Mettler vermutlich schon zu lange aus dem aktiven Geschäftsleben und der Fachpresse verabschiedet. 

 

Literatur und Veröffentlichungen

 

Hans Mettler hat der Nachwelt einige Bücher hinterlassen, die er verfasst und veröffentlicht hat.

 

Vor allem hat er aber zuerst einmal einen Flugapparat erfunden, den er „Dynamischer Flieger“ nannte.

 

1909     Patentschrift Hauptpatent-Nr. 45580 – Dynamischer Flieger

Eidgen. Amt für Geistiges Eigentum, Schweiz. Eidgenossenschaft

 

Eine eher abenteuerliche und  vermutlich nie gebaute Flugzeugkonstruktion. Ein Mehrfachdecker, der sechs Propeller nebeneinander und in 2 Reihen hintereinander zwischen den Tragflächen angeordnet hatte, und dessen Flugkabine wie ein Boot an der Flügelkonstruktion hing und damit je nach Anstiegswinkel die Position zu den Flügeln ändern sollte. Eine Art Senkrechtstarter, oder ein Vermischung eines Hubschraubers und eines Flugapparats.

 

Um dieses Patent muss es über Jahre hinweg Streitigkeiten gegeben haben, die Hans Mettler auch später noch in anderen Werken erwähnt. Auf diesen Erfahrungen aufbauend hat er gerade auch seinen Büchern „Graphische Berechnungs-Methoden“ immer wieder erwähnt, dass er seine Erkenntnisse lieber jetzt aufzeichne und veröffentliche, bevor noch mehr Kopien seiner Ideen unter fremdem Namen veröffentlicht würden.
 

Auf der Grundlage der Patenterfindung ist dann auch sein erstes Buch erschienen:

 

1909       Automatisch stabililer Aeroplan: konstruiert nach den Resultaten vergleichender Studien über Auftrieb, Fahrtwiderstand,

              Geschwindigkeit und Energiebedarf der Luftfahrzeuge

              Verlag Gebr. Leemann & Co. Zürich

Das Buch stellt ein ausführliche Beschreibung der Erfindung des Aeroplan von Hans Mettler dar.

 

Das Buch von Hans Mettler „Automatisch stabiler Aeroplan“ ist nicht in dem Standardwerk zur Luftfahrtgeschichte „Bibliography of Aeronautics 1863-1909“ von Paul Brockett, erschienen 1910, verzeichnet. Das dürfte sicherlich daran liegen, dass sich die Erscheinungsdaten beinahe überschneiden. Was aber wohl auch dazu geführt hat, dass das Buch von Hans Mettler kaum große Verbreitung gefunden haben mag und daher eben auch selten zu finden ist.

Man bedenke, dass gerade mal 1909 z.B. in Frankfurt am Main die 1. Internationale Luftfahrtausstellung (ILA) stattfand, und man dort durchaus noch eine Vielzahl an Ballonen, Zeppelinen und Segelgleiter neben den ersten motorisierten Flugzeugen zu sehen bekam.

 

 

 

1909     Widerstand der Gase : an terrestrischen und kosmischen Vorgängen erläutert

            Verlag Gebr. Leemann & Co. Zürich

 

1910     Graphische Berechnungs-Methoden: Im Dienste der Naturwissenschaft und Technik, Band 1

            Verlag Gebr. Leemann & Co. Zürich

 

1911     Graphische Berechnungs-Methoden: Im Dienste der Naturwissenschaft und Technik, Band 2

            Verlag Gebr. Leemann & Co. Zürich

 

1912      Graphische Berechnungs-Methoden: Im Dienste der Naturwissenschaft und Technik,

             Band 3 – Aeromechanik

             Verlag Gebr. Leemann & Co. Zürich

 

1913      Graphische Fragmente von Hans Mettler, Masch.-Ing.

             Verlag Gebr. Leemann & Co. Zürich

 

1915     Der Fixsternhimmel: Sammlung von 8 Sternkarten, frontal nach Nord und Süd orientiert

            mit weissen Sternen auf blauem Grund, nebst kurzem Text für Freunde der Astronomie,

            Studierende u. Schulen entworfen und hrsg. von Hans Mettler

            Verlag Gebr. Leemann & Co. Zürich

 

 

1927     Probleme und Konstruktionen aus der Hydrometrie

            Verlag Gebr. Leemann & Co. Zürich

 

Ein wirkliches Meisterwerk der graphischen Darstellung von hydrographischen Zusammenhängen geht. Anschaulich erklärt wird, womit sich Hans Mettler auf seinen Auslandsreisen, aber auch bei seiner Tätigkeit für die Schweizerischer Wasserwirtschaft beschäftigt hat.

 

Im Anhang des Buches finden wir zum einen eine sehr schöne Anzeige mit Angebotsbeschreibung seiner Werkstätte: 

 

 

Aber eben auch eine hervorragende Zusammenfassung der Aufgaben für die Verwendung der Aneroidbarometer, die Hans Mettler später in seinem Buch „Probleme und Konstruktionen aus der Barogonometrie“ noch vertiefen wird.

 

Die nachstehende Beschreibung der Barogonometrie findet sich in dem Buch von Hans Mettler „Probleme und Konstruktionen aus der Hydrometrie“:

 

Die Abbildungen 1 bis 11 sollen einen ungefäh­ren Begriff über Wesen und Anwendungsbereich der Barogonometrie vermitteln.

   1a  Darstellung der Abnahme des Luftdruckes bei zunehmender Erhebung über Meeresniveau, sowie der horizontalen, von der Terraingestaltung nicht beeinflussten Lage der Schichten gleichen Druckes.

   1b  Mathematische Beziehung zwischen der Höhe H über Meeresniveau und dem Barometerstand B. Die eingeschriebenen Zahlen sind Mittelwerte; sie stimmen ordentlich im Frühling und Herbst, würden aber an heissen Sommertagen oder bei strenger Winterkälte stark von der Wirklichkeit abweichen.

   1c  Barometer, Thermometer und Gonometer sind die drei Instrumente, mit welchen sämtliche nachfolgend skizzierte Aufgaben gelöst werden können. Alle drei können in den Taschen oder in einem Etui nachgetragen werden. Messgehilfen sind überflüssig. Nähere Auskunft über Preis, Lieferzeit usw. auf Verlangen.

   2  Die Zeichnung stellt ein Gelände dar, das sich zu barogonometrischen Aufnahmen eignet. Unter anderm können hier bestimmt werden: Die Höhe der Berggipfel und Pässe, ausgehend von einem bekannten Fixpunkt in der Ortschaft; das provisorische Tracé von Bergstrassen, Bahnen und Leitungen, Wald- und Alpwegen; der Verlauf der Schnee- und Baumgrenze; der Wasserdruck zwischen Quellfassung und Ortschaft; die Mächtigkeit geologischer Schichten; die vertikale Erstreckung des Vorkommens gewisser Pflanzen; die Niveaulinien im Bereiche projektierter Stauseen u. a. m.

   3  Ein vorläufig nur wie ein Katasterplan in der Situation (z.B. 1 : 10,000, 1 : 5000, 1 : 1000) dargestelltes Gelände wird mit Barometer und Thermometer abgeschritten. Das Ergebnis sind die Höhen markanter Punkte, aus welchen dann die Linien gleicher Höhe konstruiert werden. Das Verfahren heisst «Flächennivellement». Dies ist bisher die wichtigste technische Anwendung der barometrischen Höhenbestimmung. (Generelle oder Vorprojekte für Bahnen und Strassen, militärgeographische Arbeiten usw.)

   4  Auf Forschungsreisen wird das Profil des Reiseweges nach dem barometrischen Verfahren er­mittelt, die horizontalen Strecken meist durch Abschreiten oder mit einem Distanzmesser. In hügeligem Gelände wird das Gonometer dem Distanzmesser vorzuziehen sein.

   5  Die Höhe der Luftfahrzeuge über dem Erdboden wird angezeigt durch die mitgeführten Aneroidbarographen. Bei abnormalen Temperaturverhältnissen muss auch ein Thermograph dabei sein, andernfalls gibt es falsche Höhen. (Vorsicht bei der Berechnung von Höhenrekorden!)

   6  Barometer und Thermometer für sich allein gestatten nur die Ermittlung von Höhendifferenzen H oder Koordinaten z der Stationen P, somit Distanzen parallel zur Vertikalaxe Z. Die Entfernungen in der Horizontalebene müssen auf andere Weise ermittelt werden. Die von mir eingeführte Neuerung besteht nun darin, dass die barometrisch gefundenen Vertikalstrecken als Basis für die Berechnung der Horizontalstrecken dienen müssen, wobei der mit einem dritten Instrument gemessene Vertikalwinkel a den Uebergang vermittelt. H und L sind Katheten eines rechtwinkligen Dreiecks mit dem Visierstrahl P1 P2 als Hypothenuse. Darum gilt die einfache Beziehung L = H : tg α. Dieselbe bildet die Grundlage der Barogonometrie. Es ist ohne weiteres klar, dass der Verwendungs­bereich der Barometer bei Mitbenützung eines Gonometers um vieles grösser wird.

    7  Anwendung des soeben erläuterten Verfahrens auf die topographische Aufnahme einer Gebirgs­gegend. Dieselbe ist perspektivisch. nach den Koordinaten X, Y, Z gezeichnet.

   8  Projektion der Messstationen P1, P2, P3 .... P auf die XY-Ebene. Die gegenseitige Lage der Punkte P zu einander ist während der Messung noch unbekannt, einstweilen erhält man nur die Höhen H und Längen L. Setzt man jetzt diese L zusammen, indem man Kreisbogen schlägt, so findet man die genaue Position der P. Die fortgesetzte Anwendung der beschriebenen Methode liefert schliesslich ein Netz von Terrainpunkten und Verbindungslinien zwischen denselben, ohne dass hiebei horizontale Winkel gemessen werden, wie bei der gewöhnlichen Triangulation. Hier beruht alles auf einer einzigen Anfangsbasis, bei der « Barotriangulation » dagegen sind so viele Basen H wie Punkte P vorhanden.

   9  Zeigt die Barotriangulation für den Fall, dass die Stationen nahe bei einander liegen. (Stückvermessung an einem Berghang.) Bei nahen Objekten ist es nötig, die Höhe des Gonometers über dem Boden in Rechnung zu stellen. Zwei Stäbe A und B an verschieden hoch gelegenen Stellen dienen dann als Basispunkte für die Einmessung der Stationen P.

10a  gibt eine Anwendung von Barometer und Gonometer zur Messung von Baumhöhen H an Abhängen. Das Gonometer, welches für diesen Zweck horizontal eingestellt wird und als Nivellierinstrument dient, braucht der Beobachter so lange, bis er mit dem Auge in die Höhe der Wurzel oder der Krone des Baumes gekommen ist. In den beiden derart gefundenen Niveaus liest er Barometer und Thermometer ab und errechnet daraus die Höhe des Baumes.

   10b  zeigt, wie man von einem Hause aus die Entfernung anderer Objekte in der Umgebung erhält.

   11a  deutet an, wie man auf einem Gelände Linien gleicher Höhe abstecken kann. Hiezu muss das Gonometer horizontal als Nivellierinstrument eingestellt sein; ferner wird eine geteilte Stange aufgepflanzt und beim Abschreiten des Geländes fortwährend auf die gleiche Höhenzahl der Stange gezielt.

   11b  veranschaulicht die Methode der topographischen Fixierung eines unzugänglichen Punktes P (z.B. ein Punkt an einer Felswand, über einem Fluss, in einem Sumpf, auf Firn und Gletscher, eine Turmspitze, eine feindliche Batterie- oder Infanteriestellung). Mit dem horizontal gestellten Gonometer sucht man einen Gegenpunkt Q in gleicher Höhe wie P, entweder am selben oder am gegenüberliegenden Abhang. Dann liest man in A und Q Barometer und Thermometer ab und berechnet aus ihren Angaben die Höhendifferenz H. Ferner benutzt man das Gonometer zur Messung des Vertikalwinkels a des Visierstrahles A bis P. Beide Messungen ergeben gemäss 6 die gesuchten Grossen H und L für den unzugänglichen Punkt P.

Auf der folgenden Seite sehen wir die Skizzen von Hans Mettler zu den einzelnen Anwendungsbeispielen und auch den dafür von ihm gefertigten Instrumenten.

 

 

Bei sehr flachem Terrain hat, wie aus obigem leicht ersichtlich ist, die Barogonometrie keine Existenzberechtigung, es wäre denn, dass zufällig hohe Bezugsobjekte, Häuser, Türme, besteigbare Bäume usw. zur Verfügung ständen. Hingegen ist sie im Hügelland und Gebirge wohl das einfachste und billigste Verfahren, wenn es sich darum handelt, nur wenige. charakteristische Punkte des Terrains topographisch aufzunehmen. Die photogrammetrische Aufnahme arbeitet wohl rascher, erheischt aber eine sehr teure und komplizierte Apparatur, ist ferner sehr von den Lichtverhältnissen abhängig und kann nicht schon auf dem Felde ausgearbeitet werden. Die altern Aufnahmeverfahren, z. B. mit Messtisch und Kippregel, Theodolit und Latte, Tachymeter, Kompass usw. benötigen zu ihrer Durchführung im­mer mehrere Mitwirkende, während die barogonometrische Fixierung der Terrainpunkte durch den Techniker allein ohne Beizug von Gehilfen ausgeführt werden kann. Dementsprechend ist er freier in seinen Dispositionen, kann günstige Verhältnisse besser ausnützen und auf alle Fälle viel billiger arbeiten. Da die drei Instrumentchen nur wenig wiegen, können sie dem Bergsteiger als einfaches Hilfsmittel dienen, um auf seinen Touren nebenbei Studien zu betreiben, z. B. über Gletschertopographie, Geologie, Pflanzengeographie, oder auch nur, um die eine oder andere Felspartie der Höhe und Entfernung nach einzumessen.

 

 

Die beschriebenen Aufgaben sind sämtlich vermessungstechnischer Art, die auch in der Zeit um Entstehung des Buches bereits standardmäßig mit Nivelliergeräten und Theodoliten ausgeführt wurden. Einige von ihnen sogar seit dem 1. Weltkrieg durch Bildvermessung aus der Luft, auch Photogrammmetrie genannt.

Hans Mettler hat diese Anwendungsbeispiele aber wohl so ausführlich definiert und beworben, da eben genau dies der Grund dafür gewesen sein dürfte, dass der Absatz der Aneroidbarometer nach dem System Jakob Goldschmid doch sehr rückläufig gewesen sein dürfte. 
Genauere Messmethoden hielten Einzug in die Vermessung und dies konnte wohl auch durch die Erfindung der Barogonometrie nicht aufgehalten werden.

 

1931       Probleme und Konstruktionen aus der

              Barogonometrie

              Verlag Gebr. Leemann & Co. Zürich

 

Dieses Buch stellt sicherlich das Hauptwerk des Hans Mettler dar, sofern es um die Aneroidbarometer nach dem System Jakob Goldschmid geht.

 

Hans Mettler definiert in diesem Buch nochmal ausführlich den von ihm geschaffenen Begriff der Barogonometrie, zeigt die dafür von ihm angebotenen Instrumente auf, und beschwert sich aber auch gleichzeitig, dass modernere Messmethoden den Absatz der Aneroidbarometer nach dem System Jakob Goldschmid doch stark zurück gehen lassen.

 

In dem Kapitel „Beschreibung der Instrumente“ beschreibt Hans Mettler ausführlich, wie er die Konstruktion der Aneroidbarometer nach dem System Jakob Goldschmid noch weiter verbessert hat:

 

A. Das Aneroidbarometer System Goldschmid

 

     Den Namen hat es von seinem Erfinder, Jakob Gold­schmid, Mechaniker, Zürich, der die Werkstätte 1836 von seinem Verwandten Oeri übernahm und bis zum Ableben 1876 behielt. Die Gründung reicht auf das Jahr 1808 zurück und ein Amboß trägt noch die Jahrzahl 1810, desgleichen ein selbstverfertigter, verstell­barer Schraubenschlüssel den Vermerk: Oeri 1810. Es ergibt sich nach allem, was bisher bekannt wurde, daß diese Werkstätte eine der ältesten in der Schweiz war, die sich mit mathematischen Instru­menten befaßte.

 

     Nun zum Aneroidbarometer Goldschmid. Ursprünglich bestand dasselbe aus den folgenden Hauptteilen (Fig. 48):

1.  Einer möglichst luftleer gepumpten Dose aus Neusilberblech.

2.  Dem auf der Dose festgelöteten Zeiger mit Fühlfeder.

3.  Der Mikrometerschraube mit Trommel und Teilung.

4.  Einer feststehenden Ableselupe.

5.  Dem Metallgehäuse, welches obige Bestandteile zusammenhält.

 

     Alles dieses war ständig in einem Etui untergebracht, einesteils zum Schütze vor Beschädigung, dann aber auch zur Milderung schroffer Temperaturwechsel. Das große Modell oder Nivellierbaro­meter besitzt übrigens noch einen Tragriemen und ist durch denselben vor Sturz und bösen Folgen gesichert. Anfänglich war der Zeiger auf der Dose festgemacht und seine Bewegung nur gleich derjenigen des obern Dosenendes, im Maximum ca. zwei Millimeter. Die Mikro­meterschraube erlaubte wegen ihrer geringen Steigung von 1/4 Milli­meter per Trommeldrehung diesen Weg ziemlich scharf zu messen, da der Trommelumfang 100 Teile aufweist. Neben dem vordem Zeigerende läßt eine vertikale Skala jede volle Drehung der Schraube ablesen. Die zwischen dem eigentlichen Zeiger und der Mikrometer­spitze eingeschaltete Fühlfeder bezweckt, das unsichere Gefühl der Hand durch den stets sich gleich bleibenden Druck einer äußerst schwachen Feder zu ersetzen. Ohne dieses Hilfsmittel wäre ein ge­naues Einstellen unmöglich und das Instrument wertlos. Ähnliche Vorrichtungen bestehen auch an ändern Feinmeßwerkzeugen. Von wem der erste Ge-danke dazu stammt, weiß ich nicht. Jedenfalls hat Goldschmid die Wichtigkeit dieses Zwischenorgans bald erkannt, während andere auch jetzt noch seinen Zweck nicht einsehen können. Da mit bloßem Auge die Bewegung kaum sicher und scharf genug verfolgt werden kann, wird sie mit einer Lupe beobachtet. Das Aneroid Goldschmid besitzt somit eine mechanische und eine optische Vergrößerung der Dosenbewegung. Später wurde die mechanische noch weiter getrieben durch eine die Dose anspannende und den Zeiger nahe seinem Drehpunkte stützende Blattfeder (Fig. 49, 50 und 51). Scheinbar handelt es sich um ein Instrument einfachster Bauart; in Wirklichkeit ist die Herstellung aber mit etwelchen Schwierigkeiten verknüpft. Als Fabrikant der Aneroide erteile ich natürlich keinen näheren Aufschluß.

 

 

Außer dem vorhin beschriebenen Goldschmid- oder Usteri-Aneroid fertigte man seinerzeit noch das Weilenmann-Aneroid, das Professor Weilenmann in Zürich zum geistigen Urheber hatte (Fig. 53). Fünf zusammengelötete Dosen tragen oben ein Stäbchen mit eingeritzter Strichmarke, deren je­weilige Höhenlage durch eine Visierlupe mit Fadenkreuz, sowie eine Mikrometerschraube nebst Skala abgelesen werden kann, somit auch der Luftdruck. Um all-fällige Veränderungen im Mechanismus nach­weisen und in Rechnung stellen zu können, besaß das Weilenmann-Aneroid eine zweite Strichmarke auf einem am Gehäuse selber festgelöteten Stäbchen. Die an und für sich gut ausgedachte Konstruk­tion hat sich jedoch nicht durchsetzen können. Zu großes Gewicht, unhandliche Außenform und gewisse Nachteile im Gebrauche mögen dabei den Ausschlag gegeben haben.

     Die neueste Ausführung des Mikrometer-Aneroides ist in Fig. 54, 55 und 56 veranschaulicht und hat den Verfasser dieser Schrift mehrere Jahre Nachdenken, Werkstattarbeit und Probieren gekostet. Von der normalen Bauart nach Goldschmid, resp. Usteri-Reinacher weicht mein Erzeugnis in folgenden Punkten ab:

 

1.  Die Höhe des Aneroides beträgt nur 2/3 der früheren, während der Durchmesser unverändert ist. Beim Tragen am Körper macht sich die flachere Form angenehm bemerkbar.

2.  Die Mikrometerschraube besitzt eine etwas geringere Steigung und dafür mehr Stärke, sowie eine dauernd federnde, sehr solide Lagerung.

3.  Die Blattfeder zum Anspannen der luftleeren Dose ersetzen zwei Spiralfedern, was zwar nur fabrikationstechnisch als Vorteil be­wertet werden kann.

4.  Eine im Boden des Aneroides befindliche Korrektionsschraube gestattet das Verstellen des untern Dosenendes von außen her, somit auch die Justierung des Zeigerstandes.   Für die gleiche Operation muß das Usteri-Aneroid stets auseinandergenommen werden, was ohne Schaden nur in der Werkstätte selber gemacht werden darf.

5.  Der Fühlfederzeiger, das Sorgenkind der früheren Modelle, dessen Berührung und Verbiegung durch unkundige Hände die Aneroide vollkommen gebrauchsuntauglich machen und wieder­holte Eichung, sowie neue Korrektionstabellen erfordern konnte, ist durch ein Gewichtszeigerchen 13) ersetzt.  Dasselbe ist gegen zufällige schädigende  Einwirkungen von außen geschützt, be­wirkt immer den gleichen Anpressungsdruck auf den tragenden Mechanismus und garantiert aus diesem Grunde nahezu unver­änderliche Korrektionskurven.

6.  Die Ableselupe steht fest, wie beim ursprünglichen Goldschmid-Aneroid, während die  Nivellieraneroide von  Usteri-Reinacher eine schwenkbare Lupe besitzen, die stets genau auf die Höhe der Zeigerenden gestellt werden muß, um Parallaxenfehler zu vermeiden.

7.  Die vertikale Skala wird durch die Mikrometerschraube verstellt, ähnlich wie die Skalen der sogenannten Profilinstrumente, welche man an den Schalttafeln von Elektrizitätswerken häufig zu sehen bekommt.

8.  Das Etui besteht bei meinem Modell nur aus zwei Teilen; da­von kann der Deckel um ein Scharnier aufgeklappt werden. Alle älteren Aneroide haben dreiteilige Etuis und zwei Scharniere.

9.  Im Deckel des Etuis sind untergebracht und beim Aufklappen sofort ablesebereit die graphischen Korrek­tionen für Teilung und Temperatur, nebst der Gradiententafel zur Höhenberechnung. Damit ver­schwinden die bei den früheren numerischen Korrektionstabellen nötigen, sehr lästigen Interpolationen.

 

     Alles in Betracht gezogen und gleich genaue Arbeit voraus­gesetzt, darf mein Mikrometeraneroid als eine wesentliche Verbesse­rung der Goldschmid- und Usterifabrikate bewertet werden und es ist nur zu bedauern, daß die Absatzaussichten nicht mehr so rosig stehen, wie vor einigen Jahrzehnten während den vielen Bahnbauten und als die Photogrammetrie noch in den Kinderschuhen steckte, so­mit noch keine Konkurrenz für Feldaufnahmen bedeutete.

     Nachdem das Aneroid, sei es nun ein älteres oder neueres System, im Rohbau fertig ist, wird es einer vorläufigen Probe auf Empfindlichkeit gegen Temperaturschwankungen und richtiges Passen seiner Teile unterworfen. Nachher wird poliert, lackiert u.s.w. Zu der eigentlichen Prüfung und Eichung macht man es (ohne Etui) in einer pneumatischen Kammer fest und stellt es mittels einer von außen her bedienbaren Greifzange auf den jeweils gewünschten Luftdruck ein. Die pneumatische Kammer ist durch Röhren mit einem Quecksilberbarometer (Fig. 52 zeigt die gewöhn­liche Ausführung eines solchen, das Vergleichsbarometer besitzt eine 13 mm weite Röhre und großes Gefäß) und einer Luftpumpe in Ver­bindung, mit welcher sowohl verdünnt als auch verdichtet werden kann. Mit dieser Apparatur sind Skalavergleichungen zwischen 890 bis 170 Millimeter Quecksilbersäule ausführbar; normalerweise muß jedoch nur von 800 bis 400 mmHg verglichen werden, entsprechend den ungefähren Höhen minus 400 bis plus 5100 Meter über Meer. Das Ergebnis dieser Probe nennt man Skala- oder Teilungskor­rektion, ausführlicher gesagt die tabellarische Zusammenstellung der Beträge, um welche die Aneroidablesungen vermehrt werden müssen, um mit dem Queck-silberbarometer in Übereinstimmung zu sein. Da auch die Ablesungen an diesem nicht ohne weiteres den richtigen Luftdruck ergeben, sondern hauptsächlich mit Temperatur-und Gefäßkorrektion, allfällig auch mit Kapillardepression und Schwerereduktionen zu verbessern sind, stellt die Eichung eines Baro­meters immer eine etwas umständliche Sache vor, was im Preis des Instrumentes einigermaßen zum Ausdruck kommt. Ein nicht sorg­fältig geprüftes Aneroid taugt aber auch nicht viel und deshalb lassen sich die Mehrkosten sehr wohl rechtfertigen.

     Weiter ist noch zu ermitteln die definitive Temperatur ­oder Wärmekorrektion, 14) zu welchem Zwecke das Aneroid in

 

einen heiz- und kühlbaren Kasten gebracht wird. Erweist es sich als nahezu unempfindlich gegen Änderungen der Temperaturen, dann fertigt man das Begleitheft aus. Dieses enthält die Skala- und die Temperaturkorrektion in graphischer Form (früher in Zahlen, was zu umständlichen Interpolationen nötigte). Sind die Korrektions­kurven nur wenig gekrümmt, so will dies sagen, daß ein fast paralleler Gang mit dem Quecksilberbarometer und eine geringe Empfindlich­keit gegen Temperaturschwankungen vorliegen. Stark gekrümmte Kurven deuten auf entgegengesetzte Eigenschaften. Es ist allerdings nicht ausgeschlossen, daß ein Aneroid mit stark gekrümmten Kurven ebenso genaue oder vielleicht noch schärfere Höhenunterschiede liefert, als ein solches mit flachen, wenn nämlich das erstere leichter einspielt, was hauptsächlich vom Fühlzeiger abhängt. Man soll da­her nicht ausschließlich aus der Form der Korrektionslinien auf die Güte des Aneroides schließen wollen, diese zeigt sich erst nach länge­rem Gebrauch an Hand der erzielten Genauigkeit.

     Vor dem Versand werden die Aneroide noch auf den Druck der Außenluft eingestellt. Der Transport mit Post, Bahn, Schiff oder Aeroplan bringt es aber mit sich, daß bei der Ankunft am Bestim­mungsort wieder nicht mehr alles so ist, wie beim Abgang vom Probierstand. Während dem Gebrauch des Instrumentes in Feld, Wald und Gebirge kann es ferner trotz aller Vorsicht zuweilen ge­schehen, daß der Träger mitsamt dem Aneroid stolpert und dasselbe dadurch starken Stößen aussetzt.15) Mit Berücksichtigung des Um-standes, daß Verschiebungen von nur  1/1000 Millimeter an der Dose Fehlerergebnisse von einigen Metern Höhe bewirken können, wird man gut tun, das Aneroid nach allfälligen Stürzen wieder mit einem Quecksilberbarometer zu vergleichen und die Standkorrektion neu zu ermitteln. Ist kein solches vorhanden, so bedient man sich anderer Hilfsmittel, und als solches wäre z. B. das Hypsothermometer verwendbar, in der Form, wie es auf Forschungsreisen häufig benützt wird (Fig. 58).

     Die vorhin erwähnte Stand- oder Nullpunktkorrektion, welche neben der Skala- und Wärmekorrektion auftritt, kann bei den neueren Aneroiden durch eine Schraube jederzeit verändert oder gleich Null gemacht werden. Das letztere empfiehlt sich jedoch nicht, weil allzuvieles Korrigieren der Genauigkeit des Instrumentes kaum förderlich ist. Man merke sich einfach die Beträge, um welche das Aneroid zu tief oder zu hoch zeigt und stelle sie in Rechnung.

     Beim Mikrometeraneroid liest man den Luftdruck nicht auf einem Zifferblatt ab, sondern man findet die Hunderter und Zehner an der vertikalen Skala unter der Ableselupe, die Einer, Zehntel und geschätzten Hundertstel Millimeter Quecksilbersäule dagegen auf der Trommel und von freiem Auge. Beim normalen Nivellieraneroid ist ein Millimeter Luftdruckunterschied zwischen zwei um ca. 23 mm auf dem Trommelumfang voneinander abstehenden Strichen enthalten, beim kleinen Modell, dem Taschenaneroid, sind es ca. 3 mm. Kein anderes Aneroidsystem besitzt bei gleichen Dimensionen so große Intervalle (ein Zeigeraneroid in Uhrenform von 70 mm Durchmesser enthält schon auf 0.5 mm Strichabstand einen Luftdruckmillimeter!). Wenn daher die luftleere Dose und die übrigen Mechanismen reibungsfrei einspielen, muß ein Mikrometeraneroid unbedingt jedem Zeigeraneroid überlegen sein. Auch die elastische Nachwirkung, das Schreckgespenst vieler Barometerbenützer, ist beim Mikrometeraneroid sehr klein, weil seine Dose bei Änderungen des Luft­druckes nur äußerst wenig arbeiten muß. Allerdings erfolgt dafür die Einstellung der Zeiger nicht von selbst, sondern erst nach einiger Drehung der Mikrometerschraube von Hand und dies wird vielfach als ein lästiger Nachteil empfunden. Bei Vermessungsarbeiten sollte man aber meinen, die Genauigkeit sei wichtiger als die Bequemlichkeit.

     Jedem Aneroid ist eine Gebrauchsanleitung beigegeben, die nebst den Korrektionen noch Beispiele für die Luftdruck- und Höhenbestimmung enthält. Sie befindet sich im Begleitheft und abgekürzt auch im Etui des Aneroides, sodaß bei allfälligem Verlust noch ein Ersatz da ist. (Man beachte auch Fig. 67-70.) Damit kann nun die Beschreibung des Aneroides verabschiedet werden und die nächsten Erörterungen betreffen.

 

13) Nur beim Nivellieraneroid, d. h. beim großen Modell. Das Taschenaneroid für Touristen besitzt nach wie vor ein Feder-Fühlzeigerchen.

14) Dieselbe bezieht sich auf die Temperatur des Aneroides oder seiner Dose selber und nicht auf diejenige der Umgebungsluft. Je nach der Art, wie man das Aneroid trägt, wird auch seine Temperatur etwas von derjenigen der freien Luft abweichen, nach Dr. Koppe durchschnittlich um +/- 5 °, nach meiner Erfahrung eher weniger und ganz unmerklich, sobald man gemäß Gebrauchs­anleitung das Aneroid vor der Ablesung einige Minuten ablegt und unterdessen die Wetternotizen und das Messen der Freilufttemperatur erledigt. Dann ist auch die Krümmung der Korrektionskurve so gering, daß die Befestigung eines Thermometers am Aneroid selber, wie dies früher geschah, überflüssig wird.

15) Eine derartige unbeabsichtigte Prüfung auf Stärke und Unveränder­lichkeit erlitt mein Aneroid bei der Rückkehr von der Silberntour (pag. 31), als ich auf einer nassen Steinplatte ausglitt und rücklings mit Pickel und Ruck­sack auf das Aneroid fiel. Das Etui hielt jedoch stand und wurde nur zer­kratzt; ferner ließ sich zu Hause lediglich eine kleine Standänderung nach­weisen. Somit kann das Instrument mit vollem Recht als solid gebaut bezeichnet werden.

 

In dem Kapitel „Aufzählung von Problemen, die  mit Aneroid, Thermometer und Gonometer lösbar sind“ geht Hans Mettler nochmal eingehend auf all die Anwendungsbereiche für die Aneroidbarometer nach dem System Goldschmid und seiner Weiterentwicklung ein, um nochmals Werbung für seine Instrumente zu machen.

 

Aufzählung von Problemen, die mit Aneroid, Thermometer und Gonometer lösbar sind.

 

Alpinistik: Höhenunterschiede, Standorte von Pflanzen, Mine­ralien, erratischen Blöcken. Aufnahme von Gelände-skizzen, Gletscher-Längs- und Querprofilen, Moränen, Lawinen, Schutt­kegeln und Murgängen. Wetterbeobachtungen an geeigneten Stellen, allerlei Notizen über dies und das.

 

Botanik: Begrenzung der Höhenzonen, innert welchen diese oder jene Pflanze gedeiht. Temperatur- und Druckver-hältnisse.

 

Bauwesen: Generelle Vorarbeiten für Eisenbahnen, Straßen, Ka­näle, Leitungen, Brücken, Staudämme, Turbinen-anlagen, Wasser­speicher, Drainagen. Abstecken von Böschungen, Horizontalen, Tracierung von Wegen für die Materialzu- und -abfuhr. Klein­nivellements für gewerbliche Zwecke (Mühlen, Sägereien, Gartenanlagen, Kanali-sationen, Fördereinrichtungen etc.).

 

Elektrizität: Bestimmung von Höhendifferenz und Horizontal­abstand entfernter Freileitungsmaste, im besondern beim Traversieren von Schluchten, Flüssen, Sümpfen, Felshängen und anderweitigen Hindernissen.

 

Forstwirtschaft: Höhe einzelner Bäume oder ganzer Bestände, Baumgrenzen auf Sonn- und Schattenseite, Ausmaß und Steilheit von Waldparzellen, Abstecken von Wegen im Bergwald, Holz­transportanlagen.

 

Geographie: Höhe von irgendwelchen Punkten des Geländes, im besondern von Berggipfeln, Paßübergängen, Straßenkreu­zungen, Gewässern, Ortschaften, Gletschern und Firnfeldern. Vertikale und horizontale Abstände von Ort zu Ort. Gefalle von Wasserläufen, Lawinenzügen, Steinschlaghalden. Lagebestim­mungen auf Forschungsreisen.

 

Geologie: Höhenlage, Ausdehnung, Dicke und Volumen der ver­schiedenen Materialvorkommen, Fallen und Streichen der Schichten (eventuell mit Beizug von Sondierlöchern), Kartie­rung von erratischen Blöcken, Mineralfundstätten, Kubatur von Bergschlipfen.

 

Hydrologie: Eis- und Schneegrenze, Wachstum und Schwund der Gletscher, Neigung und Profile der Wasserläufe, Kontrolle des Grundwasserstandes und seiner Änderungen infolge von Wasser­fassungen, Flußregulierungen, Kanälen und Terraineinschnitten.

 

Landwirtschaft und Meliorationen: Ausmessung von Alp­wiesen, wenig produktiver Berggüter, Sümpfe, Rutschungen. Vorarbeiten für Wegebauten, Drainagen, Pumpwerke, Wasser­leitungen, hydraulische Widder, Wasserversorgungen einzelner Gehöfte und Weiler.

 

Luftfahrt: Kontrolle der Höhe im Aeroplan und Ballon mit ge­wöhnlichem Aneroid oder Registrierinstrument (nur genau, wenn die Temperatur- und allgemeinen Wetterverhältnisse ebenfalls berücksichtigt werden!).

 

Militärwesen: Topographische Arbeiten im Gebirge und Hügel­land, rohe Geländeskizzen für Biwaks, Feldbefestigungen, Brückenschläge, Transportanlagen, Geschützaufstellungen. Mes­sung der Breite von Flüssen und anderer Hindernisse, Distanzen zwischen eigener und feindlicher Stellung; Orientierung im Ge­birge, entweder nach sichtbaren bekannten Punkten, oder, wenn Dunkelheit und Nebel herrschen, mit Aneroid, Thermometer, Gradiententafel, Kompaß und Karte. Verwendung des Gonometers zu Kleinnivellements und Neigungsmessungen.

 

Photogrammetrie: Ergänzung von Aufnahmelücken, nachträg­liche Festlegung von Punkten, die auf den Photoplatten nicht sicher identifiziert werden können (besonders zu empfehlen für Standorte auf sumpfigem, schneebedecktem, schwer zugäng­lichem Gelände an Stelle der gewöhnlich benutzten Meßtische).

 

Ein wesentlicher Aspekt bei den Verbesserungen an den Aneroidbarometer nach dem System Jakob Goldschmid besteht fast schon erwartungsgemäß darin, dass Hans Mettler die Aneroidtabellen zu den Aneroidbarometern verbessert hat.

 

 

Eine Vergrößerung der eigentlichen Aneroidtabelle, die in den Deckel des Etuis eingelegt wurde, sehen wir nach-stehend. Sie soll den Vater von Hans Mettler, Johannes Mettler (1848-1926), bei der Ablesung des Aneroidbarometers darstellen.

 

 

Die von Hans Mettler propagierte Barogonometrie und die von ihm beschriebenen vielfältigen Aufgaben, die man mit Hilfe seiner Aneroidbarometer erledigen könne, erforderten neben dem Aneroidbarometer selbst und dem ebenfalls notwendigen Thermometer zur Temperaturüberwachung / -kompensation während der Messungen auch ein neues Hilfsmittel: das Gonometer

 

Eine Beschreibung dessen finden wir ebenfalls in seinem Buch „Probleme und Konstruktionen aus der Barogonometrie“:

 

C. Das Gonometer.

 

     Dieses in Fig. 64 und 65 (siehe S. 16) abgebildete Instrument gestattet die Messung von Winkeln in vertikalen Ebenen entweder mit der Tangens oder in Prozenten. Andere Meßgeräte, die dem gleichen oder ähnlichen Zweck dienen, gibt es schon viele und es fällt mir deshalb auch nicht ein, meine Konstruktion als etwas Besonderes vorzustellen.

     Wirklich neu dürfte dagegen die von mir vorgeschlagene Zusammenarbeit von Barometer, Thermometer und Gonometer sein, welche erlaubt, nicht nur Höhenunterschiede, sondern auch horizontale und schiefe Strecken zu ermitteln, sowie vollständige Triangulationen und Geländeaufnahmen auszuführen. Gleich wie das Barometer wird auch das Gonometer freihändig gebraucht; beide Instrumente wiegen einzeln und zusammen sehr wenig und können bequem nach Fig. 66 in einem Etui mit Lederriemen getragen werden, ähnlich wie ein Feldstecher oder Photographenapparat. Der mit diesen Geräten versehene Geometer, Ingenieur, Techniker, Forschungsreisende, Geologe oder Tourist bestimmt damit ganz allein die gegenseitige Lage von Geländepunkten und verarbeitet seine Messungen nachher zu einer Kartenskizze. Allerdings ist dieses Verfahren nur anwendbar, wenn mindestens ein Punkt des Geländes beträchtlich über die andern hinausragt und von jenen aus gut sichtbar ist. Ferner müssen derart her­gestellte Kartenskizzen mittels einer Bussole, Fig. 62 und 63, oder nach den Gestirnen orientiert werden, d. h. nach der Windrose gerichtet sein.

 

 

 

Das Gonometer besteht aus drei Hauptteilen:

     1.  Dem Zielrohr mit Diopterfäden oder Linsensystem und anliegendem Maßstab.

     2.  Der verschiebbaren Hülse mit Zusatzgewicht.

     3.  Dem Handgriff, an welchem das Vorstehende hängt.

 

     1 und 2 bilden zusammen ein physisches Pendel vom Gesamtgewicht P, das im Schwerpunkt S angreifend gedacht werden kann. P ist die Summe der Teilgewichte P1 und P2, welche in den Schwerpunkten St und 52 wirken. Diese pendelnde Masse hängt im Drehpunkt O frei an dem Griff, welcher mit einer Hand festgehalten wird. Die Schwerpunkte S, S1 und S2 liegen stets auf einer Geraden, nebstdem stellt sich die Linie OS genau senkrecht ein, wenn das Gonometer zur Ruhe kommt. Bei jeder neuen Visur wird es anfänglich um die Gleichgewichtslage pendeln, weil nur der Handgriff fest­gehalten wird, das übrige aber frei der Schwerkraft folgt. Infolgedessen bewegt sich das Bild im Gesichtsfeld des Fernrohres auf- und abwärts und man könnte einige Zeit warten, bis dasselbe vollständig zur Ruhe käme (der freihändige Gebrauch bedingt an und für sich schon kleine Schwingungen). Aber der gänzliche Stillstand ist gar nicht nötig, es genügt, die Hülse so lange zu verstellen, bis das anvisierte Objekt gemäß Fig. 78 gleich viel über und unter den Horizontalfaden des Visierkreuzes ausschlägt, was mit bloßem Abschätzen ausreichend genau zu erkennen ist. Um die Pendelungen auf ein Minimum zu reduzieren und schließlich ganz verschwinden zu lassen, klemmt oder schraubt man den Handgriff an ein feststehendes Objekt (Stock, Baum, Zaun, Balken etc.). Immerhin könnte dann der Wind noch störende Ausschläge bewirken, jedoch, wie die Erfahrung zeigt, nicht sehr große und nur vorübergehend. Stark windiges Wetter ist übrigens auch ein fühlbares Hindernis bei der Höhenbestimmung mit dem Barometer, so daß beide Instrumente, Aneroid und Gonometer, nur bei relativ ruhiger Atmosphäre den wünschbaren Grad der Genauigkeit gewähren. Das Auf- und Abpendeln des anvisierten Bildes gegen das im Fernrohr befindliche Fadenkreuz war schon ein Merkmal des Prozentgefällmessers von Ingenieur Balzer, Chur, welchen mein Vorgänger Ingenieur Th. Usteri-Reinacher herstellte. Auf Verlangen würde dieser Gefällmesser noch jetzt angefertigt; er ist aber mehrmals so schwer wie mein Gonometer, benötigt ein ziemlich großes Etui und umfaßt nur den Bereich von — 50 bis + 50 Prozenten. Der Teilkreisbogen, an und für sich schon ein Pendel, wird durch ein Anhängegewicht in lotrechter Lage unter der Aufhängeaxe gehalten, so daß der Nullpunkt der Teilung hier senkrecht unter dem Drehpunkt liegt. Um die Schiefstellung der Fernrohraxe resp. den Höhenwinkel ablesen zu können, besitzt das Instrument einen Zeiger mit Nonius. 19) Eine Verzahnung innen am Teilkreisbogen gestattet jede gewünschte Einstellung des Höhenwinkels innerhalb des Bogens und es pendelt dann das ganze Instrument um seine Axe. Im Gegensatz dazu ist mein Gonometer zusammenklappbar, besitzt ein vor- oder rückwärts verschiebbares Fernrohr mit gleichmäßigen Intervallen an seiner Teilung und einen rund dreimal größeren Meßbereich.

     Um mit meinem Gonometer Steigungen oder Gefalle zu ermitteln, eventuell um solche abzustecken, klappt man es auf bis zum Anschlag, welcher die rechtwinklige Lage des Fernrohres zum Schieberarm gewährleistet. Dann zielt man, mit der einen (gewöhnlich der linken) Hand den Griff haltend, ungefähr in der Richtung des Punktes, dessen Lage man feststellen will, und verschiebt darauf das Fernrohr so lange, bis der betreffende Punkt um gleich viel über wie unter den Visierfaden pendelt. Dies gilt für den Fall, daß Vertikalwinkel zu messen sind. Will man solche abstecken, so schiebt man zuerst das Fernrohr auf die betreffende Prozentzahl und schaut hernach, welche Geländepunkte um gleich viel über wie unter den Visierfaden ausschlagen, d. h. welche Punkte in der Absteckungslinie liegen. Während dem Einstellen oder Ablesen ist die Augentätigkeit ganz der Teilung zugewendet, beim Zielen dagegen wieder ausschließlich dem anvisierten Bild, so daß bei weitem nicht dieselbe Ermüdung eintreten kann, wie wenn gleichzeitig mit dem Bild noch eine Libelle oder Teilung beobachtet werden muß, wie bei den meisten übrigen Vertikalwinkelmessern. Daß für das Einstellen oder Ablesen jede beliebige Position zulässig ist, braucht nicht besonders erläutert zu werden, hingegen verschafft dies eine nicht zu unterschätzende Bequemlichkeit. Offenbar besitzt dieses Gonometer bei verhältnismäßig einfachem Bau und ebensolcher Funktion eine weitgehende Verwendungsmöglichkeit.

     Sein Fernrohr ist der ganzen Länge nach zylindrisch, damit es ohne Anstoß durch die Führung gleitet. Das optische System kann den Wünschen der Besteller angepaßt werden, desgleichen die Größe des ganzen Instrumentes. Um mit wenig Optik auszukommen, dient normalerweise eine Kombination von plankonvexer Linse mit rechtwinkligem Prisma als Okular, beides aus einem Stück geschliffen. Das Objektiv unterscheidet sich in nichts von solchen für andere Fernrohre. Beide bleiben in festem Abstand, 20) so daß nur für entfernte Bilder, d. h. solche in mindestens 20 Meter Distanz, die Deutlichkeit vollkommen ist. Die eigenartige Okularkonstruktion ergibt aufrechte, jedoch seitenverkehrte Bildlage, weshalb es leicht ist, einen bestimmten Punkt aufzufinden. Die Vertauschung von links und rechts macht sich kaum als Übelstand bemerkbar, da man nur Höhenwinkel und keine horizontalen messen will. Für das ungefähre Anzielen sieht man zunächst längs des Fernrohres und hierauf von oben in das Okularprisma, bis die definitive Einstellung beendet ist. Gegen entsprechenden Aufschlag erhält übrigens jeder Käufer dasjenige Linsensystem eingebaut, das ihm am besten paßt, also auch ein solches mit geradem Strahlengang.

     Der Handgriff muß sozusagen reibungslos mit dem pendelnden Teil verbunden sein und zu diesem Zwecke sind die Spitzen oder Schneiden, an welchen der pendelnde Teil hängt, gehärtet. Als Sicherung gegen unbeabsichtigtes Fallenlassen dient eventuell ein Riemchen, das am Griff befestigt und um die Hand geschlungen wird. Zum Transport klappt man das Gonometer, wie weiter vorn erwähnt, zusammen und trägt es mit Bleistift, Papier, Gummi und ändern unentbehrlichen Requisiten in einem Etui am gleichen Tragriemen wie das Aneroid und Thermometer oder in der Tasche

      Über die mathematische Grundlage oder die physikalisch-geometrischen Verhältnisse bei diesem Gonometer geben die Figuren 75 und 76 einigen Aufschluß. Es sind zwei verschiedene Bauweisen angegeben, eine mit kurzem Pendel und Zusatzgewicht, die andere mit langem Pendel ohne Mehrbelastung. Für beide Ausführungen gelten jedoch die gleichen Formeln, welche links neben den Figuren angeschrieben sind. Das Fernrohr liegt verschiebbar in einer Hülse des Pendels und macht mit letzterem genau den Winkel von 90 °. Aus den angeführten Ableitungen ergibt sich die Grundidee dieses Instrumentes, nämlich die Proportionalität zwischen der Distanz vom Fernrohrschwerpunkt zum Pendel und der trigonometrischen Tangente des betreffenden Höhenwinkels. Wie die punktiert angedeuteten Linien zeigen, dürften sich hier interessante Probleme für den mathematischen Unterricht auf der Mittelstufe bieten, z. B. über den geometrischen Ort des Objektives, des Rohrschwerpunktes u. s. w.

     Anschließend ist auf demselben Blatte die Verwendung des Gonometers beschrieben, dies an Hand der Figuren 77 bis 84. Demnach kann dieses Instrument zum Visieren aufwärts, gradaus und abwärts benutzt werden, entsprechend den Figuren 77, 78 und 79. Gleich wie der Theodolit die Funktion des Nivellierens übernehmen kann, wenn sein Fernrohr horizontal gestellt wird, ebenso läßt sich auch beim Gonometer dasselbe erreichen, sofern der Schwerpunkt des Fernrohres resp. der Teilungsnullpunkt weder links, noch rechts vom Pendel abweichen. Die skizzierten Anwendungen sind derart einfach, daß eine weitläufige Erörterung unterbleiben darf. In Fig. 77 zielt das Gonometer z. B. auf eine Bergspitze, einen Dachgiebel, eine Baumkrone, ein Stangenende u. s. w. Soll dagegen ein Weg längs einem Abhang mit gegebener Steigung abgesteckt werden, so schiebt man das Fernrohr auf die entsprechende Zahl der Skala, z. B. 12% und sendet einen Gehilfen voraus, der ein Senkblei oder eine Latte halten muß, wovon das obere Ende anzuzielen ist. Das Visieren auf den Boden ist nur bei großen Entfernungen statthaft. Die Absteckung läßt sich auch ohne Hilfskräfte derart ausführen, daß man jeden bereits innegehabten Standort selber mit einem Pfahl oder Steinmann markiert und mit dem Gonometer vorwärtsschreitend von Zeit zu Zeit rückwärts nach diesem Signal visiert.     

     Gradaus zielen oder Nivellieren ist schon einfacher, besonders wenn das Terrain gleichmäßig ansteigt. Wie sich diese Operationen etwa abspielen, ist in den Figuren 78, 81, 82 und 83 angedeutet. Fig. 81 zeigt ein Nivellement nach Augenhöhen, von oben nach unten vorgenommen, Fig. 82 eines mit Aufstellung des Geometers in der Mitte zwischen zwei Meßlatten, die vom Gehilfen gehalten werden, Fig. 83 endlich das Abstecken von Horizontalkurven.

     Zum Schlusse ist noch das Visieren abwärts angeführt, zu welchem Zwecke der Abstand vom Objektiv zum Pendel vergrößert und derjenige vom Okular um ebensoviel verkleinert wird, d. h. das Fernrohr hängt diesfalls nach vorne.

     Die besprochenen technischen Anwendungen sind nicht das einzige, wozu das Gonometer taugt. Unter anderem eignet es sich auch vorzüglich zum Visieren auf Gestirne, während ähnliche Instrumente mit Libelle unter dem Nachteil leiden, daß sie nur in fester Aufstellung zu gebrauchen sind. Das Gonometer behält eben infolge der Schwerkraft den eingestellten Höhenwinkel bei und somit verbleibt auch das Gestirn für einige Zeit im Gesichtsfeld des Fernrohres, trotz der freihändigen Handhabung. Die bemerkenswerte Vielseitigkeit dieses Instrumentes erkennt man am besten aus den nun folgenden Problemen, in welchen es teils allein, teils zusammen mit dem Aneroid und Thermometer seine Brauchbarkeit beweisen kann.

 

 

     Da die trigonometrischen Funktionen Sinus, Cosinus, Tangens und Cotangens mit dem vorhin besprochenen Instrument enge zusammenhängen, sind dieselben in Figur 85 und 86 in eine graphische Rechentafel vereinigt worden, welche besonders die rasche Umwandlung von Prozenten in Winkelgrade gestattet. Anderseits eignet sie sich für die Bestimmung von Entfernungen, wie man später noch sehen wird. Zu diesem Zwecke ist die Darstellung der Cotangens bis auf Neigungswinkel von 4 Grad ausgedehnt; noch kleinere Winkel verlangen den Beizug von Rechenschieber und Logarithmentafel. Das Abgreifen und Vergleichen der einzelnen Längen und Bogen an diesem Nomogramm geschieht am besten mit einem Papierstreifen oder Zirkel, wogegen ein fertig geteilter Maßstab leicht Fehlablesungen verursacht.

 

19) Derselbe kann nicht durchwegs genau stimmen; denn die Intervalle der Prozentteilung des Bogens werden um so kleiner, je weiter sie vom Nullpunkt abstehen, da ja die Tangens und der Bogen nicht proportional zunehmen.

20) Wird Okularverschiebung gewünscht, damit auf alle Entfernungen deutliches Sehen gewahrt bleibt, dann muß zur Erhaltung eines unveränderlichen Rohrschwerpunktes noch eine teure Kompensation angebracht werden.

 

In dem „Handbuch der meteorologischen Instrumente und ihrer Auswertung“, herausgegeben von Fr. Dr. E. Kleinschmidt, Verlag von Julius Springer, 1935, lesen wir auf Seite 250 in der „Beschreibung von Aneroidbarometern“: 

 

Man hat sich schon früh bemüht, die Zahl der Drehpunkte und Gelenke zu vermindern. Mit gutem Erfolg geschah das Ende der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts durch den Züricher Mechaniker Goldschmid (Abb. 28). Er verwendete eine Vidiedose K K ohne Stützfeder, die bei B auf der Grundplatte sitzt. Der mit dem beweglichen Mittelzapfen. M fest verbundene Arm bewegt den Hebel a, dessen Drehpunkt das einzige Gelenk des Gerätes ist. Am freien Ende trägt der Hebel eine horizontale Strichmarke l, die über der in einem seitlichen Fenster angebrachten Skala S spielt. Mit dem dreh-baren Deckel ist durch das Metallstück N eine Mikrometerschraube fest verbunden, die auf die schwache Blattfeder b drückt; die Blattfeder trägt am freien Ende eine horizontale Strichmarke 2, die sich neben der Marke l verschiebt. Die Mikrometerschraube wird bei der Messung so weit angezogen, daß Marke l und Marke 2 eine Gerade bilden, deren Stellung mit Lupe auf der Skala S abgelesen wird. Dadurch wird erreicht, daß der Hebel a stets unter gleichem Druck auf der mit M verbundenen Schneide aufliegt und so eine zuverlässige Einstellung gewährleistet wird.

 

Die Skala ist in mmHg oder in Meter geteilt. An ihr werden die Zehner des Druckes (oder die Hektometer) abgelesen, die Einer, Zehntel und (geschätzten) Hundertstel auf der Teilung am Bande des drehbaren Deckels, der den Kopf der Mikrometerschraube bildet.

 

Die Temperaturfehler stecken hauptsächlich in der Membran und der Feder b; beide sind auch der elastischen Trägheit unterworfen. Ein Nachteil des Instruments ist, daß bei der Eichung unter der Luftpumpe die Mikrometer-schraube durch eine Greifzange eingestellt werden muß, wozu beson­dere Vorkehrungen nötig sind.

 

Die ursprünglichen Goldschmid´schen Aneroide sind zwar noch vielfach im Gebrauch, werden aber heute nicht mehr hergestellt. Seit den achtziger Jahren wurde eine äußere Spannfeder verwendet. Die heutigen Mikrometeraneroide (Hersteller: H. Mettler-Thalwil, Nachfolger von Usteri-Reinacher-Zürich) haben statt der Naudet´schen Blattfeder 2 Spiralfedern.

 

Das letzte von Hans Mettler verfasste und veröffentlichte Buch war das Werk:

 

1957       Probleme und Konstruktionen aus dem Universum

              Kommissionsverlag Leemann, Zürich

 

In einem Brief vom 18.03.1958 an die Redaktion des Schweizer Beobachters liefert Hans Mettler gleich eine Buchbesprechung zur Broschüre „Probleme und Konstruktionen aus dem Universum“ mit:

                                                                                                                            Hirzel ZH, 1958 / III / 18

                                                                                                                            An die Redaktion des Schweiz.Beobachter

                                                                                                                            Basel

 

Anbei sende ich Ihnen meine Schrift: Probleme und Konstruktionen aus dem Universum, in der Erwartung Sie werden derselben einige kritische Bemerkungen widmen. An zuständigen Fachgelehrten fehlt es ja in Basel nicht. Sofern es der etwas überschlanken Linie meines Portemonnaies zugemutet werden könnte, käme noch ein kleines Inserätli in Betracht.

     Neben der in allen meinen Veröffentlichungen bevorzugten zeichnerischen Lösung von Problemen liegt in dieser Broschüre der wichtigste Abschnitt vor unter dem Titel: Das Sonnensystem als ein mechanisches Gebilde, indem hier der Versuch gemacht wird, die Jahrhunderte hindurch für unfehlbar gehaltene Kant – Laplace´sche Hypo­these von dem Werden des "Sonnensystems umzustürzen, zu bodigen und auf die gültige Seite zulegen (technische Ausdrucksweise im Latein der Schwinger). Kant nahm an, die Sonne sei ursprünglich ein riesengrosser Ball oder Nebel von dünnem, kaltem Gas gewesen, der sich unter dem Einfluss der Schwere, verkleinert und verdichtet habe, um schliesslich als Sonne in der jetzigen Grösse am Firmament zu erscheinen. In der Folge schuf Laplace dann seine berühmte mathematische Theorie dazu und Helmholz, Poincare und andere Forscher der exakten Wissenschaften steuerten Ihrerseits das Weitere bei. Allgemein anerkannte Autorithäten haben somit die erwähnte Hypothese aus der Taufe gehoben. Trotzdem erkühnt sich so ein kleiner frecher ETH-Ingenieur, den Zweikampf mit einem ungleich stärkeren Gegner aufzunehmen, um ihn wohlmöglich zu werfen. Wie er dies anstellt, kann in der Broschüre nachgelesen werden, in welcher der Verfasser das Sonnensystem als Produkt von Schwärmen fester Körper, wie solche überall im Universum zirkulieren, zustandekommen erklärt und ferner behauptet, auch heute noch erhalte es auf gleiche Weise immer wieder Zuwachs. Indem nämlich, wie es die Beobachtungen immer wieder zeigen und schon im Altertum gezeigt haben, vom Himmel her feste Körper zur 0berfläche der Erde niederfallen, muss dies notwendigerweise die Masse derselben vergrösssern, wenn auch unmerklich ich für uns kurzlebige Bewohner der Erd­kruste. Bei seiner Wanderung durch den Weltraum trifft das Sonnensystem fortwährend auf weiter Ansammlungen von festen Körpern, was damit nicht nur bei der Erde, sondern auch bei allen übrigen Gliedern der Sonnenfamilie einen Massenzuwachs bewirken muss, den stärksten an der Sonne selber, bedeutend weniger an den Planeten und ihren Monden. Somit wären diese nicht als Kinder der Sonne aufzufassen, sondern als ihre Konkurrenten, die im gemeinsamen Wettbewerb unterlegen sind, wie im geschäftlichen Wettkampf der Menschen.

     Von echtem Interesse für die Verfasser politischer Aufsätze in der Presse dürften noch die Ausführungen sein, welche in der Broschüre den fast täglich diskutierten Gegensatz zwischen Ost und West kritisch beleuchten, wie dies auf Seite 34 und 35 geschehen ist. Den Abschluss dieser Publikation bildet eine Aufzählung ähnlich gestalteter Arbeiten aus früheren Jahren, deren Beachtung dem Leser von Nutzen sein könnte.

 

Bislang sind in Sammlerkreisen nur zwei Exemplare eines von Hans Mettler gefertigter Aneroidbarometer nach dem System Jakob Goldschmid bekannt. Dies sind beides Aneroide „alter Bauart“, wie sie bereits von seinen Vorgängern gefertigt wurden.

 

Abbildungen von einen Exemplar (Seriennummer 5221, mit noch nicht restauriertem Etui) nachstehend:

 

 

Es war bei den Recherchen zu Hans Mettler natürlich schnell klar, des es nicht nur diesen einen Hans Mettler gegeben haben kann.

 

Von daher bestanden recht früh auch Zweifel daran, ob ihm die nachfolgenden Veröffentlichungen ebenfalls zuzuschreiben sind. Sie könnten zwar vom kritischen Ansatz und dem Erscheinungszeitraum sicherlich zu unserem Hans Mettler passen, aber dennoch tun sie dies thematisch nicht so ganz, so dass der Verdacht nahe liegt, das sie nicht von ihm stammen dürften.

 

1922       Die Theorie der Sozialisierung, Verlag Schönberger Wien

 

1924       Eine neue Utopie, Aufsatz in Schweizerische Monatshefte für Politik und Kultur, Band 3, S. 27 ff.

              Eine kritische Buchbesprechung des vom Schriftsteller Dr. jur. et. Phil. Jakob Vetsch 1922 herausgegeben Buches „Die Sonnenstadt“. Ein Roman                   aus der Zukunft, herausgegeben unter dem Pseudonym Mundus.

 

1925       Zur Auswanderung der schweizerischen Industrie, Aufsatz in Schweizerische Monatshefte fürPolitik und Kultur, Band 4, S. 197 ff.

              Ebenfalls eine Besprechung mehrerer Veröffentlichungen zu dem Thema, die ebenso kritisch daher kommt, und sich sicherlich gut dem gleichen                     Hans Mettler zuordnen lässt, der auch die anderen drei Aufsätze verfasst hat. Ob das unser Hans Mettler ist steht aber auch hier nicht fest.

 

1926       Wirtschaftsstufen, Aufsatz in Schweizerische Monatshefte für Politik und Kultur, Band 5, S. 164 ff.

              Eine weitere Buchbesprechung zum Thema Wirtschaftsstufentheorien mit Verweis auf bisherige Ansätze hierzu.

 

1936       Die Clearingzahlung gemäß den schweizerischen Clearingabkommen mit den Oststaaten, Verlag Graphische Werkstätten H.R. Sauerländer & Co in                 Aarau stellt die Dissertation des Dr. Hans Mettler dar, der am 11.09.1911 in St. Gallen geboren wurde.

              Es liegt nahe, rein thematisch, das die vorstehenden Veröffentlichungen auch von Dr. Hans Mettler aus St. Gallen stammen.

 

Der Weiler Hirzel Zimmerberg

 

Bei einem Besuch in Hirzel und im Weiler Zimmerberg konnten am 24.07.2016 über 130 Seiten kopierte Durchschläge von Briefen des Hans Mettler aus dem Zeitraum vom 25.08.1955 bis zum 18.04.1962 in Empfang genommen werden. Eine Fundgrube und ein sehr schöner Einblick in das Leben des Hans Mettler in Hirzel–Zimmerberg.

 

Neben sehr vielen privaten Briefen an die Verwandten sind darunter auch Briefe an Würdenträger, Firmen und auch Behörden. Vornehmlich aber eben auch Briefe, die im Zusammenhang mit der Vermarktung des von Hans Mettler 1957 geschriebenen Buches „Probleme und Konstruktionen aus dem Universum“ stehen. Viele der Briefe sind Danksagungen für Geschenkpakete, die Hans Mettler entweder zu Weihnachten oder Ostern von seinen Verwandten, der Pfarrersfamilie von Hirzel  aber auch z.B. der Politgemeinde Wattwill bekommen hat.

 

Natürlich ist es nahezu unmöglich, den Inhalt aller über 150 Briefe hier wiederzugeben, aber dennoch geben sie einen schönen Abriss, womit sich Hans Mettler in seinen letzten Jahren beschäftigt hat, und das geht teilweise sogar so weit, dass wir nun wissen, womit er sein Tagwerk verbrachte und sogar was er gegessen hat.

 

Alle diese Briefe sind in seinem kleinen Bienenhaus auf seiner Schreibmaschine, Marke Remington, entstanden.

 

Hans Mettler hatte in der bergseitigen Hälfte des Dachbodens seine Schlafstätte direkt unter den Dachziegeln, die er in Sommernächten teilweise abnahm um den Sternenhimmel zu betrachten. Die Talseite des Dachbodens stellte seine Schreibstube und sein Archiv dar. Sowohl das Dachgeschoss, wie aber auch die mittlere Ebene waren nicht direkt geheizt. Nur im Keller gab es einen Ofen, der aber das Erdgeschoss im Winter auch nicht so recht heizen konnte. Mitunter hat Hans Mettler im Winter wochenlang bei großer Kälte in eben diesem Keller in einem Lehnstuhl geschlafen, da es in seiner, wie er mehrfach schreibt „Gefrierfleischhütte“ einfach zu kalt war. Im Keller des Bienenhauses hatte Hans Mettler neben dem Ofen auch seine Werkstätte mit seinen Maschinen eingerichtet.

 

Strom, Telefon und Radio waren Hans Mettler in der Behausung fremd und er brauchte nur eine Petroleumlampe und Kerzen für die Beleuchtung.

 

An mehreren Stellen beschreibt Hans Mettler, dass er sein Leben als Einsiedler selbst gesucht hat und es überhaupt nicht bereut, alleine zu leben und allen anderen aus dem Wege zu gehen.  Hauptverantwortlich hierfür macht er seine große Schwerhörigkeit, die ihm schon zu Studienzeiten an der ETH das Leben schwer gemacht hat und bis ins hohe Alter wohl immer schlimmer wurde. Eine Konversation mit ihm war auf normalem Wege mithin fast unmöglich, und um Missverständnisse zu vermeiden nahm Hans Mettler kaum am Leben außerhalb seiner Einsiedelei teil, oder ließ sich wenn Besuch erschien alles aufschreiben, oder anschreien. Letzteres, vornehmlich von den Herren, hat ihn nicht begeistert.

In vielen seiner Briefe lesen wir auch immer wieder von seinem Windrad, oder besser einer Windkraftanlage, an der er im Alter gearbeitet hat. Das Windrad hat er auch in der Tat neben dem Bienenhaus aufgebaut, aber wohl nie so recht zum Laufen gebracht. Schon im Februar 1956 schreibt er davon, dass dieses auf ein höher gelegenes Stück Land umsetzen möchte, um alle Winde aus allen Richtungen zu nutzen, aber daran zu scheitern droht, dass der Grundbesitzer sich weigert, seine Zustimmung zu geben. Dies führt Hans Mettler darauf zurück, dass im ganzen Ort kaum jemand sei, der sich für seine wissenschaftlichen Arbeiten interessiere, noch sie überhaupt verstehen könne.

 

Die Windkraftanlage, so wie Hans Mettler sich sie denkt, funktioniert über die Speicherung der sehr unregelmäßig anfallende Energie des Windes mittels Hebung eines Gewichtes, die dann nach Bedarf an die Arbeitsmaschinen weitergeleitet werden kann. „Wenn auch die Windmaschine als solche im Vergleich zu den anderen Kraftmaschinen nicht viel leisten kann, erinnert sie immerhin daran, dass ohne die Energie der Windströmungen alles Leben und Schaffen auf der Erde undenkbar wäre.“ beschreibt sie  Hans Mettler in einem seiner Briefe.

 

Gleichwohl hatte Hans Mettler auch im Jahre 1956 schon den Plan seine Wohn- und Arbeitsstätte zu verlegen und die Umsetzung schon soweit geplant, dass die zu erwartenden Erträge aus dem Verkauf seines letzten Buchs „Probleme und Konstruktionen aus dem Universum“ ihm dafür genügt hätten.

Das Buch erschien in einer Auflage von 600 Stück, wovon Hans Mettler 100 zu Werbezwecken eingeplant hatte, und 500 zu je 9 Franken zu verkaufen gedachte. Dabei hatte er sich genau ausgerechnet, wie er den höchsten Reingewinn machen könne, so dass er seine Umsiedlung und die Vollendung des Windrades auch bewerkstelligen könnte.

 

Das größte Ansinnen in der Vermarktung des Buchs lag aber klar darin, Achtung seitens der in astronomischen Dingen versierten Fachleute zu erhalten. Seinen Aufwand zur Erstellung des Buchs und der aufwendigen graphischen Zeichnungen hatte er auf einen Stundenlohn von 30 Rappen angesetzt, wenn denn seine Bücher sich verkaufen würden. Als Erstellungszeit für das Buch gibt er an einer Stelle ungefähr 9 Monate an.

 

Den Druck des Buches „Probleme und Konstruktionen aus dem Universum“ konnte Hans Mettler nur in Raten und nur mit großen Verzögerungen abzahlen. Zum einen stellte sich gleich vom Erscheinen des Buchs heraus, dass es sich nicht leicht verkaufte, und zum anderen wurde sein Windrad bei einem Sturm im September 1957 heftig beschädigt, so dass auch hierfür seine Übergangsrente der AHV und die kantonale Altersbeihilfe nicht gereichten.

1957 erweiterte Hans Mettler auch den Kellerbereich des Bienenhauses und hob etliche Kubikmeter Erdreich in Eigenleistung aus, um endlich einige Kästen, die immer noch im Freien standen, unter ein Dach zu bekommen.

 

Hans Mettler bezeichnet sich in seinen Briefen als alkohol-, milch-, fleisch- und tabakabstinent und erläutert an vielen Stellen, was er so alles selber kocht, meist pflanzliche Kost, und dass er meist nur einmal am Tag ein kombiniertes Frühstück / Mittagsmahl zu sich nimmt. An anderer Stelle ist zu lesen, dass er sich ab und zu etwas Wurst gönnt, und schon froh ist über die Essenseinladungen der Nachbarn und der Pfarrersfamilie zu Weihnachten zumindest dreimal im Jahr ein Stück Fleisch zu beißen zu bekommen.

 

Alles in allem wohl ein karges und spartanisches Leben im Alter, mit vielen Entbehrungen, aber sehr wenigem Klagen. Einmal in der Woche, pünktlich um 16.15 Uhr am Mittwochnachmittag, musste Hans Mettler den Migroswagen erreichen, um seine Einkäufe zu tätigen. Darüber hinaus holte er seine Post zweimal die Woche bei seinem Vermieter, dem Bauern Obi in Zimmerberg ab, und machte auch sonst seine Botengänge zur Post und andern Geschäften alleine.

 

1958 plant Hans Mettler, das Geschäft, das nun schon 42 Jahre in seinem Besitz ist, einigermaßen zu restaurieren und weiter oben am Hang etwas näher an die zivilisierte Zone umzuziehen.  Das Bienenhaus sei schließlich nur als Provisorium gedacht gewesen, das aber in verschiedener Hinsicht mangelhaft sei, und das falle ihm nun nach 11 ½ Jahren erst so recht auf.

 

Hans Mettler schreibt selbst, dass er sicherlich nicht die gepflegteste Erscheinung macht, und nur selten gut rasiert sei. Das er aber im Jahre 1958 öfters mal Besuch von der Kantonspolizei bekommt, beschäftigt ihn doch sehr. Es sehe so aus, als ob er, wann immer etwas Krummes in Hirzel geschehe, angeschwärzt würde.

 

Die Schwerhörigkeit hat Hans Mettler mehr als 60 Jahre lang behindert, und wird von ihm auch als Grund dafür angeführt, in die Selbstständigkeit gegangen zu sein, da er dann auf niemanden zu hören brauchte. Gleichwohl waren Besucher des Bienenhauses aber gehalten, mit einem harten Gegenstand (Stein oder Stock) anzuklopfen, wenn sie nicht zu lange im Freien warten wollten, bis Hans Mettler zufälligerweise hinausguckte. Und von Besuchern und vor allem Besucherinnen berichtet er doch allzu gern.

 

Selbst schreibt er: „Im allgemeinen machen Besuche mir keine Freude und geben Anlass zu folgendem Plakat hinter einem Fenster:  „Zur gepflegten Beachtung. Besuche von Kleinkindern und geistig unterernährten Erwachsenen sind dem Bewohner dieses Häuschen unerwünscht. Daneben ist noch zu sehen ein Löwe und vier kleine Tigerli, mit dem Begleittext: Gefährlich ist´s den Leu´n zu wecken und grimmig ist des Tigers Zahn. Doch fast noch schlimmer ist der Schrecken, wenn der H.M. euch recht greift an.“

 

Ebenfalls noch 1958 beliefert Hans Mettler aber auch noch einen Kunden mit Registrierstreifen für stationäre Barographen. Muss aber eine Bestellung von 300 Stück zuerst auch erst einmal mit einer Teillieferung von 40 Stück bedienen, da er keinen Lagerbestand mehr hält.

Hans Mettler nimmt im Februar 1958 die Vermarktung für sein Buch „Probleme und Konstruktionen aus dem Universum“ selbst in die Hand und will zu einer Großoffensive übergehen und Zeitungen und Fachzeitschriften anschreiben. Er lässt folgenden Inserat-Text auf möglichst kleinem Format, „etwa so wie eine Blut- und Leberwurstempfehlung“ veröffentlichen:

 

„Den Beziehungen zwischen Erde und Weltraum schenkt man gegenwärtig Beachtung wie noch nie. Als nützlicher Beitrag zu deren Verständnis sei bestens empfohlen die Schrift: „Probleme und Konstruktionen aus dem Universum“ (48 Seiten, 31 Abbildungen, broschiert, Fr. 9,35 incl. Wust, erhältlich vom Verfasser H.M. Ing. ETH, Hirzel“

 

Mitte 1958 muss Hans Mettler aber wohl so langsam einsehen, dass seine Schrift kaum Interesse weckt, und er kann dies auch begründen. Seine Erkenntnisse wurden zum Druck gegeben, bevor die erste Rakete und der erste Satellit die Erde umkreisten und fehlen daher vollständig in der Veröffentlichung. Gerade aber dies beschäftigt aber die Welt zu dieser Zeit ebenso, wie die aufkommende Kernenergie, die er persönlich ablehnt. Hans Mettler beginnt daher sein Buch in größeren Stückzahlen gratis abzugeben, um so vielleicht doch noch eine positive Entwicklung im Verkauf einzuleiten.

An seine Verwandten in Kilchberg schreibt Hans Mettler Mitte 1958:

 

„Ich werde immer mehr Einsiedler. Die Leute haben kein Verständnis für meine Sachen und sind im allgemeinen eben doch recht ungebildet, so dass nicht nur mein sehr schlechtes Gehör, sondern auch der Mangel an geeignetem Gesprächsstoff den Verzicht auf näheren Kontakt bedingen.“

 

Dahin gegen scheint er in dem Generalsekretär der Schweizerischen Astronomischen Gesellschaft, Herrn Hans Rohr, einen aufmerksamen Zuhörer, oder besser Leser, gefunden zu haben. Ihm schildert er neben seiner halben Lebensgeschichte auch, welche anderen Honoratioren er einmal kannte, auch wenn er keine Kontakte mehr habe, und das dies doch in so krassem Gegensatz zu den Sennbauern und Kleingewerblern stehe, die ihn jetzt umgeben, und die ohne höheren Lebenszweck nur die Ergatterung von Mammon anstreben, ihn aber nicht verstünden.

 

Im Januar 1959 bestellt Hans Mettler u.a. 500 Couverts und vorgedruckte Papierstreifen mit der Aufschrift „Überreicht vom Verfasser“. Er hatte wohl eingesehen, dass sein letztes Buch nun wirklich nur durch unaufgeforderte Versendung, aber eben nicht durch Verkauf zu verteilen war. Insgesamt muss Hans Mettler beklagen, dass nicht einmal zehn der 600 gedruckten Broschüren verkauft wurden.

 

Hans Mettlers Briefe sind oftmals durchaus mit Witz und Humor versehen und selten länger als eine Schreibmaschinenseite. Nun, für einem älteren Herrn kurz vor dem 80. Lebensjahr, oder wie Hans Mettler schreiben würde, nach z.B. 78 Sonnenumrundungen, war dies sicherlich aber auch eine Leistung. Oft schafft er es die Briefe damit einfach am Ende der Seite damit zu schließen, dass ihm nun nichts mehr von Belang einfiele. Einmal schließt er aber mit: „Bei einem Negerstamm in Südafrika soll es den Versammlungsrednern nicht gestattet sein, länger zu reden, als sie auf einem Bein stehen können, was mich zu rechtzeitigem Abschluss dieser Nachrichten veranlasst, mit freundlichen Grüßen allerseits, auch von den 9 Katzen.“

 

Am 15.08.1960 schreibt Hans Mettler an die Orell Füssli – Annoncen AG und teilt mit, dass er eine Erneuerung der Eintragung für seinen Betrieb im Schweizerischen Ragionenbuch (ein Firmenindex im Handelsregister eingetragener Firmen) nicht mehr wünscht.

 

Noch immer plant Hans Mettler im Dezember 1960 die Errichtung seines Windrades, aber auch die Verlegung seiner Barometerprüfanlage auf die Kuppe des Zimmerberges oberhalb seines Einsiedlerhauses, und das nun nach mehr als 15 Jahren in der als Provisorium gedachten Behausung.

In einem Brief von Hans Mettler vom 02.01.1961 berichtet er einem Verwandten „Jakob“, dass er nie mehr als 25 Mitarbeiter in seiner Werkstätte gehabt hätte, und dass diese nun schon 45 Jahre in seinen Händen wäre, und er mit 3 Jahren technischem Bureau vorher nun auf 48 Jahre Selbstständigkeit blicken könne. Er schreibt weiter:

 

„Die Werkstätte für sich konnte 1958 auf 150 Jahre zurückschauen, aber auch ohne Ermahnung der Liga für Lärmbekämpfung machte ich deswegen keinen Spektakel vor der Öffentlichkeit, denn das Unternehmen hat auch im Besitz der Vorgänger nie recht floriert. Jetzt bin ich mutterseelenallein und arbeite nur noch zu meinem Vergnügen, …“

 

In vielen Briefen an die Verwandtschaft berichtet Hans Mettler auch noch bis kurz vor seinem 80. Geburtstag von ausgedehnten, meist mehrtägigen Wanderungen und Gewaltmärchen mit teils über 40 Stunden am Stück, die ihn wohl immer ein großes Anliegen waren. 

 

Viel Persönliches steht in seinen Briefen. Hiervon soll hier erwähnt sein, dass er 165cm groß war und Hemdengröße 41 trug, und nach seiner Aussage von seinen Verwandten durch die vielen Geschenke zu Festlichkeiten mit Unterwäsche bis ins Jahr 2000 versorgt sei. Seine Altersrente betrug im Jahr 1959 Fr. 70,-, was nach heutigem Maßstab und dem Schweizer Landesindex der Konsumentenpreise ca. Fr. 290,- entsprechen dürfte.

 

Bis ins hohe Alter stellte Hans Mettler zur Weihnachtszeit drei Kerzen auf dem Friedhof auf einen Adventskranz. Eine für den Vater, eine für die Mutter und einen für seine früh verstorbene Schwester. Hans Mettler hat auch mal Jiu-Jitsu – Ringkampfunterricht genommen, seinerzeit. In einem Brief beschriebt sich Hans Mettler als in seiner Jugendzeit phantastischer Raufer, der ihm auch den Spitznamen „Kara Ben Nem Mimisch Effendi“ (anstatt Mettler einfach Mimisch) eingebracht habe.

 

Sehr viele der privaten Briefe unterzeichnete Hans Mettler auch im Namen seiner bis zu 12 Katzen, die bei ihm lebten. In manchen Fällen zählte er sogar deren Namen auf, allesamt exotische Frauen-Namen.

 

Mehrere Stürze in seinem Garten, auf dem Weg zur Post und dem Migroswagen zu Fuß aber auch mit seinem Velo (Fahrrad), gepaart mit mehreren teils heftigen Attacken von Hunden, lassen dann doch vermuten, dass Hans Mettler immer müder wurde, das Einsiedlerleben weiterzuführen. Es wird berichtet, dass er seine letzten beiden Lebensjahre dann doch im Altersheim verbracht habe, und genau das wollte er immer vermeiden. Er liebte seine Selbstständigkeit im Beruf und im privaten Leben, und bezeichnete seine Lebensweise auch gerne als die, die ihm am besten gefalle.

 

Das letzte erhaltene Schreiben, entstanden einen Tag nach seinem 80. Geburtstag, am 18.04.1962, gibt einen schönen Abriss, so dass es nachstehend gezeigt werden soll.

 

Hans Mettler war auf vielen Gebieten engagiert. In seinen Briefen erwähnt er auch die halbkreisförmigen Sternenkarten im Schweizer Pestalozzi Schülerkalender von Bruno Kaiser in Bern, die seit 1924 dort veröffentlicht und welche von ihm gezeichnet wurden.

 

Nachstehend ein Exemplar einer Sternenkarte aus dem „Schweizer Pestalozzikalender 1927“, die auch in dem „Kalender der deutschen Jugend. Deutscher Pestalozzikalender“, z.B. von 1928, veröffentlicht wurden.

 

Schweizer Pestalozzikalender 1927

Sonstige Instrumente

 

In seinem Buch „Geobotanische Untersuchungsmethoden“, erscheinen 1922 in Berlin, beschreibt Dr. Eduard Rabel, Privatdozent an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich, die unterschiedlichsten Geräte und Instrumente, die er für seine Untersuchungen für sinnvoll hält, und alle getestet hat.

 

Auf Seite 48 beschreibt er einen

 

Sonnenhöhenmesser

    1917 habe ich mir bei Hans Mettler (ehemaIs Usteri-Reinacher an der Trittligasse Zürich) einen Sonnenhöhenmesser bauen lassen (Fig. 13), an dem man die Höhe in ganzen. eventuell halben

Graden direkt ablesen kann.

    Auf kleinem Gestell, das durch Wasserwage genau wagrecht zu stellen ist, erhebt sich senkrecht ein Metallsektor, auf dem sich eine Gradeinteilung befindet. Ein darüber gleitender Hebel, durch Klammer auch der hinteren Seite angedrückt, besitzt an beiden Enden flächenartige Vorsprünge, der äußere enthäIt eine Spalte, der innere eine wei.6e Linie. Man bewegt den Hebel, bis die Sonne durch die Spalte ihren Schein auf diese Linie wirft, eine Marke zeigt auf der Gradeinteilung auf die Gradzahl.

 

Auf Seite 50 sehen wir dann das von Hans Mettler gefertigte Instrument:

 

 

Im gleichen Buch wird dann auf Seite 137 ein

 

Höhenbarometer (Fig. 52)

    Es gibt eine Reihe guter Aneroidbarometer, die man für die Höhenbestimmungen gebrauchen kann. Als Beispiel sei angeführt das Aneroidbarometer Naudet, 7 cm Durchmesser, bis zu 4000m brauchbar, in Lederetui mit Thermometer mit Korrektionstabellen. Auf dem Zifferblatt ist es bezeichnet: Barometre holosterique altimetrique compense Th. Usteri-Reinacher, Zürich (jetziger Nachfolger Masch.-Ing. Hans Mettler, Trittligasse 34, Zürich 1).

    Um den eigentlichen Aneroidbarometer ist ein Teilungskreis drehbar, der die Höhenmetereinteilung von 0 bis 4300 enthält; die Teilstriche sind darauf von 10 zu 10 m gezeichnet, dazwischen lassen sich 2 m noch ganz gut schätzen.

    Vor dem Gebrauch stellt man nach der Karte die Ausgangshöhe genau ein. Bei wenig veränderlicher Witterung werden in der Ebene und beim Aufwärtssteigen die Ablesungen genau. Für die Temperatur hat man eine Korrektionstabelle, die bei diesem gut kompensierten Instrument fast nichts ausmacht. Für etwaige kleine Unregelmäßigkeiten, daß z. B. ein Instrument überall genau ist, mit Ausnahme, daß es sich zwischen 1900 und 2000 m um 20 m zu wenig verändert, hat man auch eine Korrektionstabelle, wenn nötig. Es ist vorteilhaft, vor größeren Reisen oder sonst alle paar Jahre das Instrument wieder durchprüfen zu lassen, da ein Aneroid sich im Laufe der Zeit verändern kann. Die direkte Ablesung gestattet es, bei jeder Aufnahme sofort die Höhe beizusetzen. Die Grundlage aller Höhenmessungen ist eine gute Karte. Der vorzügliche Siegfriedatlas der Schweiz eignet sich natürlich sehr gut. Nicht nur kann man überall morgens genau einstellen, sondern trifft unterwegs immer wieder auf Höhenzahlen in der Karte, mit denen man das Höhenbarometer 

 

 

vergleicht. So wird man auch bei veränderlichem Wetter die Änderung zwischen Anfangs- und Endpunkt leicht bestimmen können und allfällig Berichtigungen an gemessenen Zahlen anbringen.

    Weniger genau sind die Zahlen bei raschem Abwartssteigen, weil der Zeiger nicht immer so schnell nachkommt. Bei meinem Instrument habe ich aber sogar in Bergbahnen bemerkt, daß der Zeiger gleichmäßig, nicht ruckweise, wie oft behauptet wird, sank und zwar so schnell wie die Bahn fuhr.